24 Überfälle, ein Toter und viele Verletzte

Supermarkträuber schweigt vor Gericht

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Nach einer Serie von Supermarktüberfällen muss sich ein 42-Jähriger wegen Raubmordes vor Gericht in Hannover verantworten.

Hannover - Von Michael Evers. Nach einer Serie von Supermarktüberfällen muss sich ein 42-Jähriger wegen Raubmordes vor Gericht in Hannover verantworten. Dort erschoss er einen 21-Jährigen, der ihn aufhalten wollte. Auch im Angesicht der Mutter gibt es vom Angeklagten kein Wort des Bedauerns.

Über ein Jahr lang war er eine Phantomgestalt auf Fahndungsplakaten, die in Supermärkten bundesweit für Schrecken sorgte und die Ermittlungsgruppe „Discounter“ in Atem hielt. Am Mittwoch wird der mutmaßliche Serientäter im Landgericht Hannover in Handschellen zur Anklagebank geführt. 24 Überfälle auf Supermärkte bundesweit sollen laut Staatsanwaltschaft auf sein Konto gehen. Weil der Täter bei einem Raubzug in Hannover einen Kunden erschoss, lautet die Anklage auf Raubmord.

Als der 42-Jährige die Aktendeckel zur Seite nimmt, hinter denen er sich vor den Kameras verbirgt, können die Zuschauer dem Mann ins Gesicht sehen. Unter ihnen befindet sich als Nebenklägerin die Mutter des erschossenen 21-Jährigen. Ihr Sohn hätte am Tag des Prozessstarts Geburtstag gefeiert. Die schwarz-gekleidete Frau faltet die Hände und blickt in Richtung des Angeklagten. Dieser beugt sich meist zu seiner Dolmetscherin, als die umfangreiche Anklageschrift verlesen wird, mal schaut er zum Staatsanwalt herüber. Die Nebenklägerin scheint er nicht zu beachten.

Bei der Serie von Überfällen, die der Staatsanwalt vorträgt, geht der Täter immer nach derselben Masche vor. Zumeist als letzter Kunde legt er an der letzten geöffneten Kasse ein paar Waren auf das Band, in dem Moment, in dem die Kassiererin die Kasse öffnet, schreit er „Geld her“ und droht mit seiner halbautomatischen Ceska-Pistole. Äußerst brutal reagiert er, wenn er nicht sofort die Scheine in seinem Stoffbeutel verstauen kann. Mehrfach schießt er in den Fußboden, in die Luft oder die Kasse, in Hamm wird eine Kassiererin am Fuß verletzt, in Bottrop verfolgt eine Mitarbeiterin den Täter, ein Schuss prallt an der Stahlkappe ihrer Arbeitsschuhe ab.

Bei dem fatalen Raubzug am 4. Dezember 2014 in Hannover hat der Supermarkträuber seine Beute bereits in einen Beutel gesteckt, als der 21-Jährige den Laden betritt, die Situation erfasst und mit einer Tasche voll Leergut auf den Täter schlägt. Dieser schießt sofort und lässt dem Angreifer keine Chance. Der erste Schuss durchschlägt die Schläfe, der andere dringt in Höhe des Schlüsselbeins in den Oberkörper ein, der junge Mann ist sofort tot. Seine Mutter verzieht die Mundwinkel nach unten, als sie diese Details anhören muss. Der Angeklagte zeigt äußerlich wahrnehmbar keine Regung. Dass es sich bei ihm um einen rabiaten Gewalttäter handeln soll, ist dem Mann mit Glatze und grauem Bart nicht anzusehen.

Zu den Vorwürfen äußert der Angeklagte sich im Gericht wie zuvor bereits bei der Polizei nicht, somit bleibt auch die Frage nach dem Motiv vorerst im Dunkeln. Das Gericht hat sich auf ein Verfahren bis Mitte 2016 gerüstet. Möglicherweise könne das Verfahren aber nach Erörterung der schwersten Fälle abgekürzt werden, stellte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch in Aussicht.

Todesschütze in einem Supermarkt in Hannover

Am Ende des ersten Prozesstages gibt es eine menschliche Geste. Rosenbusch spricht den Angeklagten an, Fotos seiner Familie würden ihm durch seinen Verteidiger übergeben. Besuch nämlich wird der für die ihm vorgeworfenen Taten stets aus Polen eingereiste Mann wohl nicht so oft bekommen. Nur noch Fotos bleiben am Geburtstag des Sohns auch der Nebenklägerin.

dpa

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