Frustration in Nordhorn

„Mit mir hat nie jemand gesprochen“: Marktkauf muss schließen – Leiter schockiert

Die Nordhorner sind frustriert: Der beliebte Supermarkt Marktkauf muss schließen. Der Marktleiter veröffentlichte ein emotionales Statement.

Nordhorn – Der knapp 7.000 Quadratmeter große Marktkauf ist seit 2007 im Rawe-Ringcenter ansässig und bei den Kunden sehr beliebt. Anfangs wurde der Markt von der damaligen Marktkauf Holding direkt betrieben.

UnternehmenMarktkauf Holding
Gründung1892
HauptsitzBielefeld
DachorganisationEDEKA Zentrale AG & Co. KG

Zwei Jahre später vergab Mutterkonzern Edeka, die größte Supermarkt-Kette in Deutschland, den Markt an den Einzelhandelsfachmann Manfred Kutsche. Seitdem betreibt der heute 58-Jährige, den alle nur „Manni“ nennen, den Supermarkt in Eigenregie. Doch 2022 ist Schluss.

Der Besitzer des Rawe-Ringcenters, die Hahn-Gruppe aus Bergisch Gladbach, hat den Mietvertrag für Kaufland überraschend nicht verlängert. Die Einzelhandelsfläche in dem Fachmarktzentrum soll ab März 2022 stattdessen an Kaufland vermietet werden. Inhaber Manfred Kutsche versteht die Welt nicht mehr und sieht sich als Opfer eines „Immobiliengeschachers“, berichtet die NOZ.

Der beliebte Supermarkt Marktkauf in Nordhorn muss schließen. (Symbolbild)

Nordhorn: Manfred Kutsche ist Marktkauf-Leiter mit Leidenschaft

Kutsche ist Marktleiter mit Leidenschaft. Mit viel Herzblut hat er seinen Marktkauf Schritt für Schritt zu einem breit aufgestellten Regionalanbieter umgebaut und hatte immer eine tolle Mannschaft dabei, erzählt der 58-Jährige. Dass der Mietvertrag nun nicht verlängert wird, ist für „Manni“ ein Schlag ins Gesicht.

Aus für Marktkauf in Nordhorn: Manfred Kutsche ist schockiert

Der Mietvertrag läuft zwar turnusgemäß am 14. März 2022 sowieso aus, die Verlängerung um weitere zehn oder 15 Jahre sei für Kutsche eigentlich nur eine rein formelle Sache gewesen. Doch dass zwischen Edeka und der Hahn-Gruppe die Verhandlungen schon länger stockten, bekam der Nordhorner Marktbetreiber erstmal nicht mit. Manfred Kutsche ist schockiert: „Mit mir hat nie jemand gesprochen“, sagt er.

Weder die Hahn-Gruppe noch das von ihr beauftragte Center-Management habe überhaupt einen Versuch gemacht, mit ihm über eine Vertragsverlängerung zu verhandeln. Auch eine Bäckerei in Nordhorn kam wegen einer deftigen Ansage in die Schlagzeilen.

Marktkauf-Fläche geht ab 2022 an Kaufland

Ab März 2022 soll die Marktkauf-Fläche im Ringcenter also an Kaufland, wo die Preise je nach Filiale variieren, vermietet werden, das steht fest. Somit musste Edeka den Vertrag mit Manfred Kutsche kündigen. „Manni“ muss nun die Untermietverträge kündigen, die er mit den Shop-Betreibern im Ringcenter geschlossen hat. Kaufland musste vor Kurzem ein rassistisches Produkt aus Online-Shop nehmen. Auch eine Kundentreue-Aktion des Supermarkts ging nach hinten los.

Wie es mit Mannis knapp 100 Beschäftigen weitergeht und ob sie eine neue berufliche Perspektive beim Supermarkt Kaufland, der zahlreiche Filialen von Real übernommen hat, bekommen, kann Manfred Kutsche aktuell nicht sagen. Fakt ist, dass „Manni“ bis zum 14. März 2022 allen Beschäftigten kündigen, seinen gesamten Warenbestand abverkaufen und die komplette Ladeneinrichtung ausräumen muss. Ob die Kunden aus Nordhorn dem Marktkauf auch so hinterhertrauern werden?

Emotionales Statement vom Marktlauf-Leiter

Der 58-jährige Manfred Kutsche veröffentliche zumindest auf der Website von Marktkauf ein emotionales Statement:

Sehr geehrte Kunden/Kundinnen,
aufgrund der immer mehr werdenden Gerüchte möchte ich gerne persönlich Stellung nehmen. Es entspricht leider den Tatsachen, dass mein Mietvertrag zum März kommenden Jahres gekündigt wurde. Ich bin vollkommen geschockt und habe da überhaupt nicht mitgerechnet. Meine Ampeln standen auf Grün für Umbau und Renovierung, und dann kam die Nachricht, dass sich der Vermieter der Immobilie dazu entschieden hat die Fläche anderweitig (an die Kaufland) zu vermieten.
Ich möchte unbedingt weiter machen! Ich werde weiterhin kämpfen und gebe nicht auf, damit ich auch zukünftig gemeinsam mit meinem großartigen Team für Sie da sein darf. Ich würde mich freuen, wenn Sie uns weiterhin so treu zur Seite stehen, wie Sie es in den vergangenen 12 Jahren getan haben. Vielen Dank. Ihr Manfred Kutsche“

Kündigung für Marktlauf: „Manni“ bleibt dennoch optimistisch

Der 58-Jährige hatte große Pläne, bevor er von der Kündigung erfuhr. Er wollte unter anderem ein Shop-in-Shop-System aufbauen und neue regionale Spezialitäten anbieten. Doch dazu kommt es nun nicht. Trotzdem ist „Manni“ optimistisch: „Ich könnte mich zur Ruhe setzen, aber das will ich nicht.“ Wenn es irgendwo einen guten Standort gibt, fange ich mit meiner Mannschaft noch mal von vorn an.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Krato/dpa

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