Niedersachsen baut muslimische Gefängnisseelsorge aus

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Sevginiz Kizmaz, eine der muslimischen Seelsorger.

Hannover - Niedersachsen baut die muslimische Gefängnisseelsorge, die den Häftlingen Beistand bietet und einer möglichen Radikalisierung hinter Gittern vorbeugen kann, weiter aus.

Knapp zwei Jahre nach dem Start hat Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) die inzwischen 36 Seelsorger am Dienstag offiziell in ihr Amt berufen, darunter auch zwei Frauen. In fast allen Gefängnissen gibt es inzwischen muslimische Seelsorger. Dabei handelt es sich um Imame und Helfer, die von den muslimischen Verbänden für ihren Einsatz geschult werden. Die Kirchen stellen 38 Gefängnisseelsorger.

Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hatte Ende 2012 eine Grundlage für die Seelsorge geschaffen, die von muslimischer Seite zuvor bereits vereinzelt organisiert wurde. Seitdem erhalten die Seelsorger für ihren ehrenamtlichen Einsatz eine finanzielle Entschädigung vom Land. „Gehen Sie in die Anstalten, sorgen Sie dafür, dass Freitagsgebete regelmäßig stattfinden“, ermunterte die Ministerin die Seelsorger.

Der Landeschef der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Yilmaz Kilic, begrüßte die Zusammenarbeit des Landes mit den Muslimen - nach Schaffung des islamischen Schulunterrichts nun auch in der Seelsorge. „Wir sind wieder Vorreiter bundesweit.“ Wie die Kirchen wollten auch die Muslime ihre Seelsorge hinter Gittern demnächst hauptamtlich organisieren. „Mit dem Ehrenamt ist das nicht zu bewältigen“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Muslime, Avni Altiner. Eine Aufwertung der Seelsorge lasse sich hoffentlich in dem angestrebten Staatsvertrag zwischen Land und muslimischen Verbänden verankern.

Vom 2015 an werde das Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück einen Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Seelsorge anbieten, sagte Prof. Rauf Ceylan. Bislang mangele es noch an professionellen und vor allem auch deutschsprachigen Fachkräften für die Seelsorge. Die Ditib habe zwar früher bereits wöchentlich oder monatlich Häftlinge besucht, aber nur die türkischen. Den aus der Türkei entsandten Imamen sei die Lebenswirklichkeit der Gefangenen in Niedersachsen oft fremd gewesen, sagte Ceylan.

„Es gibt vereinzelt Hinweise darauf, dass religiöse Fanatiker bestrebt sein können, an die Gefangenen heranzutreten“, sagte Niewisch-Lennartz. Deshalb sei es wichtig, dass die Seelsorger den Gefangenen die richtigen Werte des Islams vermitteln könnten.

Wie Ceylan sagte, kann der Islam in der Haft als Identifikationsanker dienen - mit der Gefahr einer Orientierung hin zu radikalen Mitgefangenen. „Extremismus, Radikalisierung, das wird von uns nicht geduldet“, betonte Kilic. Der Verfassungsschutz zumindest steht bei der Problematik in Kontakt mit den Haftanstalten und klärt Mitarbeiter bei Bedarf über Gefahren des Islamismus auf.

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