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RKI-Rolle rückwärts: Riesen-Aufruhr um Genesenen-Status

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Von: Yannick Hanke

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RKI-Präsident Lothar Wieler schaut grinsend zur linken Seite. Im Hintergrund wird eine Impfzertifikat-Kontrolle durchgeführt.
Auf seiner Homepage weist das Robert Koch-Institut (RKI) eine Anpassung des Genesenen-Status aus. Transparent kommuniziert wurde dies nicht. Ein Statement von RKI-Präsident Lothar Wieler ist bislang nicht erfolgt. (kreiszeitung.de-Montage) © Jens Schicke/imago/Demy Becker/dpa

Erst galt der Genesenen-Status von ehemals Corona-Infizierten für sechs, dann für drei Monate. Nun spricht das Robert Koch-Institut (RKI) erneut von sechs Monaten.

Berlin – Quo vadis, Robert Koch-Institut (RKI)? Mit Beginn des neuen Jahres erscheint der Kurs der biomedizinischen Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung nicht mehr für jeden nachvollziehbar. Entscheidungen vom RKI werden in der Bevölkerung mit Fragezeichen quittiert, die Politik äußert sich kritisch. Ein Hin und Her im Kontext des Genesenen-Status‘ ehemals Corona-Infizierter steht hierbei im Mittelpunkt.

Genesenen-Status doch wieder sechs Monate gültig – für bestimmte Personengruppen

Mitte Januar 2022 sollte das RKI erstmals für Wirbel im noch jungen Jahr sorgen. Damals wurde beschlossen, dass die Gültigkeit des Genesenen-Zertifikats auf drei Monate verkürzt wird*. Ehemals galt der Genesenen-Status für sechs Monate. Durch die Verkürzung fühlte sich eine Vielzahl an Menschen in ihren Freiheitsrechten stark beeinträchtigt. Nun aber erfolgt die Rolle rückwärts vom RKI.

Die vorgenommene Verkürzung begründete das RKI auf seiner Homepage damit, „dass Ungeimpfte nach einer durchgemachten Infektion mit der Deltavariante oder einer früheren Virusvariante einen im Vergleich zur Reinfektion mit der Deltavariante herabgesetzten und zeitlich noch stärker begrenzten Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion mit der Omikronvariante* haben“.

Robert Koch-Institut (RKI) erklärt sich zum Genesenen-Status: Fachliche Vorgaben nur für ungeimpfte, ehemals Corona-Infizierte

In seiner wissenschaftlichen Begründung hat das Robert Koch-Institut indes jedoch einen entscheidenden Absatz ergänzt. So heißt es: „Diese fachlichen Vorgaben für den Genesenennachweis beziehen sich ausschließlich auf Personen, die ungeimpft sind, d.h. weder vor, noch nach ihrer durchgemachten Infektion eine Impfung erhalten haben“.

Eine Empfehlung vom RKI, die in Deutschlands Apotheken für große Verwunderung sorgt – und auch in Hamburg für reichlich Aufruhr sorgt*. Dort werden die entsprechenden Impf-Zertifikate* ausgestellt, die längst in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens die Grundvoraussetzung darstellen, um beispielsweise Einlass in gastronomische Betriebe zu finden.

Der Casus knacksus: Im EU-Zertifikat kann faktisch nicht zwischen ungeimpften und geimpften Genesenen unterschieden werden. Darüber berichtet die „Pharmazeutische Zeitung“. So würde die verkürzte Geltungsdauer für ungeimpfte Genesene „nicht über das Zertifikat abgebildet“ werden. Der Deutsche Apotheker-Verband ABDA habe dies bereits gegenüber der „Bild“ bestätigt.

Veränderter Genesenen-Status stellt Apotheken bundesweit vor technische Herausforderungen

Technisch ist es Apotheken also gar nicht möglich, der veränderten RKI-Empfehlung nachzukommen. Das hat zur Folge, dass alle Genesenen in den Apotheken wieder Zertifikate mit sechs Monaten Gültigkeit ausgestellt bekommen. Ganz gleich, ob sie geimpft oder ungeimpft sind. Dies ist natürlich konträr zur RKI-Empfehlung. ABDA-Sprecher Christian Splett bezieht nun Stellung – im Gegensatz zu RKI-Präsident Lothar Wieler, der bislang schweigt.

Genau genommen kann ein Genesener trotz scheinbar gültigen Genesenen-Zertifikats vor einem Restaurant oder einer Kneipe abgewiesen werden. Nämlich dann, wenn die Erkrankung mehr als 90 Tage her ist und kein zusätzliches Impfzertifikat in der Corona-Warn-App hinterlegt ist. Das würde dann der Empfehlung des RKI entsprechen

ABDA-Sprecher Christian Splett äußert sich gegenüber der „Bild“ zur Causa Genesenen-Status

Bedeutet: Aus technischen Gründen erhält ein ungeimpfter Genesener ein 180-Tage-Zertifikat. Dieses ist offiziell jedoch nur die Hälfte der Zeit, also 90 Tage lang, gültig. Und welche Rechte stehen solch einer Person ab dem 91. Tag zu? Darüber herrscht noch Unklarheit. Und das Robert Koch-Institut muss sich wohl erneut Kritik aufgrund mangelnder Transparenz gefallen lassen*. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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