Perspektive für den Blumenhandel

Hoffnung für Blumenläden: Betriebe in Niedersachsen öffnen wieder

Noch vor den Friseuren dürfen in Niedersachsen wieder die Blumenhändler und Gartencenter öffnen. Bei der Branche kommt das naturgemäß an.

  • Seit Samstag dürfen Blumengeschäfte und Gartencenter in Niedersachsen wieder öffnen.
  • Von Februar bis Mai werde 45 Prozent des Jahresumsatzes gemacht.
  • Hamburg kritisiert Niedersachsen - Uneinheitliches Bild der Öffnungen im Norden.

Oldenburg/Wiesmoor - Pünktlich zum Valentinstag am vergangenen Sonntag hat Niedersachsen die Wiederöffnung von Blumenläden und Gartencentern gestattet. „Es ist gut, dass wir wieder öffnen können“, sagte Michael Löschau, Geschäftsführer der Firma „Oldenburger Wohngarten“, die zwei Gartencenter und einen Blumenladen betreibt. Vor allem der Blumenladen sei am Samstagmorgen gut frequentiert gewesen. „Der Valentinstag ist ein starkes Schnittblumengeschäft“, betonte Löschau. Der Lockdown hat nicht nur den Gartenbaubetrieben in Niedersachsen zugesetzt. Zwar standen die Frühjahrsblüher wie Primeln und Veilchen für den Verkauf bereit, doch da die Fachhändler geschlossen waren, blieben die Erzeuger meist auf ihrer Ware sitzen und waren gezwungen, sie zu entsorgen.  

Bundesland:Niedersachsen
Landeshauptstadt:Hannover
Einwohnerzahl:7.993.608 (31. Dezember 2019)
Regierungschef:Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil wies darauf hin, dass andere Bundesländer schon in den vergangenen Wochen den Verkauf von Schnittblumen erlaubt hätten. Viele Menschen in Niedersachsen seien von der Pandemie und ihren Folgen wirklich gestresst. „Wir möchten ihnen wenigsten kleine Perspektiven bieten, und sei es nur, dass dann, wenn der Schnee weg ist, auch wieder Blumenkästen bepflanzt und Gartenarbeit begonnen werden kann“, sagte der SPD-Politiker im Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“ von Sonntag.

Seit Samstag dürfen in Niedersachsen Blumengeschäfte und Gartencenter wieder öffnen.

Laut Gartencenter-Chef Löschau werden die Abstands- und Hygieneregeln in seinen Betrieben eingehalten. „Wir haben hier sehr viel Platz und wir steuern den Zulauf auch mit den Einkaufswagen.“ Den Umsatzausfall wegen der wochenlangen coronabedingten Zwangsschließung schätzte der Geschäftsführer auf rund eine halbe Million Euro.

Andere Bundesländer ließen Betriebe offen - Lage im Norden weiterhin uneinheitlich

Die Betriebe in Niedersachsen mussten schließen, während sie in anderen Ländern - etwa Hessen und Nordrhein-Westfalen - offen bleiben durften. Auch die Möglichkeit zur Onlinebestellung gab es, die jedoch immer auch mit Schwierigkeiten verbunden sein kann. Nach der Öffnung in Niedersachsen ist nun aber im Norden die Lage uneinheitlich: Schleswig-Holstein will zum 1. März öffnen; in Hamburg hatte es seitens des Landes zuletzt Kritik an der Öffnung in Niedersachsen gegeben.

Die Branche sei über die Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung froh, sagte Frank Schoppa vom Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland. Für das Agrarland Niedersachsen mit seinen vielen Gartenbaubetrieben sei das eine wichtige Nachricht. „Wir werden alles daran setzen, dass auch in Hamburg wieder ab dem 1.3. geöffnet wird.“ Derzeit müssten Millionen von Frischblumen auf den Kompost geworfen werden. „Da blutet jedem Gärtner das Herz.“

Wegen des Lockdown fanden Gartenbaubetriebe für ihre Frühblüher keine Abnehmer und mussten die Pflanzen entsorgen.

Rund 10.000 solcher verkaufsfertigen Pflanzen haben die Mitarbeiter im Gartenbaubetrieb von Lars Dehne im ostfriesischen Wiesmoor schon allein im Januar entsorgen müssen. Wegen des Lockdown blieb vielen Gartenbaubetrieben in Niedersachsen kaum eine andere Wahl. Durch die Schließungen, die seit Dezember galten, kamen die Blumen nicht an die Kunden. „Zum einen sind das Lebewesen, um die es da geht - zum anderen wird da einfach Geld weggeschmissen“, sagt Lars Dehne, dem die Situation zu schaffen gemacht hat. Sein Betrieb, der sich auf Topfpflanzen für den regionalen Facheinzelhandel und den Blumengroßmarkt spezialisiert hat, hat sei Mitte Dezember 90 Prozent Umsatzrückgang registriert.

„Jede Woche, die wir länger auf eine Öffnung warten, wird zu einem größeren Problem“, erklärte Dehne Anfang Februar. Bei einem Verkaufsverbot bis Mitte Februar rechnete der Fachbetrieb mit etwa 50.000 Pflanzen, die er wohl entsorgen müsste. Bei einem Verbot bis Ende März wären es wohl mehr als 600.000 Pflanzen gewesen, die in den Kompost wandern - das entspreche laut Dehne dann einem Warenwert von etwa einer halben Million Euro.

Jede Woche, die wir länger auf eine Öffnung warten, wird zu einem größeren Problem“

Lars Dehne, Geschäftsführer Dehne Topfpflanzen GmbH

Alternative Absatzmöglichkeiten für die Pflanzen waren kaum in Sicht: Ein Verkauf der frischen Blumen etwa in den Supermärkten und Discountern, die Pflanzen verkaufen dürfen, komme nur für wenige in Frage, da Verträge dort mit einem halben Jahr Vorlauf geschlossen würden, gibt Lars Dehne zu bedenken. Und auch mit einer Entschädigung für vernichtete Pflanzen können die Betriebe laut Gartenbauverbänden momentan nicht rechnen - diese seien in den Überbrückungshilfen nur für den Einzelhandel vorgesehen, nicht aber für die Anbaubetriebe.

Frühjahr ist der Schwerpunkt beim Absatz von Blumen und Pflanzen

Gärtnereibetriebe und Gartencenter seien nie Hotspots gewesen und hätten schon früh Hygienekonzepte entwickelt. „Wir haben großflächige Verkaufsflächen, Lüftungen, Gewächshäuser. Outdoorflächen“, erklärte Frank Schoppa. Die Politik müsse keine Sorge haben, es später zu bereuen, die Gartencenter aufgemacht zu haben.

Rechtzeitig zum Valentinstag durften Blumenläden und Gartencenter in Niedersachsen wieder öffnen.

Das Frühjahr sei der Schwerpunkt beim Absatz von Blumen und Pflanzen, sagte der Generalsekretär des Zentralverbandes Gartenbau, Bertram Fleischer. Von Februar bis Mai werde 45 Prozent des Jahresumsatzes gemacht, das bilde den Grundstock für den Rest des Jahres.

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam / picture alliance / dpa

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