Gegen Fachkräftemangel

Mögliche Reform: Duale Ausbildung und mehr Geld für Erzieher 

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3300 fehlenden Fachkräften an Kitas und Kindergärten in Niedersachsen stehen nur eine geringe Anzahl an Bewerbern gegenüber.

Hannover - Angesichts der Vielzahl offener Stellen in niedersächsischen Kitas hat Verdi bessere Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher gefordert. "Das Berufsfeld muss attraktiver gestaltet werden", sagte Gewerkschaftssekretärin Katja Wingelewski in Hannover.

Notwendig seien kleinere Betreuungsgruppen sowie mehr Zeit für die Vorbereitung und für Leitungsaufgaben. Ein Hemmnis sei außerdem, dass es während der Ausbildung keine Vergütung gibt. "Dadurch wird der Beruf für viele uninteressant." 

Geringe Zahl geeigneter Bewerber

Nach einer Analyse der Bertelsmann Stiftung fehlen in Niedersachsen 3300 Fachkräfte in den Kitas, um die Qualität der Betreuung zu sichern. Allerdings wird es für die Träger immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden. 

"Die Forderung nach mehr Fachkräften für die Einrichtungen ist nicht von heute auf morgen zu erfüllen", sagte die Sprecherin der Agentur für Arbeit in Niedersachsen und Bremen, Anja Schmiedeke. Im Juli waren landesweit 1205 unbesetzte Stellen für Erzieher und Sozialassistenten in der Kinderbetreuung gemeldet, sieben Jahre zuvor waren es nur 346. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte von rund 2430 auf etwa 1400. In Bremen sieht die Lage ähnlich aus. 

Dreijährige duale Ausbildung mit guter Vergütung angedacht

Die vierjährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher ist rein schulisch, nach zwei Jahren ist der Abschluss Sozialassistent/in vorgesehen. In manchen privaten Schulen muss sogar Schulgeld gezahlt werden. 

2016/17 befanden sich landesweit etwa 14.000 Schülerinnen und Schüler in der Ausbildung, das waren nach Angaben des Kultusministeriums so viele wie nie zuvor. Im Zuge des Ausbaus der Betreuungsplätze habe die Landesregierung seit 2013 jedes Jahr etwa 450 neue Schulplätze für die frühkindliche Bildung geschaffen, betonte Ministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). 

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) plädiert für eine Reform der Erzieher-Ausbildung, um mehr Fachkräfte für die Einrichtungen zu gewinnen. "Wir können uns eine dreijährige duale Ausbildung mit einer Vergütung gut vorstellen", sagte NSGB-Präsident Marco Trips. 

Nahezu keine Männer in Krippen und Kindergärten

Vermutlich auch wegen der vergleichsweise schlechten Bezahlung streben immer noch sehr wenige Männer einen Job in einer Krippe oder einem Kindergarten an. Ihr Anteil lag 2016 nach Angaben der "Koordinationsstelle Männer in Kitas" in Niedersachsen bei 4,8 Prozent, in Bremen bei 8,9 Prozent (bundesweit 5 Prozent). 

In den Fachschulen für Sozialpädagogik lag der Männeranteil 2015/2016 mit 17,1 Prozent deutlich höher. Bisher arbeiten viele Männer später allerdings eher in Schulhorten oder Kinderheimen als in Kitas.

dpa

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