Tarifverhandlungen kurz vor Eskalation

30 Metallbetriebe im Norden werden einen ganzen Tag bestreikt

Hamburg - Alle Räder stehen still - oder zumindest einige. Auch im Norden stehen die Tarifverhandlungen in der Metallindustrie kurz vor einer Eskalation. Sogar flächendeckende Streiks sind denkbar - zum ersten Mal seit Jahrzehnten.

Die IG Metall zündet im Tarifkonflikt der Branche im Norden die zweite Stufe. In 30 Betrieben an der Küste sollen von Mittwoch bis Freitag die Produktionsanlagen für einen vollen Tag stillstehen, teilte die IG Metall Küste am Montag mit. 

Aufgerufen werde in kleinen und großen Betrieben von 50 bis 10.000 Beschäftigten in den wesentlichen Metallbranchen und allen fünf Küstenländern Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Konkrete Betriebsnamen nannte der Bezirksleiter noch nicht, doch wird der Flugzeugbauer Airbus als größter Metallbetrieb im Norden mit Sicherheit dabei sein. Auch die Werften, die Zulieferer, Betriebe der Automobilindustrie und Maschinenbauer sollen im Norden bestreikt werden. Die Namen der betroffenen Betriebe nennt die IG Metall einen Tag vorher.

Zudem liefen bereits die Vorbereitungen für eine Urabstimmung über einen Flächenstreik. Den hat es in der norddeutschen Metallindustrie seit Jahrzehnten nicht gegeben. „Es ist kaum ein Unternehmen zu finden, dem es nicht gut geht", sagte Geiken. Vor diesem Hintergrund sei die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber unverständlich. Streit gebe es vor allem um die von der Gewerkschaft geforderte freiwillige Verkürzung der Arbeitszeit, aber auch das Entgeltangebot der Arbeitgeberseite liege noch unter drei Prozent jährlich und sei in dieser Form nicht annehmbar. Die IG Metall war mit der Forderung von sechs Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen. 

Die Metall-Arbeitgeber in Niedersachsen warfen der Gewerkschaft vor, gezielt die Eskalation zu suchen. Die Verhandlungen seien am Wochenende an entscheidenden Stellen weit fortgeschritten gewesen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall, Volker Schmidt. „Die erzielten Kompromisse wurden dann aber vom IG-Metall-Vorstand vom Tisch gewischt und durch neue Forderungen verbunden mit einem Ultimatum torpediert." 

Schmidt bekräftigte die Absicht des Verbandes, Klage gegen die aus Sicht der Arbeitgeber rechtswidrigen Forderungen der IG Metall einzureichen: „Wir sind der Auffassung, dass Teile der Forderung der Gewerkschaft unrechtmäßig sind. Wir werden daher zeitnah darüber entscheiden, noch diese Woche beim Arbeitsgericht Frankfurt ein Hauptsacheverfahren gegen den IG-Metall-Vorstand anzustrengen. Sollte die Gewerkschaft an ihren rechtswidrigen Forderungen festhalten und 24-Stunden-Streiks starten, werden wir rechtliche Schritte einleiten." - dpa

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa-avis

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