Abzocker auch in Bremen aktiv

Miet-Abzocke mit System: Wichtige Tipps helfen gegen Online-Betrug

Betrüger werden immer dreister, um an das Geld anderer zu kommen. Wohnungssuchende sind ihnen willkommene Opfer, Fake-Miet-Anzeigen eine beliebte Masche. Wer hintergangen wurde, für den gibt es Hilfe.

  • Mieter fallen mitunter auf Fake-Anzeigen in Online-Miet-Portalen herein.
  • Experten raten: Erst die Wohnung ansehen, dann Mietvertrag unterschreiben - vorher nichts zahlen.
  • Website-Betreiber führen ein Katz-und-Maus-Spiel gegen Miet-Betrüger.

Bremen/Hannover - Dieses Angebot im Online-Immobilienportal klingt verlockend: Eine Zwei-Zimmer-Mietwohnung mit 68 Quadratmetern für 465 Euro warm. Garniert wird das Ganze mit einer perfekten Lage in der Innenstadt von Bremen. Bester Platz am Ort sozusagen. Das Problem: Das Angebot ist eine Fake-Anzeige, wie sie beispielsweise immer wieder auf Wohnungsportalen wie Immowelt und Immoscout24 auftauchen.

Bremen und Niedersachsen: Diese Tricks benutzen Abzocker, um ahnungslose Mieter zu betrügen

Der Ablauf, um die Mieter in die Falle zu locken, ist simpel: Eine im Ausland lebende Person hat eine Wohnung in Deutschland zu vermieten. Mit blumigen Worten wird dem Anzeigen-Leser erklärt, warum der Vermieter nicht in Deutschland leben kann. Nachdem der potenzielle neue Mieter per E-Mail Kontakt zum Vermieter aufgenommen hat, bekommt man nach kurzer Zeit eine Antwort-Mail mit diversen Anweisungen. Pikant: Man bekommt den Wohnungsschlüssel erst, wenn man eine Kaution und die erste Miete überwiesen hat. Dies ist aktuell eine Masche von vielen, die kursieren. Alternativ gibt es zahlreiche andere Gründe, um vorab schon einmal Geld überweisen zu müssen.

BundeslandBremen
Fläche326,7 Quadratkilometer
Einwohner567.559 (Stand Ende 2019)
Stadtgliederung5 Bezirke
BürgermeisterAndreas Bovenschulte (SPD)

Diese Formen der Online-Abzocke kommen immer mal vor, bestätigen die Verbraucherzentralen Bremen und Niedersachsen. Betroffen sind auch Mieter von Ferienwohnungen oder Studenten. Bei den Studenten und Studentinnen spielt den Betrügern die oft große Wohnungsnot in den Uni-Städten in die Karten. Wie alle Fake-Shops oder Fake-Anzeigen bauen auch hier die Anbieter Druck auf den Kunden auf.

Betrug bei Wohnungssuche: Verbraucherzentralen geben Tipps

„Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, dann sollte man die Finger vom Angebot lassen“, sagt Dr. Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. In der City von Bremen kostet eine etwa 68 Quadratmeter große Wohnung eher 1000 Euro kalt als 500 Euro warm. Das Bauchgefühl könne auch ein guter Berater sein. Ebenfalls sollte man laut Expertenmeinung hellhörig werden, wenn der Vermieter im Ausland wohnt und nicht nach Deutschland kommen kann. Die Wohnung anschauen - den Mietvertrag unterschreiben - und erst dann die Kaution überweisen, so laut der Tipp von Annabel Oelmann.

Dieses Fake-Mietangebot für Bremen ist zuletzt häufiger bei Immowelt und Immonet aufgetaucht und wurde jedes Mal schnell von den Portalen gelöscht. Nutzer können den Teams helfen, in dem sie derartige Angebote melden.

