Ein Vater sieht rot

„Wie Militärcamp“: Vater wütet gegen Schule – weil Tochter nachsitzen muss

Ein Vater spricht von einer „militärischen“ Bestrafung, weil seine Tochter zu zwei Stunden Nachsitzen verdonnert wird. Nun entbrennt eine Debatte.

Stoke-on-Trent, England – Die 14-jährige Caitlin ist Schülerin der britischen „St. Peter‘s Academy“. Einer Schule, die sich voll und ganz der Tradition verpflichtet. Ganz zum Leidwesen der Teenagerin, die nun ihre eigenen Erfahrungen mit den strikten Regeln der Schuleinrichtung machen musste. Weil sie vermeintlich gegen den Strafkatalog der Schule verstoßen hatte, musste sie zwei Stunden nachsitzen.

Stadt:Stoke-on-Trent
Land:England
Fläche:93,45 km²
Bevölkerung:256.127 (2019)

Vater klagt Schule an, weil Tochter zwei Stunden nachsitzen muss: „militärische Strafe“

Kurz vor 15 Uhr empfing der 36-jährige Adam Taylor eine SMS, die ihn noch lange beschäftigen sollte. Absender der Nachricht war die Schulleitung, die ihn über eine verspätete Heimkehr seiner Tochter Caitlin informierte. Der Vater war früher selbst Schüler der „St. Peter‘s Academy“. Doch seitdem besagtem Tag im September 2021 dürfte sich seine Meinung zur Schule drastisch geändert haben. Kurz angebunden informierte die Schule den 36-jährigen Vater, dass sich die Heimkehr seiner Tochter um zwei Stunden verzögert.

Hat sie normalerweise schon um 15 Uhr Schulschluss, muss sie sich dieses Mal also bis um 17 Uhr gedulden. Als Grund für die immense Verspätung gibt die Schule vier Regelbrüche an. Legitimiert sei das ewige Nachsitzen durch eine neu verordnete schulische Maßnahme: Jegliches Vergehen bestraft die „St. Peter‘s Academy“ mit weiteren 30 Minuten, die Schüler die Schulbank drücken müssen. Schnell kommt beim Vater der Verdacht auf, dass es sich dabei um eine willkürliche Maßnahme handelt, die an einen anderen Vorfall in England erinnert, als ein Lehrer eine Schülerin aufgrund ihrer Periode bestrafte.

Zwei Stunden nachsitzen wegen vier Regelverstößen: „Ich habe überhaupt nichts gemacht“, sagt die Tochter

Was wird der 14-jährigen Caitlin zu Last gelegt? Nach Angaben des britischen „Mirrors“ scheint die Wut des Vaters nachvollziehbar. So wird der Schülerin seitens der Schulleitung vorgeworfen, die in großen Teilen Großbritanniens geltende Kleiderordnung torpediert zu haben. Zwar ist in Großbritannien die Maskenpflicht vorbei*– was Schulkleidung betrifft, gelten allerdings teilweise strengste Regeln. Unter anderem ging es um ein „falsches“ T-Shirt, das sie für den Sportunterricht eingepackt hatte. „Das war mein Fehler“, gestand Adam Taylor, der das Kleidungsstück noch am selben Morgen seiner Tochter in die Hand gedrückt hatte.

Caitlin und ihr Vater Adam Taylor sind ratlos, warum die Schülerin zwei Stunden nachsitzen musste. (Symbolbild)

Schuldzuweisungen wegen eines T-Shirts? Da kommen ja direkt Erinnerungen hoch an absurde Bestrafungen und Unannehmlichkeiten, die im Kontext der Schule zuletzt die Runde machten. Kürzlich bekam etwa eine Mutter Ärger, weil sie ihrem Kind ein Keks mit zur Schule gegeben hatte.

Doch es wird noch bizarrer: Beim Nachsitzen hatte die Schülerin mehrere Zettel auszufüllen. Sie sollte ihre Fehler notieren und eingestehen. Sie überlegte lange, bis sie folgenden Satz niederschrieb: „Ich habe überhaupt nichts gemacht, also weiß ich den Grund nicht, ehrlich gesagt“. Warum sie also für drei weitere Strafen nachsitzen musste, bleibt also ungewiss. Kein Wunder, dass ihr Vater nun vor Wut platzt.

„Das ist fast wie ein Militärcamp“: Vater rechnet mit der Schul-Bestrafung ab

„Das ist fast wie ein Militärcamp“, echauffierte sich der Vater gegenüber der britischen Presse. Er hätte bereits jetzt Angst, dass die Schüler aufgrund der überzogenen Bestrafungen ihr Zuhause im Winter erst im Dunkeln erreichen. „Ich kapiere, was sie damit erreichen wollen, man muss den Kids Disziplin beibringen“, sagt er. Doch für den Vater ist eines klar: „Ich finde, dass es einfach zu weit geht!“ Das finden auch Forscher, was einen beliebten Schulsport betrifft: Sie fordern ein Verbot von Völkerball – das Spiel sei „legalisiertes Mobbing“.

Neben der Missachtung einer Kleiderordnung sieht das neue Schulkonzept weitere Punkte vor, die bei Nicht-Einhaltung konsequent abgestraft werden: Unpünktlichkeit, Kraftausdrücke, freche Antworten gegenüber Lehrkräften und das Vergessen von Unterrichtsmaterial. Stellen Schüler auch nur annähernd einer dieser Vorschriften infrage, kann es also schnell so weit sein, dass man bis abends in der Schule sitzt. Diese Erfahrung musste nun also auch die 14-jährige Caitlin machen. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO/photothek

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