Mögliche Nebenwirkungen

Booster-Impfungen mit Moderna und Biontech: Das empfiehlt die Stiko

Die ständige Impfkommission Stiko empfiehlt eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten. Doch welche Nebenwirkungen können dabei auftreten?

München – Schon über 21 Millionen Menschen in Deutschland haben ihre Booster-Impfung* erhalten (Stand: 15. Dezember). Doch es bleibt noch viel zu tun: Bis Ende des Jahres will die Bundesregierung 30 Millionen Erst-, Zweit- und Drittimpfungen ausgeben. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Auffrischungsimpfung und welche Nebenwirkungen können auftreten, jetzt wo Niedersachsen 2G-Plus für Booster-Geimpfte lockert?

Booster-Impfung: Diesen Zeitpunkt empfiehlt die Stiko

Die Stiko empfiehlt eine Auffrischungsimpfung für alle ab 18 Jahren. Der richtige Zeitpunkt liege in der Regel bei sechs Monaten nach der Zweitimpfung. Im Einzelfall sei der Booster auch schon fünf Monate nach der letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung möglich. Immunologen warnen allerdings vor einer frühzeitigen Booster-Impfung, da diese sogar den gegenteiligen Effekt haben könnte. „Wenn man zu früh boostert, kommt es nicht zu der beabsichtigten Steigerung der Immunantwort“, sagte etwa der Mediziner Christian Bogdan gegenüber Nordbayern.de.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Booster-Impfung mit Biontech oder Moderna. Im Bild: der Präsident der STIKO, Thomas Mertens. (kreiszeitung.de-Montage)

Auffrischungsimpfung nur mit mRNA-Impfstoffen empfohlen: Biontech und Moderna

Generell empfiehlt die ständige Impfkommission für die Booster-Impfung einen mRNA-Impfstoff. Das sind in Deutschland die Impfstoffe der Unternehmen Biontech/Pfizer* und des Herstellers Moderna*. Das vektorbasierte Vakzin AstraZeneca kommt für eine Auffrischungsimpfung deshalb nicht infrage. Bei Booster-Impfung nach Kreuzimpfung gibt es je nach Mischung verschiedene empfohlene Präparate.

Beide Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer sind gleichwertig, wie etwa der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, betont. Trotzdem sei es nicht egal, mit welchem Impfstoff der dritte Stich erfolgt. Sofern möglich, empfiehlt die Stiko für die Auffrischungsimpfung den Impfstoff desselben Herstellers zu verwenden. Dabei geht es hauptsächlich um die verfügbare Datenlage: „Moderna macht keine Studien mit Biontech. Und Biontech macht keine Studien mit Moderna“, erklärte eine Sprecherin des RKI gegenüber dem WDR. Wer bei der Grundimmunisierung wiederum beispielsweise AstraZeneca erhielt, für den eignet sich für die Kreuzimpfung sowohl Moderna als auch Biontech Pfizer.

Für alle unter 30 Jahren empfiehlt die Stiko ausschließlich den Einsatz von Biontech, unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde. Denn in seltenen Fällen können Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen (Myokarditis und Perikarditis) bei jüngeren Personen auftreten*, die nach der Impfung mit Moderna etwas häufiger waren. Für alle über 30 Jahren hingegen kommen sowohl Moderna als auch Biontech infrage.

Moderna und Biontech: Welche kurzfristigen Nebenwirkungen können auftreten?

Die Nebenwirkungen bei der Booster-Impfung sind mit jenen der zweiten Impfung vergleichbar. „Die bisher vorliegenden Untersuchungen zeigten, dass die dritte Impfung nicht zu einer Steigerung der Nebenwirkungen führt. Sie liegen im gleichen Rahmen wie nach der zweiten Impfung“, so der Experte Christian Bogdan.

Die kurzfristigen Nebenwirkungen bei Biontech/Pfizer sowie bei Moderna treten meist innerhalb von zwei Tagen nach der Impfung auf und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage wieder ab. Im Schnitt dauern die Symptome nicht länger als drei Tage. Das geht aus Daten hervor, die dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet wurden.

