Wolf aus auffälligem Rudel in Munster künftig mit Sender unterwegs

Munster/Hannover - All zu neugierig und weit weniger scheu als erwartet haben sich wiederholt vor allem die Wölfe aus dem Rudel in Munster gezeigt. Verhaltensauffällige Tiere sollen in Niedersachsen beobachtet und notfalls vergrämt werden. Jetzt hat ein Wolf einen Sender bekommen.

Erstmals ist ein Wolf aus dem auffälligen Rudel in Munster mit einem Sendehalsband versehen worden. Vom Umweltministerium in Hannover beauftragte Fachleute hätten dem mit einer Betäubungsspritze ruhig gestellten Tier am Montagmorgen ein Halsband mit Sender umlegen können. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums in Hannover mit.

Wiederholt hatten zuvor etwa Spaziergänger und Landwirte von Begegnungen berichtet, wo Tiere vom Truppenübungsplatz Munster bis auf wenige Meter herankamen. Das männliche Jungtier wurde vom Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung mit dem Sender versehen. „Der Sender informiert unsere Experten in regelmäßigen Abständen darüber, wo sich der Wolf aufhält“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover. „Die Besenderung hilft uns, bei einem möglicherweise auffälligen Verhalten schneller mit geeigneten Vergrämungsmaßnahmen zu reagieren.“

Zweck sei es, die Wölfe auf Abstand zu halten. „In unserem Wolfsmanagement steht in jedem Fall die Sicherheit der Menschen an vorderster Stelle“, hatte Wenzel kürzlich gesagt. Anfang Mai hatte das Ministerium angekündigt, die Überwachung des Rudels zu verstärken. Derzeit wird das Wolfskonzept des Landes aktualisiert. „Wir sind mitten drin“, sagte am Montag ein Sprecher des Ministeriums. Am 1. Juli werde das neue Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) seine Arbeit aufnehmen. Dort sollen etwa Meldungen über Nutztierrisse oder Anträge auf Entschädigung bearbeitet werden.

Mehrfach hatten die Tiere aus Munster für Schlagzeilen gesorgt. So waren im Februar sieben neugierige Wölfe einer Frau und ihren beiden Hunden unweit von Amelinghausen gefolgt. Auch durch Schreie hätten sich die Tiere nicht verscheuchen lassen. Kurz zuvor hatte ein Forstmann das Rudel aus nächster Nähe fotografiert. Auch ein verhaltensauffälliger Wolf, der im Februar in Schleswig-Holstein in eine Schafherde eingedrungen war, stammte aus Munster, wie genetische Untersuchungen ergaben. Allein in Niedersachsen sind nach Zahlen der Landesjägerschaft mindestens 50 Wölfe unterwegs, bundesweit sollen es gut 300 sein. „Dazu kommen die in den vergangenen Wochen geborenen Welpen, das sind im Schnitt fünf pro Rudel“, sagte Wildbiologin Britta Habbe.

Genaue Zahlen über den Nachwuchs lägen aber noch nicht vor. Wegen der Wölfe hat Niedersachsen eine bundesweite Meldestelle gefordert. Mehrfach waren in den vergangenen Jahren bereits Wölfe zu Forschungszwecken mit Sendern ausgestattet worden, vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt.
dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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