Hochwasser-Expertin klagt an

„Monumentales System-Versagen“: Regierung wurde Tage vor der Flut gewarnt

Hätten die Bewohner der vom Hochwasser betroffenen Regionen gewarnt und zum Teil sogar rechtzeitig gerettet werden können? Ja, sagt eine Hochwasser-Expertin.

Hätte die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verhindert und so zahlreichen Menschen das Leben gerettet werden können? Eine Frage, die sich im Anbetracht der Vorwürfe, die die britische Hydrologin Hannah Cloke gegenüber der Bundesregierung erhebt, gerade zu aufdrängt.

Deutsches Land:Nordrhein-Westfalen
Fläche:34.098 km²
Bevölkerung:17,93 Millionen (2019)
Hauptstadt:Düsseldorf

Hydrologin erhebt schwere Vorwürfe: Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz hätte verhindert werden können

Abertausende Menschen in NRW und Rheinland-Pfalz wurden von der Flut überrascht, mussten sich Plünderern stellen, verloren nicht nur ihr Hab und Gut in den strömenden Wassermengen, sondern zum Teil auch ihr Leben. All das hätte laut Hannah Cloke, Professorin für Hydrologie an der Universität Reading verhindert werden können.

So soll das europäische Hochwasser-Warnsystem „Efas“ bereits am 10. Juli – also vier Tage vor der Flutkatastrophe – Alarm geschlagen und „Warnungen an die deutsche und die belgische Regierung“ übermittelt haben. In den Tagen nach der Warnung seien detaillierte Diagramme an deutsche Behörden übermittelt worden, die präzise voraussagten, wo das Hochwasser gefährlich werden könne.

„Die Leute hätten Warnungen erhalten sollen. Die Leute sollten die Warnungen verstanden haben. Es nützt nichts, riesige Computermodelle zu haben, die vorhersagen, was passieren wird, wenn die Leute nicht wissen, was sie bei einer Flut tun sollen“, so Cloke gegenüber der „Times“.

Hochwasser-Expertin Hannah Cloke wirft der Regierung vor, die Menschen nicht rechtzeitig vor dem Hochwasser gewarnt zu haben. (24hamburg.de-Montage)

Weiter sagt sie, dass „die Tatsache, dass Menschen nicht evakuiert wurden oder die Warnungen nicht erhalten haben“, nahe lege, dass etwas schiefgegangen sei. Irgendwie müsse die Warnkette zusammengebrochen sein, „sodass die Meldungen nicht bei den Menschen angekommen sind.“ Es handele sich dabei um ein „monumentales System-Versagen“. In ihren Augen fehle es bundesweit an „einheitlichen Herangehensweise an Flutrisiken.“ Ein Schritt, der jeden Einzelnen betreffe, denn: „Mit dem Klimawandel werden solche Ereignisse nur noch häufiger auftreten.“

Deutscher Wetterdienst weist Vorwürfe von sich: Warnungen seien herausgegangen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD), der die „Efas“-Daten und damit einhergehenden Warnungen bekommen haben soll, weist sämtliche Vorwürfe von sich. Ein Sprecher des DWD erklärte gegenüber dem ZDF: „Wir haben getan, was zu tun war.“ Man habe bis auf die einzelnen Gemeinden genau einen Tag vor der Katastrophe „vor Regenmengen von bis zu 200 Litern pro Quadratmeter gewarnt“. „Infolge des Dauerregens sind unter anderem Hochwasser an Bächen und kleineren Flüssen sowie Überflutungen von Straßen möglich“, hieß es in den Warnungen des DWD. In vielen Orten habe die höchste Warnstufe gegolten.

Viel eher sehe der Sprecher ein Versäumnis bei den Medien, die die vom DWD übermittelten Warnungen nicht geteilt hätte.

Hochwasser-Warnungen haben Menschen nicht erreicht: FDP sucht Schuld bei Bundesinnenminister Horst Seehofer

Die FDP sehe dahingegen die Schuld bei  Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). „Die rechtzeitigen Warnungen der Meteorologen sind weder von den Behörden noch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinreichend an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert worden. Es bietet sich das Bild eines erheblichen Systemversagens, für das der Bundesinnenminister Seehofer unmittelbar die persönliche Verantwortung trägt“, so Fraktionsvize Michael Theurer.

Eine Meinung, die auch die Linke teilt und daher nun den sofortigen Rücktritt Seehofers fordert. * 24hamburg.de, merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © imagebroker/IMAGO & Rhein-Erft-Kreis/picture alliance/dpa

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