Im Gespräch mit Ulrika Engler, Direktorin der LPB

„Demokratie funktioniert nur, wenn alle mitmachen“

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Ulrika Engler

Hannover - Von Katia Backhaus. Zwölf Jahre nach ihrer Schließung ist die Landeszentrale für Politische Bildung Niedersachsen – pünktlich zum Doppelwahljahr 2017 – im Januar wieder eröffnet worden. Die 41-jährige Theologin Ulrika Engler, die zuletzt in Gelsenkirchen die politische Bildungseinrichtung „aktuelles Forum“ leitete, setzt als Direktorin vor allem auf die digitale Welt.

Mit der Bundestags- und der Landtagswahl stehen gleich zwei große politische Entscheidungen an. Welchen Fokus setzen Sie bei der Vorbereitung?
Ulrika Engler: Die anstehenden Wahlen sind eines der Hauptthemen der Landeszentrale für politische Bildung. Uns geht es darum, möglichst viele Menschen – vor allem auch junge – zur Wahl zu motivieren. Demokratie ist eine große Errungenschaft. Sie funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Daher haben wir mit „YouVote – Deine Stimme. Dein Film“ einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem alle aufgerufen sind, in 90 Sekunden ihre Sicht rund um die Wahl einzubringen. Uns ist es auch wichtig, dass es Möglichkeiten gibt, sich fundiert und gleichzeitig spielerisch mit den Wahlprogrammen auseinander zu setzen. Den Wahl-O-Mat mussten wir leider absagen. Im Moment schauen wir nach einer Alternative.

Wo sehen Sie – langfristig – den Kern der politischen Bildungsarbeit, die Sie in Niedersachsen anbieten wollen?
Engler: Wir setzen mit der Landeszentrale vor allem auf Digitales. Die Informationsbeschaffung und die Meinungsbildung haben sich in den letzten Jahren rasant auf die digitale Welt verlagert. Da haben wir in der politischen Bildung noch eine Menge zu tun, dem gerecht zu werden. Diesen Prozess wollen wir gestalten und unterstützen.

Niedersachsen war jahrelang das einzige deutsche Bundesland ohne eine Landeszentrale für politische Bildung. Macht sich das bemerkbar und welche Konsequenzen ziehen Sie daraus für Ihre Arbeit?
Engler: Ein Bundesland ohne Landeszentrale für politische Bildung war einmalig in der Republik. Von unglaublich vielen Seiten sind wir überschüttet worden von herzlichem Willkommen und Aussagen wie: „Gut, dass sie wieder da ist. Die Landeszentrale hat uns gefehlt.“ Gleichzeitig ist viel in der politischen Bildung hier in Niedersachsen weiter gegangen: in der Erwachsenenbildung, der Jugendarbeit, in der Schule, an den Gedenkstätten – um nur wenige Beispiele zu nennen. Daher wollen wir als Landeszentrale auch in erster Linie unterstützen, vernetzen und Impulse setzen.

Der Auftrag einer Landeszentrale für politische Bildung ist es, überparteiliche und unabhängige Bildungsarbeit zu leisten. Wie unabhängig und überparteilich kann eine Landeszentrale sein?
Engler: Die Überparteilichkeit ist ein wichtiges Markenzeichen einer Landeszentrale. Ich freue mich sehr, dass wir hier in Niedersachsen ein Kuratorium haben, in dem alle im Landtag vertretenen Fraktionen repräsentiert sind. Wie vertreten hier keine Parteimeinungen, wir machen politische Bildung. Das heißt, dass wir die Themen kontrovers darstellen und uns für Demokratie stark machen.

Wie gelingt es, die unterschiedlichen Gruppen in der Bevölkerung dort abzuholen, wo sie stehen? Ist es möglich, auf zahlreiche unterschiedliche Ansprüche, Bedürfnisse und bisherige politische Erfahrungen differenziert einzugehen?
Engler: Wir müssen als eher kleine Landeszentrale klare Schwerpunkte setzen. Daher konzentrieren wir uns beispielsweise auf jüngere Zielgruppen – ohne andere ganz aus dem Blick zu verlieren. Wie müssen in der politischen Bildung verstärkt dorthin gehen, wo die verschiedenen Gruppen sind. Da gehört zum Beispiel auch die digitale Welt dazu. Aber auch unterschiedliche Orte: Stadt und Land; Stadtteile unterschiedlicher Prägung. Daher sind wir zur Zeit auf unserer Tour durch Niedersachsen in Vechta, Barnstorf, in der Hildesheimer Nordstadt, in Lüneburg und Gifhorn in ganz verschiedenen Regionen unterwegs.

Hintergrund

Am 31. Dezember 2004 schloss die damals schwarz-gelbe Landesregierung die Landeszentrale für Politische Bildung aus Kostengründen. Landeszentralen sind für die unabhängige und überparteiliche Förderung lokaler politischer Bildungsprojekte, Aufklärung und Information zuständig.

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