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Nach dem Sturm: So werden verdeckte Schäden am Haus gefunden

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Von: Andree Wächter

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Die Stürme sind vorbei. Es müssen die Schäden der Versicherung gemeldet werden. Ein Blick hinter die Fassade lohnt, sonst könnte es später teuer werden.

Abgedeckte Dächer, kaputte Fensterscheiben oder entwurzelte Bäume, dies sind mögliche Schäden durch die Stürme Antonia, Ylenia und Zeynep. Was alle Schäden eint: Sie sind sichtbar. Allerdings kann es auch Sturmschäden geben, die nicht so offensichtlich sind. Diese Folgeschäden zeigen sich erst später und dann kann es teuer werden wie eindringendes Wasser. Laut dem Magazin Test müssen vermeidbare Folgeschäden nicht von Versicherungen bezahlt werden. Beispiel: Kaputte Dachfenster können mit einer Plane gegen weiteren Regen geschützt werden.

Stufe 4: Extreme OrkanböenÜberörtlich mehr als 140 km/h
Stufe 3: OrkanböenAb 120 Km/h
Stufe 2: Sturmböen65 - 89 km/h
Stufe 1: Windböenbis 50 km/h Quelle: DWD

Nachdem der Sturm abgeflacht ist, sollten man auf diese Stellen einen intensiven Blick werfen:

Feuchteschäden am Dachstuhl und an Fenstern nach dem Sturm

Manche Dächer sind an sich gar nicht merkbar undicht. Aber: Starker Regen und heftige Windböen können hier Wasser hineingetrieben haben. Die Folge sind Schimmel und Fäule.

Das ist passiert: Normalerweise läuft auf dem ordentlich gedeckten Dach das Regenwasser auf der lückenlos geschlossenen Oberseite ab. Auch große Wassermassen können so problemlos abfließen. Bei starkem und böigem Wind aber wird das eigentlich herabfallende Regenwasser nach oben und unter die geschlossene Ziegeldecke gedrückt, erläutert der Verband Privater Bauherren (VPB). Die Feuchtigkeit setzt sich im Inneren ab.

Die Stürme haben auf vielen Dächern Spuren hinterlassen. Doch es gibt auch Schäden, die man auf den ersten Blick nicht sieht. (Symbolbild)
Die Stürme haben auf vielen Dächern Spuren hinterlassen. Doch es gibt auch Schäden, die man auf den ersten Blick nicht sieht. (Symbolbild) © Rolf Haid/dpa

Hier durchnässt sie unter anderem die im Dach liegende Wärmedämmung, die dadurch ihre Wärmewirkung verliert. Die nasse Dämmung verhindert außerdem das Trocknen der anliegenden Holzteile, die in der Folge faulen oder schimmeln können.

Suchen sollte man also jetzt nach feuchten Stellen vorzugsweise an Ecken des Dachstuhls, Gauben und rings um Dachflächenfenster. Die gleichen Schäden sind übrigens möglich, wenn Starkregen sich an Fensterbrüstungen oder direkt an den Fenstern und Türen ins Haus pressen konnte.

Sturmschäden am Dach finden

Sitzen am Dach noch alle Ziegel fest und bündig in der Falz? Sind die Sturmklammern noch da? Auch die Schneefanggitter, die Solaranlagen sowie die Leitungen der Blitzschutzanlage auf dem Dach sollte man auf ihren Sitz kontrollieren.

Sie können spätestens beim nächsten Sturm sonst abstürzen, Menschen verletzen oder Sachen zerstören. Dafür haftet dann der Hausbesitzer im Rahmen der sogenannten Verkehrssicherungspflicht. Im Fall der Fälle muss man vor Gericht beweisen können, dass man das Haus ordnungsgemäß unterhalten hat und der bauliche Zustand regelmäßig überprüft wurde, so der VPB.

Laien sollten zu ihrem Schutz nicht selbst auf das Dach klettern. Ein gerne gegebener Tipp etwa für die grobe regelmäßige Kontrolle der Solaranlage auf dem Dach ist das Fotografieren der Anlagen. Vergrößert am Bildschirm, können die Bilder Hinweise auf mögliche Schäden geben. Sind solche zu erkennen, sollte man Profis rufen.