Auf gar keinen Fall sollten Mieter vorab Sozialversicherungsnummer, Gehaltsnachweis, Pass oder Reisepass per E-Mail oder WhatsApp schicken, rät Kathrin Körber von der Verbraucherzentralen Niedersachsen. Dass ein Vermieter die Bonität prüft, sei ein legaler Vorgang. Doch sollte dies in einem persönlichen Gespräch stattfinden und nicht vorab digital. Mit den Daten können für weitere Betrügereien wie Identitätsdiebstähle verwendet werden. Bei Angeboten von Wohnungen mit einem Garten kann der Mieter vorab eine schnelle Prüfung vornehmen: Einfach die Adresse der angebotenen Wohnung bei Google Earth eingeben. Dann sollte ein Garten sichtbar sein.

Sollte man auf der Suche nach einer Wohnung doch auf eine Fake-Miet-Anzeige hereingefallen sein, ist meist das Geld weg, der Fake-Anbieter hat sein Ziel erreicht. Dann hilft nur noch der Gang zu einem Anwalt und zur Polizei.

Den Wohnungsschlüssel gibt es erst nach der Zahlung von der ersten Miete? Dann ist ziemlich sicher Betrug im Spiel. (Symbolbild)

Ob ein Anwalt noch Geld retten kann, ist fragwürdig. Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Nordrhein-Westfalen: „Betroffene sollten unverzüglich Anzeige bei der Polizei erstatten.“ Das gelte auch dann, wenn noch kein Schaden entstanden sei – zum Beispiel, wenn der Betroffene zum Zahlen einer Vorabkaution aufgefordert wurde, sie aber noch nicht überwiesen hat. „Denn dann kann bereits der Tatbestand des versuchten Betruges erfüllt sein, und auch der Versuch ist strafbar“, so Frank Scheulen laut dem Immobilien-Portal Immowelt.

In Bremen gebe es aktuell „keine Häufung entsprechender Betrugsdelikte“, berichtet Polizei-Sprecherin Franka Haedke auf Nachfrage von kreiszeitung.de. Die polizeiliche Kriminalstatistik des Landes Bremen bilde diese Fälle von Online-Betrug explizit nicht ab. „Wir können daher auf keine belastbare Statistik der letzten Jahre zurückgreifen.“

Der Website Immowelt setzt laut eigenen Angaben gegen Fake-Anzeigen sogenannte Betrugsscanner ein. Ein Teil der Fake-Miet-Anzeigen schafft es aber doch durch den Filter, bestätigt Pressesprecherin Barbara Schmid. Zwar werde der Scanner immer angepasst, doch auch die Immobilien-Betrüger werden immer besser. Es ist ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel.

Benutzer können verdächtige Anzeigen von Wohnungen dem Immowelt-Team melden. Dies gehe über einen Button, der sich unter dem Exposé befindet. Laut Barbara Schmid erfolgt die Prüfung in kurzer Zeit. Innerhalb weniger Minuten verschwindet eine Anzeige aus dem Portal, so die Sprecherin.

Eine Möglichkeit den Fake-Scanner zu umgehen, ist das sogenannte Phishing. Dazu wird dem angemeldeten Nutzer eine Fake-Mail geschickt. Wenn er auf den Link klickt, muss der Nutzer seine Zugangsdaten eintippen. Diese landen dann bei den Betrügern. Um diese Masche zu erschweren, hat das Portal Immowelt die 2-Phasen-Authentisierung eingeführt Zur Sicherheit bekommt der Nutzer dann einen Code auf sein Smartphone geschickt.

Einige Hinweise auf Fake-Wohnungs-Anzeigen:

  • Vermieter fordert Miete oder Kaution vorab
  • Schlüssel gibt es per Post als Nachnahme
  • Günstige Miete in super Lage
  • Anzeige verspricht einen Garten, der aber nicht möglich ist (z. B. Reihenhaus)
  • Fotos wie aus einem Katalog
  • Ungewöhnlich viel Ausstattung für die Größe der Wohnung
  • Vermieter spricht kaum oder kein Deutsch
  • Kontonummer des Vermieters ist nicht in Deutschland
  • Vermieter schickt unaufgefordert Kopie von seinem Pass mit
  • Miet-Angebot klingt zu gut, der Preis wirkt zu niedrig
  • Vermieter fordert vorab Pass, Gehaltsnachweis oder Sozialversicherungsnummer o.ä.

Rubriklistenbild: © dpa

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