Mordfällen bei Lüneburg

Polizei will Haus von mutmaßlichem Serienmörder durchsuchen

Lüneburg - Nach fünf Mordfällen von 1989 hält die Polizei inzwischen einen längst gestorbenen Friedhofsgärtner für den Täter. Weil womöglich weitere Taten auf sein Konto gehen, will sie nun sein ehemaliges Haus durchsuchen. Vor 25 Jahren fanden Fahnder dort bereits Verdächtiges.

Nach der Aufklärung von fünf Jahrzehnte alten Mordfällen in der Nähe von Lüneburg will die Polizei das ehemalige Haus des mutmaßlichen Täters auf Hinweise auf weitere Verbrechen durchsuchen. Der Friedhofsgärtner, der sich 1993 in der Untersuchungshaft erhängte, sei möglicherweise für weitere frühere Taten verantwortlich, teilte die Polizei in Lüneburg am Mittwoch mit. Anhand moderner Technik gesicherte DNA-Treffer weisen seit kurzem auf den Gärtner als Verantwortlichen für die sogenannten Göhrdemorde. 

Im Naturgebiet Göhrde waren im Sommer 1989 binnen zwei Monaten zwei ermordete Paare entdeckt worden. Als möglichen Täter hatten die Fahnder den Friedhofsgärtner Kurt-Werner W. damals schon im Visier. Insgesamt bringen sie fünf Mordopfer sicher mit dem Mann in Verbindung, denn im früheren Haus des Friedhofsgärtners wurde im vergangenen September die vergrabene Leiche einer seit 1989 verschwundenen Unternehmersfrau gefunden. 

1993 bereits hatte die Polizei das Haus von W. durchsucht und war dabei auf Waffen, Fesseln und anderes verdächtiges Material gestoßen. Weder die dem Gärtner nun zugeschriebenen Taten oder andere Verbrechen klärten die Fahnder damals aber auf. Dass der Täter keine eindeutigeren Spuren hinterließ und nicht schon viel früher überführt wurde, spreche dafür, dass er planvoll und strukturiert handelte, sagen die Fahnder heute. Die Fakten, die die Ermittler inzwischen in der Hand haben, deuten darauf hin, dass W. für rund zwei Dutzend weitere Morde verantwortlich sein könnte.

 Deshalb richtete die Polizei in Lüneburg eine Clearingstelle ein, über die Polizeidienststellen bundesweit einen Zusammenhang anderer Fälle mit den Göhrdemorden prüfen lassen können. Derzeit arbeitet die Polizei an einem Bewegungsbild des Friedhofsgärtners, der sich auch in anderen Teilen Deutschlands aufgehalten hat. Längere Zeit lebte er etwa in Karlsruhe. Konkrete Anknüpfungspunkte zu weiteren Mordfällen haben sich aber noch nicht ergeben. 

Weil die Polizei davon ausgeht, dass der Gärtner bei den Morden nicht alleine handelte, startete sie kürzlich einen Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Daraufhin gab es zwar 15 Hinweise, aber keinen offensichtlich entscheidenden Ermittlungsansatz. Zu einer genauen Person, die als Mittäter in Frage kommt, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen noch nichts sagen. Schon im vergangenen Jahr spekulierten Medien, dass der jüngere Bruder von W. zur Aufklärung beitragen könnte, Reportern aber sagte er kein Wort. 

Die Motive des Serientäters sind bislang offen geblieben. Experten zeichneten das Bild eines gefühlskalten und psychisch gestörten Menschen, der brutal und aggressiv vorgeht. In der Göhrde tötete er seine vier Opfer durch Schüsse, Schläge und Strangulieren. Er beobachtete die Paare beim Picknick, bei Zärtlichkeiten oder beim Sonnenbaden und handelte möglicherweise aus sexuellen Motiven. 

Ein konkreter Termin für die erneute Durchsuchung des Hauses, in dem die Fahnder vor 25 Jahren bereits anrückten, steht noch nicht fest. Die "umfänglichen Suchmaßnahmen" auf dem Grundstück sollten "in absehbarer Zeit" erfolgen, kündigte die Polizei lediglich an.

- dpa

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa-avis

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