Ein Ende ist nicht absehbar

Moorbrand in Meppen: Fragen und Antworten 

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Moorbrand: Katastrophenfall ausgerufen

Es schwelt im Moor bei Meppen - und ein Ende ist nicht absehbar. Die Bundeswehr ist inzwischen offensiv um Schadensbegrenzung bemüht. Doch beendet ist der Moorbrand bei Meppen noch nicht. Zumindest das Wetter macht etwas Hoffnung.

Die Lage beim Moorbrand auf einem Bundeswehrgelände im Emsland hat sich am Wochenende etwas entspannt. Doch Entwarnung ist noch längst nicht angesagt - der Katastrophenfall bleibt ausgerufen. Fragen und Antworten zum Feuer, das schon seit drei Wochen schwelt:

Wie lange können die Löscharbeiten noch dauern?

Wenn es nicht genug regnet, kann der Brand bei Meppen in Niedersachsen noch Wochen dauern. Die Regenfälle vom Wochenende haben die Situation nur leicht verbessert. Geholfen hat auch, dass zunächst starker Wind ausblieb. Er hätte das Feuer nochmals anfachen können. Die Bundeswehr setzt zudem neue Mittel ein, die das Löschen erleichtern sollen: Ein Tornado-Aufklärungsjet flog am Wochenende über das Gebiet. Mittels Infrarottechnik sollen die unterirdischen Brandnester so genau wie möglich lokalisiert werden.

Warum ist das Feuer so schwer zu löschen?

Wegen einer technischen Panne war eine Löschraupe nicht schnell genug einsatzfähig, was wertvolle Zeit kostete. Das eigentliche Problem ist aber, dass es sich um einen unterirdischen Schwelbrand im Torf handelt, der bis zu acht Meter tief reichen kann. Außerdem ist es ein entwässertes Moor - und nach dem heißen Sommer völlig trocken. Die Helfer versuchen, die Brandnester durch ein Fluten der Fläche mit Wasser zu löschen. Dabei ergibt sich ein weiteres Problem: Die Fläche ist übersät mit Munitionsresten, was den Zugang zu den Brandarealen erschwert.

Wie kam es zu dem großen Feuer?

Die Bundeswehr hatte Anfang September auf ihrem Waffentestgelände bei Meppen Raketen von einem Hubschrauber abgefeuert. Dabei geriet der Moorboden in Brand. Normalerweise löscht die Bundeswehr solche Feuer sofort mit Spezialfahrzeugen, die auf dem Moorboden fahren können. Eine Löschraupe fiel allerdings kurzfristig aus, die andere stand in der Werkstatt. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), sieht in dem Vorfall einen Hinweis auf große Mängel bei der Bundeswehr. Die Ausrüstung sei teils marode.

Bilder vom Moorbrand in Meppen

Moorbrand
Thomas Groeters (l-r), Oberst Kommandeur, und Andreas Sagurna, Leiter Zentrum Brandschutz der Bundeswehr, sprechen bei einer Pressekonferenz auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91. © dpa
Grüne fordern Moorbrand-Krisenstab
Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit mehr als zwei Wochen fünf Hektar Moorland in Brand. © dpa
Moorbrand Satellitenbild
Das am 19.09.2018 zur Verfügung gestellt Satellitenbild des Wettersatelliten Suomi NPP (Suomi National Polar-orbiting Partnership) zeigt, dass aus 800 Kilometern Entfernung noch die Rauchwolken vom Moorbrand bei Meppen zu sehen ist. © dpa
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Schießplatz im niedersächischen Meppen hat am Dienstagabend für starken Brandgeruch in weit entfernten Regionen gesorgt. © nonstopnews
Mehr als 1000 Einsatzkräfte bei Moorbrand in Meppen
Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit mehr als zwei Wochen fünf Hektar Moorland in Brand. © dpa
Expertin für Schadstoffmessungen in Nähe von Moorbrand
Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit mehr als zwei Wochen fünf Hektar Moorland in Brand. © dpa
Moorbrand bei Meppen
Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit mehr als zwei Wochen fünf Hektar Moorland in Brand. © dpa
Moorbrand
Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit mehr als zwei Wochen fünf Hektar Moorland in Brand. © dpa
Moorbrand
Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit mehr als zwei Wochen fünf Hektar Moorland in Brand. © dpa
Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit mehr als zwei Wochen fünf Hektar Moorland in Brand. © dpa
Moorbrand
Moorbrand © dpa
Moorbrand
Blick auf die Zufahrt zur Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91. © dpa
Moorbrand
Landrat Reinhard Winter (CDU) spricht bei einer Pressekonferenz in der Kreisverwaltung. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Verteidigungsministerin bei Moorbrand auf Bundeswehr-Testgelände
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa
Moorbrand
Nach Raketentests schwelt auf einem Testgelände der Bundeswehr seit mehr als zwei Wochen ein Feuer in einem Moorgebiet. © dpa

Wer trägt die Schuld an dem Moorbrand?

