Schutzzäune problematisch

Eckpunkte zum Umgang mit Wölfen stoßen auf Kritik

Hannover/Berlin - Zum ersten Mal haben sich mehrere Verbände in Berlin auf eine gemeinsame Strategie zum Umgang mit Wölfen geeinigt. Von einem Wohlfühlpapier sprechen Kritiker. Vorschläge wie Schutzzäune haben sich in Niedersachsen schon als problematisch erwiesen.

Naturschützer, Tierfreunde und Schäfer haben sich zum ersten Mal auf eine gemeinsame Strategie zum Umgang mit Wölfen in Deutschland geeinigt. Gemeinsam sprachen sich die Verbände am Donnerstag in Berlin für ein Wolfsmanagement in den Bundesländern, Investitionen in Schutzzäune und einen schnellen Schadensausgleich nach Wolfsattacken auf Nutztiere aus. "Es geht nicht mehr darum, ob das Zusammenleben mit Wölfen funktioniert, sondern wie", sagte Moritz Klose vom Umweltschutzverband WWF.

Der Deutsche Jagdverband nannte die Eckpunkte ein "Wohlfühlpapier", das die wahren Herausforderungen nicht klar benenne. "Die Flächen für eine externe Beweidung lassen sich nicht wolfssicher einzäunen, weil sie viel zu groß sind", sagte Sprecher Torsten Reinwald. Zudem gebe es nicht nur einzelne "Problemwölfe", sondern bereits ganze Rudel, die sich zum Beispiel auf Rinderherden spezialisiert hätten. "Der Schutzstatus des Wolfes muss gelockert werden."

Abschüsse möglich

Die Einigung der Verbände umfasst auch den Abschuss von Problemwölfen durch Naturschutzbehörden als letztes Mittel. Niedersachsen hatte im vergangenen Jahr als erstes Bundesland einen Wolf abschießen lassen, der als verhaltensauffällig galt und die Distanz zum Menschen verloren hatte.

Die Ausbreitung des Wolfes bereitet etwa den Bauern Sorgen. Elf Rudel haben sich nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) in Niedersachsen angesiedelt. Die Landesjägerschaft (LJN) geht derzeit von rund 140 Wölfen im Land aus. 2016 rissen Wölfe 68 Weidetiere von insgesamt 175 getöteten Tieren. Darunter waren vor allem Schafe, aber auch Rinder.

Schutzwirkung umstritten 

Schutz vor Wolfsangriffen für Weidetiere sollten in Niedersachsen auch schon vor dem Eckpunkte-Papier hohe Elektrozäune bieten. Deren Wirkung ist aber umstritten. Aus Sicht der Landwirte müsste ohnehin mehr getan werden: "Es bedarf einer Bestandsregulierung und einer Festlegung von Gebieten, die für eine Wiederansiedlung des Wolfes nicht in Frage kommen", sagte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Weidetierhalter und die CDU fordern schon seit längerem eine durch Abschüsse geregelte Obergrenze für Wölfe.

Seit 2008, als sich die ersten Wölfe nahe Lüneburg ansiedelten, wurden 669 Nutztiere gerissen. Niedersachsen rangiert damit im Ländervergleich auf Rang drei, berichtet die "NOZ" am Donnerstag und beruft sich dabei auf eine eigene Umfrage in den Bundesländern. Noch mehr Opfer der Wölfe gab es demnach mit mehr als 1100 gerissenen Tieren in Brandenburg und 895 in Sachsen. Auch Sachsen-Anhalt zählte 373 durch Wölfe getötete Tiere.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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