Umweltschützer laufen Sturm

Wegen Corona: Nordsee-Kreuzfahrten nach Sylt und ins Wattenmeer

Mittelmeer, Karibik oder in den das Nordkap: Die Ziele von Kreuzfahrten sind vielfältig, Reedereien entdecken nun das norddeutsche Wattenmeer. Die ersten Widerständler haben sich in Stellung gebracht.

  • Reederei Hapag Lloyd steuert die Inseln Borkum und Sylt an.
  • In Eckernförde sind ab 2022 keine Kreuzfahrtschiffe mehr in der Bucht zugelassen.
  • Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer wird in diesem Jahr 30.

Naturschützer haben vor Kreuzfahrten im Wattenmeer gewarnt. Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie suchten große Reedereien nach neuen Zielen in der näheren europäischen Umgebung, sagte Katharina Weinberg, Naturschutzreferentin der Schutzstation Wattenmeer. „Offenbar rückt jetzt auch der Nationalpark Wattenmeer mit seinen Inseln und Halligen zunehmend in den Fokus.“ Erste Touren habe es bereits gegeben, weitere würden beworben.

Fläche Nationalpark Wattenmeer441.500 Hektar
Gründung1. Oktober 1985
Tidenhub1,5 bis 3,7 Meter
Kegelrobbeca. 140 Tiere

Die Reederei Hapag Lloyd steuerte laut Katharina Weinberg im Oktober die ostfriesische Insel Borkum an und auch Sylt stehe auf ihrem Tourenplan. Andere Reedereien sollen ebenfalls in den Startlöchern stehen. So kündige Hurtigruten die Gründung einer separaten Einheit für Expeditionskreuzfahrten an, sagte Katharina Weinberg.

Kreuzfahrttourismus ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell“, sagte Dennis Schaper, Stationsleiter der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt. Die Schiffe führen überwiegend noch mit Schweröl und hätten selbst mit Katalysatoren oder Alternativtreibstoffen eine schlechte CO2-Bilanz. „Dazu kommen die Auswirkungen auf Inseln und Halligen, die jetzt schon von touristischen Aktivitäten überlastet sind. Da bedarf es keiner zusätzlichen Tagesgäste“, sagte Dennis Schaper

Große Schiffe können die Kais der Nordseeinseln wegen ihres Tiefgangs nicht direkt anlaufen. Passagiere müssten mit Schlauchbooten durch den Nationalpark Wattenmeer an Land gebracht werden, was zusätzlich Unruhe in schützenswerte Bereiche bringen könne.

Forderung: Keine Kreuzfahrt im Wattenmeer

„Wir sollten auf den Inseln im Nationalpark Wattenmeer ein Zeichen setzen und den großen Kreuzfahrtunternehmen signalisieren, dass sie hier unerwünscht sind“, forderte Dennis Schaper. Er verwies auf Eckernförde an der Ostsee: Dort sind ab 2022 keine Kreuzfahrtschiffe mehr in der Bucht zugelassen.

Die Reederei Hapag Lloyd setzt für diese Touren beispielsweise das Expeditionsschiff „Hanseatic Inspiration“ ein. Im Verhältnis zu den großen Schiffen mit mehreren Tausend Gästen ist die „Hanseatic Inspiration“ klein. Die Passagierkapazität beträgt laut der Homepage 230 Personen. Der Antrieb ist ein Mix aus Diesel und Strom. Das Schiff hat einen Tiefgang von 5,7 Metern. Zu Hapag Lloyd gehört auch die „Europa 2“.

Die Hallig Oland im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer besteht seit 1986 und umschließt die Ostfriesischen Inseln, Watten und Seemarschen zwischen Dollart an der Grenze zu den Niederlanden im Westen und Cuxhaven bis zur Außenelbe-Fahrrinne im Osten. Der Nationalpark ist etwa 345.800 Hektar groß. Das Wattenmeer bildet das größte zusammenhängende Sand- und Schlickwattsystem der Welt. Die Nationalparkverwaltung befindet sich in Wilhelmshaven. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört zusammen mit dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, dem Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, dem dänischen Nationalpark Vadehavet und dem niederländischen Wattenmeer zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Das Teilgebiet Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer feierte in diesem Jahr den 30. Geburtstag. Der Anlass war das seinerzeitige Seehundsterben. Der Lebensraum sollte gerettet werden. Inzwischen hat sich der Seehundbestand durch die Schutzmaßnahmen erholt und sogar die Kegelrobbe erobert sich ihren ehemaligen Lebensraum zurück. Mit der Erschließung wurde auch die Lücke zwischen den beiden Nationalparks in Niedersachsen und Schleswig-Holstein geschlossen.

Hamburg ist neben Wien die einzige europäische Großstadt mit einem Nationalpark. Neben konsequentem Naturschutz geht und ging es immer auch um wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten für die Bewohner der Insel Neuwerk und die Förderung des einmaligen Naturerlebnisses für die pro Saison bis zu 100.000 Besuchern.

Rubriklistenbild: © Carlos Arias Enciso/dpa-tmn

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