Blauhelm-Truppe in Afrika

Nach Anschlag auf Bundeswehr: Soldaten werden aus Mali evakuiert

Bei einem Selbstmordanschlag werden in Mali zwölf deutsche Soldaten teils schwer verletzt. Eine Maschine zur Evakuierung ist am Samstag in Wunstorf gestartet.

Wunstorf/Mali – Ein erster Evakuierungsflug ist auf dem Weg nach Mali, um dort Bundeswehrsoldaten zu evakuieren. Die Soldaten wurden am Freitag, 25. Juni 2021, bei einem Selbstmordanschlag auf 13 Blauhelmsoldaten, darunter zwölf deutsche Staatsbürger, zum Teil schwer verletzt. Der Airbus A400M der Luftwaffe startete am frühen Samstagmorgen vom Luftwaffenstützpunkt Wunstorf (Region Hannover) in Niedersachsen. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sollen die Soldaten zur Behandlung aus dem westafrikanischen Land nach Köln und eventuell auch nach Stuttgart gebracht werden.

Einrichtung:Bundeswehr
Oberbefehlshaber:Bundesminister der Verteidigung, Bundeskanzler (im Verteidigungsfall)
Bundesverteidigungsministerin:Annegret Kramp-Karrenbauer (seit Juli 2019, CDU)
Militärische Führung:Generalinspekteur der Bundeswehr Eberhard Zorn
Hauptquartier:Hardthöhe in Bonn
Aktive Soldaten:183.885 (April 2021) davon Frauen: 23.279

Der Selbstmordanschlag auf die 13 Blauhelmsoldaten hatte sich am Freitagmorgen gegen 6:28 (Ortszeit) ereignet*. Wie es heißt, soll ein Selbstmordattentäter eine Patrouille mit deutschen Soldaten mit einer Autobombe angegriffen haben. Unter den Soldaten befinden sich den Angaben nach zwölf Deutsche und ein Begier. Drei der Bundeswehr-Soldaten sind nach Angaben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Freitag schwer verletzt. Die Soldaten waren zur Absicherung eines malischen Bataillons im Einsatz, als sich der Anschlag ereignete.

Soldaten in Mali waren durch „Nachtaufstellung“ besser geschützt

Dabei befanden sich die Soldaten gut 180 Kilometer nordöstlich der Stadt Gao, wo die meisten der deutschen Soldaten stationiert sind. Wie es in einer Information des Einsatzführungskommandos an die Obleute heißt, befanden sich die Soldaten zum Zeitpunkt des Angriffs noch in einer sogenannte „Nachtaufstellung“, bei der die Einsatzkräfte durch eine Art Wagenburg geschützt werden. Dem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass es keine Toten gegeben hat. „Unter Einsatz ziviler Rettungshubschrauber und eines UN-Hubschraubers wurden die Verwundeten nach Gao in französische, chinesische und deutsche Sanitätseinrichtungen verbracht“, hieß es weiter.

Vom Luftwaffenstützpunkt Wunstorf hob am frühen Samstagmorgen die erste Bundeswehrmaschine ab, um die deutschen Soldaten aus Mali zu evakuieren.

Aktuell beteiligen sich an der UN-Mission Minusma in Mali rund 900 Bundeswehr-Soldaten. Sie befinden sich vor Ort, um den Friedensprozess in dem westafrikanischen Land zu unterstützen, abzusichern und den Terrorismus einzudämmen. In dem Land sind islamistische Terrorgruppen aktiv. 2013 konnte nur unter enormer französischer Militärpräsenz ein Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako niedergeschlagen werden. Daneben sind die organisierte Kriminalität und der grenzübergreifende Schmuggel die vorherrschenden Probleme in der Region. Auch die Migrationsrouten nach Nordafrika und Richtung Europa laufen hier entlang.

Nach Anschlag auf Bundeswehr in Mali: Franzosen planen Neuausrichtung

Zuletzt gab es in Mali zwei Militärputsche. Im Raum stand zuletzt gar die Frage, ob sich Mali nach dem jüngsten Putsch in Richtung radikalem Islamismus bewegt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte eine grundsätzliche Neuausrichtung der französischen Militärpräsenz in der Sahelzone an – und ein Ende des französischen Anti-Terror-Einsatzes „Operation Barkhane“. Bilaterale militärische Einsätze mit Mali wurden ausgesetzt, um den Druck auf den Krisenstaat und die Putschisten zu erhöhen. Frankreich – das islamistische Terroristen in der Sahelzone aktiv sucht und angreift – hat immer wieder getötete eigene Soldaten zu beklagen.

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag): „Die Nachrichten sind erschütternd. Meine Gedanken sind bei den Soldaten und ihren Angehörigen. Ihnen wünsche ich viel Kraft. Das Wichtigste ist, dass die Verletzten die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten und sicher nach Deutschland gebracht werden.“

Derzeit hat die Bundeswehr in Deutschland auch mit einem Skandal in den eigenen Reihen zu kämpfen*. Wie erst in der vergangenen Woche bekannt wurde, soll es bei einer Feier im April im Rahmen des NATO-Einsatzes in Litauen einen sexuellen Übergriff gegeben haben. Auch soll während einer Feier am 20. April ein Geburtstagsständchen für Adolf Hitler gesungen worden sein. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Beschuldigten*. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Mit Material der dpa.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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