Prälat Peter Kossen verlässt das Offizialat in Vechta und greift die Fleischindustrie an

„Missbrauch der Werkverträge wie ein Krebsgeschwür“

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Prälat Peter Kossen gilt als heftiger Kritiker von Werkverträgen. 

Hannover/Vechta - Prälat Peter Kossen verlässt das Offizialat in Vechta und hat zum Abschied noch einmal massiv die Zustände im Bereich der Werkvertragsarbeit kritisiert. Kossen geht nach fünf Jahren in Vechta zu einer Pfarrei in Lengerich (NRW).

Trotz aller Diskussionen und Absichtserklärungen habe sich „vielerorts wenig zum Positiven gewendet“, sagte Kossen am Mittwoch im Rahmen der Ausstellung „Bitter Oranges“ in Hannover. Das zunächst legale Instrument der Werkverträge werde „massenhaft missbraucht, um elementarste Standards von Entlohnung und Absicherung systematisch zu unterlaufen“, wird der 47-Jährige in einer Mitteilung des Offizialats zitiert.

Es würden Umgehungsstrategien praktiziert, um den Mindestlohn auszuhöhlen, prangerte der Theologe an. Angefangen von unbezahlter Mehrarbeit über Mietpreise von 290 bis zu 420 Euro monatlich für ein Bett im Mehrbettzimmer. Bis dahin, dass Stechschürzen und Stechhandschuh den Arbeitern für je 108 Euro in Rechnung gestellt würden, nannte Kossen Beispiele.

Messer-Pfandgeld würde ebenso erhoben wie Gebühren für Übersetzungen verlangt, mahnte Kossen, der auch Vorsitzender des Oldenburgischen Caritasrates ist. Der Transport zur Arbeitsstelle werde zudem in Rechnung gestellt.

„Ausbeutung“ und „moderne Sklaverei“

Dass im Schnitt 80 Prozent der Arbeitsplätze in der Fleischindustrie mit Werkvertrags- und Leiharbeitskräften besetzt wären, sei ein Beispiel für „Ausbeutung“ und „moderne Sklaverei“, nahm der scheidende Prälat einen bestimmten Wirtschaftszweig besonders aufs Korn. Aber: „Der Missbrauch der Werkverträge frisst sich wie ein Krebsgeschwür quer durch unsere Volkswirtschaft.“ Jeden Tag würden hunderttausende Arbeitsmigranten systematisch ausgebeutet: im Hotelgewerbe, der Getränkeindustrie, im Gemüseanbau, auf Großbaustellen und im Versandhandel. Unter unsäglichen hygienischen Bedingungen würden abbruchreife Häuser, Fabriken und Viehställe mit Osteuropäern „vollgestopft“. Spanische Werkvertragsarbeiter beispielsweise hätten zwölf Euro pro Bett und Nacht in einem 12-Bett-Zimmer zahlen müssen.

Kossen forderte „gleichen Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort“. Daneben verlangte der Priester eine „weitestgehende Einschränkung der Werkverträge im Kerngeschäft von Unternehmen“. Neben der „dezentralen, bezahlbaren, menschenwürdigen Unterbringung“ müsse darüber hinaus der Sumpf krimineller Subunternehmer ausgetrocknet werden.

Weitere Kritik äußerte der Geistliche an den Gemeinden: „Ich verstehe die Tatenlosigkeit vieler Kommunen angesichts prekärer Arbeits- und Wohnverhältnisse nicht.“ Arbeitsmigranten hätten – und das zum Teil mit Kindern – „in slumartigen Verhältnissen auf Campingplätzen bei Wildeshausen und Visbek“ gehaust. „Will die Politik das nicht sehen oder ist sie machtlos? Und wenn ja, warum?“, stellte er einige offene Fragen.

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