Fördergelder müssen zeitnah bereitgestellt werden

Bis 2020: 100 Mbit/s für jeden Haushalt

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Glasfaserkabel können Internet in hohen Geschwindkeiten übertragen, noch haben aber nur wenige niedersächsische Haushälte Zugriff zu ihnen.

Hannover - Niedersachsen fördert seit 2015 den Ausbau schneller Internetverbindungen auf dem Land - unter anderem mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds ELER. Wie weit ist der Ausbau bisher fortgeschritten? Ein Überblick.

Steht Niedersachsen im Ländervergleich eher gut oder schlecht da?
Niedersachsen liegt im Mittelfeld. Ende vergangenen Jahres wurden knapp 75 Prozent der 2,4 Millionen Gebäude im Land mit einer Internetversorgung von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgt. Damit liege Niedersachsen im Vergleich mit anderen Flächenländern etwa im oberen Drittel, erklärt Nick Kriegeskotte vom Digital-Branchenverband Bitkom. Gleichzeitig werden bisher nur drei bis vier Prozent der Gebäude mit Glasfaser-Leitungen versorgt. 

Bernd Beckert vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) mahnt: "Einzig zukunftssicher ist die Glasfaser, weil sie Geschwindigkeiten bis in den Gigabit-Bereich möglich machen kann." 

Wie ist der Ausbau in Niedersachsen bisher voran gekommen?Sehr gut. Nach Einschätzung des Städte- und Gemeindebunds hat mittlerweile "ganz Niedersachsen Projekte zum Ausbau angeschoben". Auch bundesweit gebe es im Moment "eine sehr große Dynamik" durch die Förderprogramme, sagt Bitkom-Experte Kriegeskotte. Mit dem Programm aus dem Bundeshaushalt soll der Breitbandausbau in unterversorgten Gebieten verbessert werden, in denen sich Investitionen in schnelle Internetanschlüsse wirtschaftlich nicht lohnen. 

Die Fördergelder schließen somit eine "Wirtschaftslichkeitslücke". Kommunen und Landkreise können Fördergelder der EU, vom Bund und vom Land beantragen. Niedersachsen will den Ausbau mit 58 Millionen Euro unterstützen. "Wir sind mit dem Verfahren soweit zufrieden", heißt es aus dem Wirtschaftsministerium.

In welcher Größenordnung bewegen sich die Kosten einzelner Projekte?
Als Richtwert gilt: Ein Meter Tiefbauarbeiten zum Verlegen von Glasfaserkabel kosten etwa fünfzig Euro, rechnet der Geschäftsführer des Breitband Kompetenz Zentrums Niedersachsen, Peer Beyersdorff, vor. Das macht bei einem Kilometer Kabel auf einen Schlag 50.000 Euro. Der Landkreis Uelzen plant, 1000 Kilometer Kabel zu verbauen. 

Müssen Verbraucher lange auf den Breitbandausbau warten?
Das ist eine der Schlüsselfragen. Es werde wohl drei bis vier Jahre dauern, schätzt Beyersdorff. Wichtig sei, dass der Breitbandausbau zügig voran geht, betont auch Berthold Ernst, Geschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB). "Was früher ein Autobahnanschluss war, ist heute der Breitbandanschluss", unterstreicht Ernst die Wichtigkeit der Projekte für die Zukunft. 

Welche konkrete Ziele gibt es als Maßgabe?
Das Ziel der Landesregierung ist, bis 2020 alle Haushalte mit einem Breitbandanschluss für schnelles Internet zu versorgen. Immerhin hatte Ende 2016 rund die Hälfte aller Gebäude schon eine Versorgungsgeschwindigkeit von 100 Mbit/s. Bundesweite Maßgabe ist, dass in einem ersten Schritt bis Ende 2018 allen Haushalten mindestens 50 Mbit/s im Download zur Verfügung stehen sollen. 

30, 50 oder 100 Mbit/s. Welche Geschwindigkeit sollte meine Internetverbindung haben?
Das kommt darauf an, welche Funktionen genutzt werden sollen. Vor allem Ärzte, Architekten, Ingenieure und mittelständische Unternehmen hätten an einigen Orten Probleme, berichtet NSGB-Geschäftsführer Ernst. "Wer mit digitalen technischen Zeichnungen zu tun hat, braucht viele Mbits", so Ernst. "In Haushalten, die mit einer Verbindung von 50 Mbit pro Sekunde versorgt werden, können ohne Probleme parallel HD-Videos gestreamt werden", erklärt Nick Kriegeskotte von Bitkom. Ein solcher Stream laufe bei 6 bis 8 Mbit/s stabil und ohne Unterbrechungen. Für umfangreiche Updates oder das Verschicken großer Datenmengen in Firmen reichten 6 Mbit/s dauerhaft nicht aus, so Experte Beyersdorff. 

Gibt es genug Glasfaser-Hersteller und Tiefbauunternehmen, um den Ausbau möglichst schnell stemmen zu können?
Nach Ansicht des Breitband-Experten Bernd Beckert gibt es genügend Firmen. Zudem seien in der Vergangenheit viele Probleme gelöst worden, so dass Glasfaserkabel nun leichter zu verlegen seien. "Gelder werden durch bürokratischen Aufwand allerdings nicht schnell genug vergeben", bilanziert Beckert. Ein Problem sei zudem, qualifizierte Tiefbaufirmen zu finden, ergänzt Beyersdorff. Deren Auftragsbücher seien voll. Die Preise lässt das wiederum steigen.

dpa

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