Abschluss trotz Corona

Niedersachsen hält an Abiturterminen fest – sind Abschlussfeiern möglich?

Niedersachsen bestätigt seine Prüfungstermine und verspricht faire Aufgaben, die Schüler fordern eine Absage. Doch was passiert nach der Prüfung, sind Abi-Feiern möglich?

Update vom 4. März: Die neue Corona-Verordnung von Bund und Ländern sieht stufenweise Lockerungen für Präsenzunterricht an Schulen und Kontaktbeschränkungen in Niedersachsen vor. Bereits nach vor den Osterferien sollen alle Schüler im Wechselunterricht zurück in die Schule, für die Abiturklassen ändert sich vorerst nichts.

Somit dürfte Niedersachsen entgegen der Forderungen der Schüler weiterhin an den Abiturterminen festhalten. Was also, wenn das Abitur bestanden ist? Wird gefeiert? Kann überhaupt gefeiert werden? Die Situation in Niedersachsen ist abhängig von der Inzidenz. Frühstens ab dem 22. März ist laut Coronaverordnung die Nutzung von Außengastronomie wieder möglich, ab dem 5. April werden dann bei einer Inzidenz unter 50 auf 100.000 Einwohnern Veranstaltungen im Freien wieder möglich sein - mit bis zu 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Eine Abi-Abschlussfeier könnte ab dann unter Einhaltung von strengen Hygienemaßnahmen realistisch werden. Doch nicht allen ist nach Feiern in dieser Situation. „Eine Abi-Feier wäre derzeit nicht das richtige, selbst wenn die Verordnung es zulassen würde, ist es sinnvoller es nicht tun“, verrät Paul Brüning, Schüler der Abiturklasse an der IGS Oyten im Landkreis Verden. Denn besonders die junge Generation sei nach Ansicht des Schülers in der Pflicht, die Kontakte gering zu halten: „Das ist auch unsere Verantwortung, auch wenn eine Feier mit Sicherheit eine tolle Sache sein würde, aber Corona bedeutet auch im Sinne unserer Mitmenschen zu verzichten.“

Ursprungsartikel vom 3. März: Hannover - Niedersachsens Kultusministerium hat die Abiturtermine trotz der Corona-Einschränkungen bestätigt. Der bisherige Zeitplan soll auch dann gelten, wenn zum Zeitpunkt der Prüfungen einzelne oder alle Schulen im Wechsel- oder sogar im Distanzunterricht sind. Das geht aus einem Erlass des Ministeriums an die rund 450 betroffenen Schulen hervor. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sagte den Schülern am Mittwoch zu, dass nur der Lernstoff abgefragt werde, der tatsächlich behandelt wurde: „Wir sichern faire Prüfungen zu, keiner muss Nachteile wegen Corona befürchten.“

MinisteriumKultusministerium
LandNiedersachsens
AdresseHans-Böckler-Allee 5, 30173 Hannover
KultusministerGrant Hendrik Tonne

Die erste Abiturklausur soll am 19. April im Fach Geschichte geschrieben werden, die letzte am 11. Mai im Fach Physik. Vom 17. Mai bis 9. Juni soll es Nachschreibtermine geben. Voraussetzung für den Terminplan ist laut Erlass, dass die Corona-Verordnung das Abhalten der Prüfungen zulässt. Es sei aber beabsichtigt, die Verordnung so zu fassen, dass dies auch dann gegeben ist, wenn der Schulbesuch an sich untersagt ist. Schüler, die zum Prüfungstermin in Quarantäne sind, sollen den Nachschreibtermin nutzen.

Der Erlass regelt auch die Abläufe der schriftlichen und mündlichen Prüfungen. So sollen die Lehrer entlastet werden, indem die Fachprüfungsausschüsse von drei auf zwei Mitglieder reduziert werden.

Zwei Termine für das Bremer Abitur

Für das schriftliche Abitur können Schülerinnen und Schüler in Bremen zwischen zwei Prüfungszeiträumen wählen. Dies teilte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) mit. Demnach sind Termine von Anfang bis Mitte Mai oder von Ende Mai bis Mitte Juni möglich. Bis zum 26. März 2021 müssen sich die Abiturienten verbindlich für einen der Prüfungszeiträume entscheiden.

Wegen der Corona-Pandemie hatte das Bildungsressort den schriftlichen Prüfungszeitraum für das Abitur in den Juni 2021 verlegt. So sollten die Schüler mehr Lernzeit bekommen. „Danach gab es viele Rückmeldungen von Abiturient:innen, die aus verschiedenen Gründen lieber zu einem früheren Zeitpunkt schreiben wollen“, so Bogedan. Daher habe sich das Ressort nun für zwei Zeiträume entschieden.

