Prävention und Deradikalisierung

Netzwerk meldet Erfolg bei Arbeit mit islamistischen Häftlingen

Hannover -Die Deradikalisierung islamistischer Häftlinge in Niedersachsen ist vielversprechend angelaufen. Präventionsexperten haben zu allen verurteilten Extremisten einen Draht legen können. Wie können sie deren Weltbild knacken?

Bei der Resozialisierung islamistisch radikalisierter Häftlinge hat das vor eineinhalb Jahren gestartete Präventionsnetzwerk in Niedersachsen erste Erfolge erzielt. Bislang konnte mit sämtlichen der über 30 Inhaftierten aus der Szene gearbeitet werden, teilte das vom Justizministerium beauftragte Violence Prevention Network (VPN) am Mittwoch mit. 

Zur Arbeit des Netzwerks gehören die Prävention, die Fortbildung des Justizpersonals und die Deradikalisierung von Häftlingen. Auch eine Ausstiegsbegleitung betroffener Straftäter wird organisiert. Das Netzwerk kümmert sich um alle bislang bekannten verurteilten Islamisten in Niedersachsen. Das Weltbild der Islamisten lasse sich nicht mit Gewalt knacken, vielmehr müsse gewartet werden, bis ein Häftling sich für ein Gespräch öffnet, sagte VPN-Geschäftsführer Thomas Mücke.

Gefängnisse in Niedersachsen kaum Rekrutierungsorte für Islamisten

„Wir sagen nicht: "Du hast Unrecht". Wir wollen, dass die Leute wieder anfangen selbstständig zu denken." Den Betroffenen werde erklärt, wie es den Extremisten gelungen sei, sie zu manipulieren und zu radikalisieren. Aus dem Lebenslauf zeige sich oft, wie der Radikalisierte in sein Hassdenken hineingeraten konnte. Bislang seien Gefängnisse in Niedersachsen kaum Rekrutierungsorte für Islamisten, vorausgesetzt die Anstalten kümmerten sich um Angebote zur politischen Bildung aller Gefangener und um die Deradikalisierung von Gefangenen mit islamistischen Ansichten, sagte Mücke. 

Salafisten allerdings holten verurteilte Mitglieder aus der Szene gleich bei der Haftentlassung am Gefängnistor ab und kümmerten sich während der Haftzeit um deren Familien. Trotz des bevorstehenden militärischen Zusammenbruchs des IS in Syrien und im Irak wachse die radikal-islamistische Szene hierzulande unvermindert weiter, sagte der VPN-Chef. Die Sorge vor einer Radikalisierung hinter Gittern war gewachsen, nachdem sich nach den Anschlägen auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo und einen koscheren Supermarkt in Paris Anfang 2015 zeigte, dass sich einige der Täter hinter Gittern radikalisierten. 

Auch wenn das Phänomen in deutschen Gefängnissen weniger präsent ist, nahm der Handlungsbedarf mit der wachsenden Zahl verurteilter islamistischer Straftäter zu. Der in Frankreich und auch in Deutschland früher gewählte Weg, islamistische Straftäter als Gruppe isoliert unterzubringen, sei falsch gewesen und habe die Gefängnisse zu Bildungsanstalten der Extremisten gemacht, sagte Mücke.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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