Kreis Friesland

Impf-Skandal mit Kochsalzlösung: Anmeldung von über 2000 Nachimpfungen

Bereits Mitte April wurden sechs Fälle bekannt, bei denen Geimpfte Kochsalz-Injektionen erhalten haben sollen. Nun bekommen Tausende Menschen eine Nachimpfung.

Update vom 11. August 2021 um 15:05 Uhr: Jever – Nach möglichen Impfungen mit Kochsalz-Lösungen im Kreis Friesland haben sich nach Angaben des niedersächsischen Gesundheitsministeriums bereits mehr als 2000 Menschen zu Nachimpfungen angemeldet. Am Dienstag war bekannt geworden, dass Tausende Menschen - und damit weit mehr als zunächst angenommen - keinen Impfschutz gegen Covid-19 haben könnten, weil eine Krankenschwester Spritzen mit einer Kochsalzlösung statt mit Impfstoff aufgezogen haben soll.

LandkreisFriesland
Einwohner98.460
Fläche608 km²
LandratSven Ambrosy (SPD)

Möglicherweise betroffen sind nach Angaben des Kreises 8557 Menschen, die im Zeitraum zwischen dem 5. März und dem 20. April geimpft wurden. Sie sollten nun schnellstmöglich eine weitere Impfung erhalten.

„Die Bürgerinnen und Bürger reagieren sehr besonnen“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Mittwoch in Hannover. Es lägen keine Erkenntnisse darüber vor, ob es infolge von Kochsalz-Injektionen zu schweren Erkrankungen mit Covid-19 gekommen sei. „Das sind Meldedaten, die hier nicht übereinander gelegt werden – auch aus Datenschutzgründen“, erklärte die Sprecherin.

Erstmeldung vom 10. August. 2021: Eine Krankenschwester soll im Kreis Friesland mehrere Impfungen mit Kochsalzlösungen vorgenommen haben. Mitte April war noch von sechs Fällen die Rede. Nun sollen sehr viel mehr Personen davon betroffen seien, als zuvor erwartet: „Es geht um insgesamt 8557 Menschen, die womöglich ganz oder teilweise keinen Impfschutz erhalten haben, obwohl sie davon ausgehen“, sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Jever.

Die Beschuldigte soll in dem Zeitraum vom 5. März bis zum 20. April bei mindestens 9673 Impfungen noch weitere Kochsalz-Lösungen verabreicht haben, anstatt der Impfstoffe. Die Aufgabe der Krankenschwester sei es gewesen, die Spritzen der Corona-Impfung vorzubereiten.

Insbesondere sollen Menschen über 70 Jahre von den Kochsalzlösungen betroffen seien. Die Betroffenen sollen ihre richtige Impfung nun so schnell wie möglich erhalten: „Wir müssen den Schaden von diesen Menschen abwenden, auch wenn wir nicht wissen, wie viele Menschen wirklich betroffen sind“, sagte Ambrosy.

Friesland: Ende April erste Fälle von Impfungen mit Kochsalzlösungen in Jever

Das Impfzentrum in Schorten rückte mit diesem Fall bereits Mitte April in den Fokus. Damals wollte die Krankenschwester vertuschen, dass ihr Dosen des Impfstoffes heruntergefallen seien. Um ihren Fehler zu unterschlagen, habe sie die Spritzen mit Kochsalzlösung gefüllt. Als dieser Umstand an die Öffentlichkeit kam, wurde infolgedessen der Impfstoff von 100 Menschen, die am selben Tag geimpft wurden, überprüft. Die Staatsanwaltschaft und Polizei ermittelten.

In einem Impfzentrum im Kreis Friesland wurde in tausenden Fällen eine Kochsalzlösung statt einer Impfung verabreicht.

Wie der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, Peter Beer, bei der Pressekonferenz sagte, habe es bei Zeugenvernehmungen von Mitte bis Ende Juni konkrete Hinweise auf weitere Fälle gegeben. Details nannte Beer nicht. Auch über das mögliche Motiv machte die Polizei keine weiteren Angaben. Bislang gehen die Ermittler von einer Vertuschungstat aus.

Impfskandal in Friesland: Mögliche Impfleugnerin – Beschuldigte schweigt gegenüber der Polizei

Beer bestätigte aber bereits bekannt gewordene Berichte, wonach die Beschuldigte vor dem 21. April in einem sozialen Netzwerk Beiträge teilte, in denen Corona-Maßnahmen der Regierung kritisiert wurden. Zudem habe die Frau über einen Chat „corona-kritische Informationen“ verteilt, sagte Beer. „Das ist aber alles, was wir bisher im Rahmen der Ermittlungen festgestellt haben.“

Die Frau schweigt laut Polizei zu dem Geschehnissen.* (mit Material der dpa) kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

++ Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde am 11. August 2021 um 15:15 Uhr mit Material der dpa aktualisiert ++

Rubriklistenbild: © dpa/Mohssen Assanimoghaddam

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