Geht die Rechnung auf? Niedersachsen hält an seinen Abiturterminen fest.

Für alle schriftlichen Abiturprüfungen soll es außerdem einen Zeitzuschlag von 30 Minuten und andere Erleichterungen geben. Dazu gehört die kostenfreie Teilnahme an prüfungsvorbereitenden Kursen durch einen Online-Dienstleister. Auch für die Abschlussprüfungen in der Sekundarstufe I soll es Erleichterungen wie einen Zeitzuschlag geben. „Ich weiß, wie schwierig diese Zeit für Schüler:innen, Lehrkräfte und Beschäftigte an den Schulen - und auch Kitas ist“, teilte Bogedan mit. „Die Pandemie hat vieles verändert, die Situation ist belastend, der Stress groß.“ Sie sei überzeugt davon, dass die Abschlüsse so gestaltet und erleichtert werden müssen, dass sie vollwertig bleiben und anerkannt werden. „Ich denke, wir haben gemeinsam mit den Akteuren einen Weg gefunden.“

Niedersachsen: Landesschülerrat fordert Absage vom Abitur

Der Landesschülerrat hat angesichts der Corona-Epidemie eine Absage der Abitur- und Abschlussprüfungen gefordert. Bei geschlossenen Bibliotheken und den Kontaktverboten könnten Schülerinnen und Schüler sich nicht in Lerngruppen vorbereiten, sagte der Schülerratsvorsitzende Florian Reetz am Freitag in Hannover.

Technische Probleme behinderten das Distanzlernen, dazu kämen psychische Probleme sowie ungleiche Lernbedingungen in den Familien. Die Abschlüsse sollten auf der Basis der bisherigen Noten vergeben und für die Abiturienten bis zum Ende des Schuljahrs Unterricht zum Nachholen des während der Epidemie versäumten Stoffs angeboten werden.

Die Klassenzimmer waren lange leer, das Abitur sollen die Schülerinnen und Schüler jedoch auch in diesem Jahr schreiben.

Das Kultusministerium äußerte zwar Verständnis für die schwierige Lage der Schüler in der Pandemie, lehnte jedoch eine Absage der Prüfungen ab. Niedersachsen habe erreicht, dass neben den Grundschülern auch die Abschlussklassen im Wechselmodell weiter in den Schulen unterrichtet werden können, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag. „Wir wollen faire Rahmenbedingungen und haben vorbereitet, dass das auch möglich ist.“

Geprüft werde lediglich der Lernstoff, der auch tatsächlich behandelt worden ist. Das Ministerium werde den Wunsch der Schüler prüfen, über den Prüfungszeitraum hinaus weiter bis zum Sommer Stoff in der Schule nachzuholen. Nach der Planung beginnen die Abiturprüfungen am 19. April.

Abitur 2021 unter Corona: GEW schließt sich Schülerrat-Forderung an

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schloss sich der Forderung des Schülerrates an. „Die Landesregierung täte gut daran, auf die Forderungen der Jugend und der Schulbeschäftigten zu hören“, sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Auch die Abiturprüfungen seien verzichtbar, wenn der Kultusminister auf Bundesebene für die Anerkennung des Abiturs ohne Abschlussprüfung sorge. Die Belastung der Schülerinnen und Schüler dürfe durch das unnötige Festhalten an Prüfungen nicht noch weiter gesteigert werden, unterstrich Pooth. Die notwendigen Noten könnten aus den insgesamt erbrachten Leistungen ermittelt werden.

„Absage aller Abschlussprüfungen ehrliche und notwendige Weg“

Der Schulleitungsverband (SLVN) forderte vom Ministerium eine klare Entscheidung und eine Anpassung an die Corona-Lage, die nicht erst zwei Wochen vor dem Prüfungstermin erfolgen dürfe. Eine Absage aller Abschlussprüfungen einschließlich des Abiturs wäre der ehrliche und notwendige Weg, um erhöhte Risiken auszuschalten und gleiche Bedingungen für alle herzustellen, teilte der Verband am Freitag mit. Wer seinen Notendurchschnitt verbessern wolle, solle Prüfungen freiwillig absolvieren dürfen .Nach der Planung des Kultusministeriums soll beim Abitur größtenteils an zentralen Prüfungen festgehalten werden. Die Prüfungen für die mittleren Abschlüsse sollten hingegen dezentral organisiert werden.

Rubriklistenbild: © dpa/Waltraud Grubitzsch

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