Prüfen der Stabilität der Bäume

Weitere mögliche Sturmopfer können im Garten stehen: Bäume. Auch wenn sie nicht von den aktuellen Stürmen entwurzeln und umgeworfen wurden, können sie doch so stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein, dass sie beim nächsten Sturm oder irgendwann einfach so nachgeben und umkippen.

Auch hier gilt: Kippt der Baum erst viel später um, muss der Hausbesitzer beweisen, dass er seine Verkehrssicherungspflicht wahrgenommen hat und die Stabilität regelmäßig geprüft wurde. Allerdings können Laien selbst oft nicht beurteilen, wie standfest ein Baum noch ist. Daher rät die Verbraucherzentrale NRW, das Fachleuten für Baumpflege zu überlassen.

Echter Handlungsbedarf besteht laut dem Fachverband geprüfter Baumpfleger zum Beispiel dann, wenn Risse im Erdreich rund um den Baum erkennbar sind oder der Wurzelteller an einer Stelle angehoben ist. Auch bei einem Baum, der deutlich schräger steht als zuvor und bei Rissen im unteren Stammbereich sollten Baumbesitzer tätig werden.

Nach Sturm und Wind: Laub und Äste verstopfen Regenrinnen

Das klingt erst mal nach einem kleinen Problem, es kann aber gerade im Winter zum größten werden: Durch herumgewehte Blätter und Äste verstopfen Regenrinnen und Fallrohre am Haus. Dann muss sich das Regenwasser andere Wege suchen, etwa entlang der Fassade.

Das Wasser kann dann durch winzige Risse und abgeplatzte Stellen im Putz ins Gemäuer eindringen und auch die Wärmedämmung durchfeuchten. Das begünstigt wiederum die Schimmelbildung. Und sollte es in diesem Winter noch mal richtig kalt werden: Stehendes und überlaufendes Wasser kann zur Bildung von Eiszapfen an Regenrinnen führen – und beim Herabfallen Passanten und Hausbewohner gefährlich verletzen. Zudem kann gefrorenes Wasser Fallrohre zum Platzen bringen.

Kontrollieren sollte man außerdem, ob die Rohre und Rinnen noch intakt sind und festsitzen. Die schwankenden Bäume in Hausnähe könnten laut VPB mit ihren Ästen daran gescheuert und sie gelockert haben.

Versicherungen übernehmen meist Kosten nach Sturm

Versicherungen haben wegen der drei Stürme viel zu tun. Man möchte den entstandenen Schaden ersetzt bekommen. Allerdings kann dies etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Versicherung darf ihre Leistungs­pflicht und die Schadens­höhe einge­hend prüfen. Einen Monat nach der Schadens­meldung haben Kunden Anspruch auf eine Abschlagzahlung in Höhe des Betrages, der zu diesem Zeit­punkt bereits unstrittig fest­steht. Auch muss klar sein, welche Versicherung welchen Schaden* übernimmt.

Um Geld zu bekommen, benötigen Hausbesitzer eine Wohngebäudeversicherung. Schäden durch Sturm und Hagel werden ersetzt, wenn Sturm in der Police enthalten ist. Geld von der Versicherung gibt es aber nur, wenn ein Sturm mindestens Wind­stärke acht erreicht. Ob es wirk­lich Stärke acht war, müssen Kunden nicht selber messen. Es reicht, wenn eine Wetter­station solche Sturm­stärken in der betreffenden Gegend gemessen hat, urteilte das Ober­landes­gericht Karls­ruhe (Az. 12 U 251/04).

Auch wenn der Garten verwüstet ist und man schnell alles aufräumen möchte, geht hier Genauigkeit vor Schnelligkeit. Erst, wenn der Versicherer grünes Licht gibt, kann man aufräumen. Meist kommt ein Außendienstmitarbeiter vorbei, nimmt den Schaden auf und macht Fotos. Tipp: Am Ende des Gesprächs einfach fragen, ob man aufräumen darf. (Mit Material der dpa) * wa.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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