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Nachwuchsmangel im Handwerk: In welchen Berufen viele Lehrlinge fehlen

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Von: Marcel Prigge

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Das Handwerk hat mit einem großen Nachwuchsmangel zu kämpfen. In Niedersachsen sinkt die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stetig. Und das seit Jahren.

Niedersachsen – Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung in einem Handwerksberuf. Das machen Zahlen der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) deutlich. So ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge seit Jahren rückläufig.

Organisation:Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen
Sitz:Hannover
Gründung:1900
Politischer Vertreter für:84.500 Handwerksbetriebe

Nachwuchsmangel im Handwerk: Summe der abgeschlossenen Ausbildungsverträge sinkt drastisch

Während 2011 noch etwa 19.000 Verträge abgeschlossen wurden, sank die Summe im vergangenen Jahr auf nur noch knapp 15.500. Das teilte die Landesvertretung der Handwerkskammern auf dpa-Anfrage mit. Im Westen Niedersachsens wird das Problem am deutlichsten. Nordhorn gehörte 2019 nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit zu den Regionen, die am stärksten von Fachkräfteengpässen betroffen waren. Das ergaben Erhebungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Ausbildung im Handwerk: Jeder zweite Betrieb hat offene Stellen zu vergeben

Eine Konjunkturbefragung der LHN hat ergeben, dass nahezu jeder zweite Handwerksbetrieb offene Stellen zu vergeben hat. Auf Nachfrage von kreiszeitung.de erklärt Merle Winkelmann, Assistenz Kommunikation und Medien der LHN, dass insbesondere das Bauhauptgewerbe (57,6 Prozent bestätigen offene Stellen) und das Ausbaugewerbe (49,7 Prozent bestätigen offene Stellen) davon betroffen sind. Über nur geringfügigen Nachwuchsmangel klagen Kfz-Betriebe und Friseure. Nur jeder knapp dritte Kfz-Betrieb und jeder siebte Betrieb, der personenbezogene Dienstleistungen anbietet, hat bei der Konjunkturbefragung über Fachkräftemangel geklagt.

ine Auszubildende zum Schweißer arbeitet in Köln im Ausbildungszentrum Butzweilerhof an einem Stück Metall.
Im Handwerk gibt es immer weniger Auszubildende – obwohl die Auftragsbücher voll sind. (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

Zu wenig Personal: Volle Auftragsbücher verschärfen die Lage

Laut LHN brauchen die Handwerksberufe nicht nur mehr Auszubildende, sondern generell mehr Personal. Das liegt vor allem an den vollen Auftragsbüchern der Betriebe. Auch die Sanierung und der Neubau von Straßen und der Breitbandausbau seien ohne das Handwerk nicht zu bewerkstelligen. Vor allem in Gewerken, in denen technische Neuerungen und Innovationen direkt umgesetzt werden, wie der Elektrik und dem Heizungsbau, sei der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften groß, so Winkelmann. 

Zusätzlich verschärft sich die Lage durch den demografischen Wandel. Viele langjährige Angestellte werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Dass das Handwerk gerade Ausnahmezeiten erlebt, weiß auch Matthias Wendland, Vorsitzender Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Niedersachsen-Mitte. Im Interview erklärt er die Folgen von Corona und dem Ukrainekrieg im Handwerk in Niedersachsen.

Azubis im Handwerk: Wie wird das Berufsfeld wieder attraktiv

Wie schafft man es, potenziellen Auszubildenden das Handwerk wieder attraktiv zu machen? Wie positioniert man sich als attraktiver Arbeitgeber? Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) unterstützt kleine und mittlere Firmen bei diesen Fragen. „In den 90ern hatten Arbeitgeber teilweise Wäschekörbe voll Bewerbungen und konnten sich da Mitarbeiter heraussuchen“, sagt die Arbeitsmarktexpertin am Kofa, Sarah Pierenkemper, gegenüber der dpa. Das sei nun vorbei.

In den 90ern hatten Arbeitgeber teilweise Wäschekörbe voll Bewerbungen und konnten sich da Mitarbeiter heraussuchen.

Sarah Pierenkemper, Arbeitsmarktexpertin am Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung

Zu wenig Azubis im Handwerk: Werben mit Smartphones und Weiterbildungen

Trotzdem gebe es Möglichkeiten, um junge Menschen zu werben. Betriebe im ländlichen Raum könnten sich an den Führerscheinkosten des Azubis zu beteiligen. Aber: „Um wirklich Herr über den Fachkräftemangel zu werden, reicht es nicht, nur einen Teil anzugehen, sondern man muss in vielen Bereichen aktiv werden.“

So gibt es auch einige Positivbeispiele in Niedersachsen, die mit vielen Angeboten versuchen, junge Leute an ihr Unternehmen zu binden. Einige Firmen bieten ihren Auszubildenden firmeneigene Smartphones und Tablets an. Auch Schulungs- und Weiterbildungsangebote rücken immer mehr in den Fokus. Geworben wird zusätzlich an Schulen, Universitäten und in den sozialen Medien aktiv um Nachwuchs. (Mit Material der dpa)

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