Mehr Zeit zum Reifen

Abkehr vom Turbo-Abitur erfreut Lehrer und Lernende

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Nach nur 13 Jahren endet die Zeit des G8 in Niedersachsen wieder. Das Fehlen von Zeit für Freizeit, zum Wiederholen und zum Reifen wurde schon bald nach Einführung bemängelt.

Hannover - Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren läuft laut Kultusministerin Frauke Heiligenstadt in Niedersachsen "geräuschlos" und habe nur positive Rückmeldungen ausgelöst. "Die Lehrer haben mehr Zeit, Inhalte zu vertiefen", sagte die SPD-Politikerin. Der Familientakt sei nicht mehr so stark von der Schule bestimmt.

Niedersachsen hatte als erstes Bundesland 2015 die komplette Abkehr vom Turbo-Abitur beschlossen und die Jahrgänge 5 bis 8 umgestellt. 2021 werden die ersten Abiturienten wieder nach 13 Jahren ihre Prüfungen ablegen. 

Andere Bundesländer wollen nachziehen

Nordrhein-Westfalen will auch komplett zum sogenannten G9 zurückkehren. Schleswig-Holstein plant, die Entscheidung den Gymnasien zu überlassen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern forderten Lehrerverbände bereits eine Ausweitung auf 13 Schuljahre. In den ostdeutschen Bundesländern mit Ausnahme von Berlin ist das Abitur nach zwölf Jahren schon seit DDR-Zeiten Standard. 

Niedersachsen hatte erst im Jahr 2004 das Turbo-Abitur eingeführt. Selbst der Philologenverband bemängelte bald, dass den Schülern Zeit zum Reifen fehle und schwächere Schüler, die mehr Wiederholungen benötigen, abgehängt wurden. Ministerin Heiligenstadt sieht es positiv, dass jetzt auch schwächeren Schülern mehr Zeit gegeben wird. 

Mehr Zeit für Sport, Musik und andere Aktivitäten

"Wir haben Mathematik, Deutsch und die Fremdsprachen gestärkt und Berufsorientierung auch an Gymnasien ergänzt. Es gibt auch zusätzliche Förderstunden", sagte sie. Zudem wurde die Zahl der Wochenstunden reduziert, so dass mehr Zeit für Sport, Musik oder andere Freizeitaktivitäten bleibt. Rund 30 Unterrichtsstunden sind es in der Woche für Fünft- bis Zehntklässler, beim Turbo-Abitur waren es bis zu 34 Stunden. 

In Niedersachsen mussten wegen der Abkehr vom Turbo-Abi nach Ministeriumsangaben rund 150 zusätzliche Lehrer eingestellt werden. Die Hochschulen befürchten bereits, dass im Jahr 2020 Studienplätze unbesetzt bleiben, weil es dann weit weniger Abiturienten gibt. In drei Jahren machen nur Schüler an Integrierten Gesamtschulen, Berufs- oder Abendschulen sowie in speziellen Wiederholer-Jahrgängen Abitur. An Gymnasien in Niedersachsen gibt es in diesem Jahr keine Abiturklausuren.

dpa

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