Neun von zehn Personen bemerkten nach der Impfung keine Nebenwirkungen. Die folgenden Tabellen beziehen sich auf jene zehn Prozent, die Impfreaktionen hatten. Davon stellten beispielsweise 80 Prozent der mit Biontech Geimpften Schmerzen an der Einstichstelle fest.

Sehr häufige Impfreaktionen bei Biontech
(bei mehr als 10 Prozent der Personen ab 16 Jahren)

  • Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als 80 Prozent)
  • Ermüdung (mehr als 60 Prozent)
  • Kopfschmerzen (mehr als 50 Prozent)
  • Muskelschmerzen und Schüttelfrost (mehr als 30 Prozent)
  • Gelenkschmerzen (mehr als 20 Prozent)
  • Fieber und Schwellung der Einstichstelle (mehr als zehn Prozent)

Sehr häufige Impfreaktionen bei Moderna
(bei mehr als 10 Prozent der Personen ab 18 Jahren)

  • Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als 90 Prozent)
  • Müdigkeit (70 Prozent)
  • Kopf- und Muskelschmerzen (mehr als 60 Prozent)
  • Gelenkschmerzen und Schüttelfrost (mehr als 40 Prozent)
  • Übelkeit und Erbrechen (mehr als 20 Prozent)
  • Schwellung und Schmerzempfindlichkeit der Lymphknoten in der Achselhöhle, Fieber, Schwellung und Rötung an der Einstichstelle (je mehr als zehn Prozent)

Gibt es bei den Moderna- und Biontech-Impfstoffen Langzeitfolgen?

Während vielen bereits klar ist, wie sie die Booster-Impfung in Corona-Warn-App und CovPass übertragen können, hält sich noch immer manch andere Information hartnäckig. So etwa die Idee der Langzeitfolgen von Corona-Impfstoffen. Die Impfstoffe seien sehr neu, so das Argument, daher seien langfristige Nebenwirkungen noch nicht ausreichend untersucht. Doch die Grundannahme ist schon falsch: Erstens sind die Corona-Impfstoffe extrem gut untersucht. Weltweit wurden bereits laut Johns Hopkins University über acht Milliarden Impfdosen verabreicht. „Die COVID-19-Impfstoffe wurden in kürzester Zeit an viele Menschen weltweit verabreicht. Deshalb können sehr seltene Nebenwirkungen schneller als sonst erkannt und beurteilt werden“, erklärt die Stiko.

Zweitens gibt es Langzeit-Nebenwirkungen bei Impfstoffen generell nicht. Alle Folgen, die ein Impfstoff hat, treten wenige Stunden, Tage oder Wochen nach der Impfung auf. „Nebenwirkungen, die unerwartet und erst lange Zeit (etwa mehrere Jahre) nach der Impfung auftreten, sind bei noch keiner Impfung beobachtet worden“, so die Stiko. Eine unerwünschte Wirkung, die erst nach langer Zeit eintritt, muss also niemand befürchten.

Definiert man Langzeitfolgen hingegen als Wirkung, die lange anhält, sind diese bei Corona-Impfstoffen durchaus möglich. Eine erwünschte Langzeitfolge ist der lang anhaltende Schutz vor einer Corona-Infektion oder vor einem schweren Verlauf. Doch auch bei Covid-Impfungen können schwere Nebenwirkungen vorkommen. In sehr seltenen Fällen kann es beispielsweise zu Sinusvenen-Thrombosen oder einer Herzmuskelentzündung im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung kommen. Diese treten kurz nach der Impfung auf, können aber langfristige Auswirkungen haben.

Im Grunde ist es eine Risikoabwägung. Das Risiko einer schwerwiegenden Nebenwirkung durch eine Impfung liegt bei etwa 0,02 Prozent. Die Gefahr für alle, die ungeimpft auf das Virus treffen, ist ungleich größer: Jeder Zehnte, der sich infiziert, muss mit einem schweren Verlauf rechnen. Die Long-Covid-Symptome sind hier noch nicht einmal eingerechnet. *Merkur.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/Matthias Balk/dpa

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