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Mehr häusliche Gewalt während Corona: Kinder häufig betroffen

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Von: Bona Hyun

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Ein Kind kauert auf dem Boden
Häusliche Gewalt stieg während Corona an. Kinder litten häufig darunter. (Symbolbild) © Adalberto Rodriguez/imago

Fälle der häuslichen Gewalt nahmen während der Corona-Pandemie zu. Häufig wurden Kinder Opfer von Gewalt. Davon gehen Experten der MHH aus.

Braunschweig – Während des Corona-Lockdowns vermehrten sich die Fälle von häuslicher Gewalt. Körperliche, wie auch psychische Gewalt seien angestiegen. Nicht nur Gewalt in Beziehungen während Corona wird zu einem Problem – Experten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gehen davon aus, dass Kinder während der Corona-Pandemie häufiger zu Opfer von Gewalt geworden sind.

Häusliche Gewalt gegenüber Kindern nahm während Corona zu

Seit Beginn der Coronapandemie werden Experten der Forensischen Kinderschutzambulanz der MHH in Hannover öfter benötigt. „Wir haben seit Pandemiebeginn eine erhöhte Anfrage nach diagnostischer Unterstützung erhalten“, sagte eine Sprecherin der Ambulanz. Die Einrichtung berät Kinderärzte rechtsmedizinisch, wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind misshandelt wird.

Die Kinderschutzambulanz hat Ärzte und Ärztinnen in über 500 Fällen beraten. 142 Kinder wurden in der Ambulanz untersucht. Es sei von einer Zunahme der Fälle von Gewalt gegen Kinder auszugehen. – die Pandemie zeigte Auswirkungen auf die Kinder. Auch die Online- und Telefonberatungen hätten zugenommen.

Körperlicher Missbrauch in einem Viertel der Fälle festgestellt

Körperlicher oder sexueller Missbrauche können laut Kinderschutzambulanz in etwa einem Viertel der Beratungsfälle festgestellt werden. In über einem Viertel der Fälle werden die Verdachtsmomente entkräftet. Kann keine sichere Aussage über den Fall getroffen werden, würden die Patienten an weitere Unterstützungsangebote verwiesen werden. Die Einrichtung biete auch Fortbildungen an. Wenn es zu Strafanzeigen kommt, berät sie Jugendhilfen und Ermittlungsbehörden. Seit ihrem Start Anfang 2011 hat die Ambulanz in etwa 2000 Fällen Ärzte beraten. Die Kinderschutzambulanz soll Niedersachsen weit Kompetenzzentrum werden. So will es laut NDR Sozialministerin Daniel Behrens (SPD).

Häusliche Gewalt nahm im Lockdown zu laut Umfrage der MHH

In einer Umfrage der MHH gaben 5 Prozent der Teilnehmer an, häusliche Gewalt erfahren zu haben. Die Erstauswertung bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. bis zum 15. April 2020. „All diese Themen sind uns nicht unbekannt. Aber die Restriktionen während der Coronavirus-Pandemie und die damit assoziierte räumliche Enge in Familien können zu einem erheblichen Aufflammen dieser Probleme führen“, wird Professor Dr. Tillmann Krüger, Leiter der Studie, auf der Internetseite der MHH zitiert. (mit dpa)

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