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich bei den Anwohnern entschuldigt - und eingeräumt, dass der Brand nicht solche Ausmaße angenommen hätte, wenn die Bundeswehr früher um externe Hilfe gebeten hätte. Zudem sei es womöglich ein Fehler gewesen, die Rakete während der außergewöhnlichen Hitzeperiode zu testen. Behörden klären derzeit, ob sich jemand strafbar gemacht hat - die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt. Einem Sprecher zufolge könnten fahrlässige Brandstiftung oder Umweltdelikte vorliegen.

Sind Feuer und Rauch eine Gefahr für die Anwohner?

Mit Evakuierungen von Ortschaften wegen Funkenflugs wird derzeit nicht mehr gerechnet. Die angrenzenden Orte Stavern und Sögel waren aber zeitweise stark von Rauch betroffen. Mediziner haben vor Gesundheitsgefahren aufgrund des Rauchs und der Feinstaubbelastung gewarnt. Patienten mit Lungenerkrankung könnten Probleme bekommen. Auch das Risiko bei Herz-Kreislauf-Beschwerden steige. Inzwischen sind erste Luftmessungen erfolgt. Eine Überschreitung von Grenzwerten bei Kohlenmonoxid wurde bislang nicht ermittelt. Allerdings schwankt die Belastung wegen des wechselnden Windes sehr stark.

Werden Umwelt und Klima geschädigt?

Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland sind bereits mehr als 500 000 Tonnen Kohlendioxid durch den Moorbrand freigesetzt worden. Ungezählte Insekten und Reptilien seien dem Brand zum Opfer gefallen. Die Belastung der Menschen in angrenzenden Ortschaften und der Einsatzkräfte durch den Rauch sei hoch.

Hat der Brand Konsequenzen?

Die Informationspolitik der Bundeswehr wurde zunächst scharf kritisiert. In den vergangenen Tagen gingen die Streitkräfte deutlich offener mit der Situation um. Niedersachsens Grüne fordern, Waffentests auf dem Gelände bei Meppen für unbestimmte Zeit auszusetzen. Zudem dringen sie auf Umweltkompensationen für den Schaden, den das Militär angerichtet hat.

Von Elmar Stephan, Felix Frieler und Nikolai Huland - dpa

Ist der Brand auch in anderen Mooren denkbar?

Ungefähr 90 Kilometer trennen die niedersächsischen Städte Meppen und Diepholz. Doch aktuell dürften die Bewohner des Verbreitungsgebietes dieser Zeitung besonders mitfiebern bei der Brand-Katastrophe, die sich seit Tagen nahe der niederländischen Grenze abspielt. Denn die Diepholzer Moorniederung mit ihren 105 000 Hektar Gesamtgröße prägt die Landschaft. Allein die sogenannten Hochmoore nehmen 24 000 Hektar Platz ein, eine Fläche, fast so groß wie 34 000 Fußballfelder. Dr. Michaela Meyer ist die Leiterin des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima, das in Wagenfeld-Ströhen sitzt. Sie hat Redakteurin Juliane Klug zwei Fragen beantwortet.

Auch wenn es in Ströhen keinen Platz gibt, auf dem die Bundeswehr Schießen übt: Könnte ein Feuer, wie es gerade bei Meppen wütet, theoretisch auch in den Diepholzer Mooren ausbrechen?

Michaela Meyer: Da auch unsere Moore in diesem Sommer von der extremen Trockenheit betroffen sind, wäre die Gefahr auch hier recht schnell gegeben, ja. Wir weisen Besucher unseres Fachzentrums insbesondere im Sommer immer darauf hin, dass sie mit ihren Autos nur auf ausgewiesenen Flächen parken sollen. Schilder machen auf die Gefahr von Moor- und Waldbränden aufmerksam. Heiße Katalysatoren von Autos können trockene Wegesränder leicht entzünden, ebenso unachtsam weggeworfene Zigaretten oder Glas- und Plastikgefäße. Das Feuer breitet sich bei der Trockenheit schnell aus.

Warum ist es besonders fatal, wenn Moor Feuer fängt?

Meyer: Um das zu verstehen, muss man wissen, dass intakte Moore effektive Kohlenstoffspeicher sind. In dem dauerhaft wassergesättigten Milieu werden abgestorbene Pflanzenreste aufgrund des fehlenden Sauerstoffs nur unvollständig zersetzt. Torf bildet sich und mit dem abgelagerten organischen Material wird auch der von den Pflanzen aufgenommene Kohlenstoff für Jahrtausende im Moor festgelegt. Wenn das trockene Moor Feuer fängt, wird schlagartig klimaschädliches Kohlenstoffdioxid in großen Mengen freigesetzt. Die Klimafolgen können nur erahnt werden. Verschwinden die Moore, verschwinden Lebensräume mit vielfältigen ökologischen Funktionen.

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