Nachfrage gestiegen

Briten in Niedersachsen: Nach dem Brexit wird der deutsche Pass attraktiv

Land: Immer mehr Briten denken über deutschen Pass nach
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Nach dem Brexit wird der deutsche Pass attraktiv

Hannover - Erst kam der Schock, dann die Suche nach Alternativen: viele in Niedersachsen lebende Briten denken nach dem Brexit mittlerweile über eine Einbürgerung in ihrer Wahlheimat nach. Vor allem an Orten mit ehemaligen britischen Standorten ist die Nachfrage spürbar gestiegen.

Nach dem Brexit-Votum mehren sich die Anfragen von Briten zum Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft. "Es ist noch ein bisschen früh für konkrete Zahlen, aber der Trend ist eindeutig: Die Zahl der Anfragen steigt deutlich", sagte Thorsten Bullerdiek vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund. Er begründet das vor allem mit der Tatsache, dass sich viele Briten erst einmal die Konsequenzen des Referendums klar machen mussten. Bullerdiek: "Die Leute mussten erst mal für sich selbst überhaupt wahrnehmen: Was bedeutet dieses Brexit eigentlich für mich ganz konkret?"

„Run„ auf Antragsvordrucke

Vor allem in Regionen mit ehemaligen britischen Militär-Standorten stehen die Telefone an manchen Tagen kaum noch still. Bei der Stadt Hameln etwa sind seit dem Referendum die Anfragen britischer Staatsangehöriger auf Einbürgerung sprunghaft angestiegen. "Es gibt einen regelrechten "Run" auf die Antragsvordrucke", sagte Stadtsprecher Thomas Wahmes. "Während früher nur gelegentlich Anfragen beziehungsweise Anträge eingingen, erreichen uns nun teilweise jeden Tag entsprechende Anfragen." In Hameln leben derzeit 250 britische Staatsangehörige.

Da die Interessenten zunächst ihren Antrag ausfüllen und dann einreichen müssen, gibt noch keine konkreten Zahlen. Aufgrund der Bearbeitungszeiten sind seit dem Brexit-Votum auch noch keine Einbürgerungen britischer Staatsbürger erfolgt. Dennoch setzt sich der Trend auch in anderen Städten spürbar fort. "Es gibt inzwischen verstärkt Anfragen nach Beratungsterminen", erklärte Braunschweigs Stadtsprecher Rainer Keunecke. Bei den Einbürgerungszahlen hat sich das ebenfalls noch nicht niedergeschlagen. "Wir rechnen damit, dass sich das Ende des Jahres anders darstellen wird", sagte Keunecke.

Auch in Hannover verstärkte Nachfrage

In der niedersächsischen Landeshauptstadt zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. "Eine verstärkte Nachfrage lässt sich grundsätzlich feststellen, allerdings ohne konkrete Zahlen", bestätigte die Pressestelle der Stadt Hannover.

In vielen Orten setzte die Nachfrage mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung ein, verstärkte sich dann aber spürbar. "Zeitweise erfolgten täglich telefonische oder persönliche Beratungen", erklärte Göttingens Stadtsprecher Detlef Johannson. In konkreten Zahlen fand das auf hier noch keinen Ausdruck: Johannson: "Bisher gab es 2016 zwei Einbürgerungen, zwei weitere Anträge liegen vor." Zum Vergleich: 2015 gab es überhaupt keine Einbürgerungen britischer Staatsbürger.

Ein wenig aus dem Rahmen fällt die Stadt Osnabrück, wo sich seit Anfang Mai 21 britische Staatsangehörige telefonisch oder direkt nach den Einbürgerungsvoraussetzungen erkundigten. Vier weitere beantragten eine Einbürgerung. "Sämtliche Personen haben angegeben, dass sie in erster Linie aufgrund des Brexits die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben möchten beziehungsweise erwägen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen", so ein Stadtsprecher. In Niedersachsen sind die Landkreise, kreisfreien Städte und großen selbstständigen Städte für Einbürgerungen zuständig.

dpa

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