Irrer Gerichtsstreit

48-jähriger klagt Rente ein – „Ich bin 102 Jahre alt!“

Ein Mann zieht vor Gericht, um seine Rente einzuklagen: Er sei 1919 geboren und bereits 102 Jahre alt, nicht erst 48, wie im Versicherungskonto angegeben.

Celle – Immer wieder müssen sich Gerichte mit seltsamen bis aberwitzigen Prozessen befassen. So hatte ein Vater auf eine Million Dollar geklagt, weil eine Lehrerin seiner Tochter die Locken abschnitt und ein Mann gewann sogar eine Millionen-Klage, in der er einer Bar die Schuld dafür gab, dass er betrunken war. Nun reichte ein 48-jähriger Mann aus Niedersachsen Klage gegen die Deutsche Rentenversicherung ein: Er sei 1919 in Hannover zur Welt gekommen, also mittlerweile 102 Jahre alt – und könne nun wirklich nicht mehr länger auf seine Rente warten.

Körperschaft des öffentlichen Rechts:Deutsche Rentenversicherung
Gründung:1. Oktober 2005
Versicherte:56,7 Millionen
Mitarbeiter:59.477
Anzahl der regionalen Rentenversicherer:16

Mann klagt Rente ein – „Ich bin 102 Jahre alt!“

Unklar ist, ob den Mann unter Umständen der neue Fünf-Punkte-Plan der Ampelkoalition zur Rente 2022* mit den stärksten Erhöhungen seit knapp 40 Jahren für Rentner* und geplanten Veränderungen auch beim Arbeitslosengeld 2 mit der Umwandlung von Hartz4 in ein Bürgergeld zu der Knaller-Klage bewegte. Die kesse Behauptung des Vollzeit-Verwaltungsfachangestellten aus Stade lautet jedenfalls: Er sei – anders als in seinem Rentenversicherungskonto vermerkt – nicht erst 1973, sondern bereits am 2. Mai 1919 geboren.

„Ich bin 102 Jahre alt!“, behauptet ein 48-jähriger Verwaltungsfachangestellter – und verklagt die Deutsche Rentenversicherung auf Zahlung seiner Rente.

In der Verhandlung am Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen mit Sitz in Celle am vergangenen Freitag legte der Mann zum „Beweis“ eine Eidesstattliche Erklärung und eine selbstgebastelte Geburtsbescheinigung vor – und erklärte die Daten der Deutschen Rentenversicherung* selbstbewusst als „falsch“: „Ich bin 102 Jahre alt!“. 1973 habe er in Stade einen Unfall erlitten, darüber dürfe er jedoch „aus Sicherheitsgründen“ nicht sprechen, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet. 

Der Kläger im Landessozialgericht in Celle. Er behauptet, am 2. Mai 1919 geboren und 102 Jahre alt zu sein.

„Dass wir es nicht mit einem 102-jährigen Menschen zu tun haben, ist, glaube ich, offensichtlich.“

Dem Richter erklärte der graumelierte Mann, dass er demnach die Altersanforderungen für einen Rentenanspruch „schon ein paar Jahre erfüllt“ habe. Und auch Altbundeskanzler Helmut Schmidt habe – wie er – bis ins hohe Alter am Schreibtisch gearbeitet, argumentierte der Kläger laut HAZ. „Dass wir es nicht mit einem 102-jährigen Menschen zu tun haben, ist, glaube ich, offensichtlich“, stellte Richter Uwe Dreyer dennoch gnadenlos fest.

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Klage gnadenlos abgewiesen: 48-Jähriger forderte Altersgutachten des UKE ein

Während der Verhandlung versucht der Kadi den rüstigen Kläger zur Einsicht zu bewegen: „Sollen wir weitermachen?“. Die Antwort kommt schnell: „Na klar.“ Am Ende weist Dreyer dennoch konsequenterweise die Berufung des Mannes ab. Die Feststellungsklage auf ein Altersgutachten der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf* und eine Altersrente, die rückwirkend ab dem Geburtsjahr 1919 berechnet werden solle, sei „schlichtweg unzulässig“. Obendrein hält der Richter dem Mann vor, das Verfahren mutwillig zu führen, womöglich liege sogar eine Straftat vor – „die möglicherweise ein anderes Verfahren nach sich zieht“.

Irrer Alters-Rechtsstreit: Das Netz lacht sich schlapp

Er beendet den Prozess, Revision: nicht zugelassen. Und da das Verfahren „aus Mutwilligkeit“ geführt worden sei, trägt der Kläger obendrein die Kosten von 1000 Euro. Der Verwaltungsfachangestellte hat nun den Schaden – und braucht für den Spott nicht zu sorgen: „Auf jeden Fall bekommt er demnächst Rente, wenn er weggesperrt wird und nicht mehr Vollzeit arbeiten darf. Und eine schicke Jacke bekommt er noch dazu“, amüsiert sich ein Facebook-User.

Ein anderer schreibt: „Unglaublich, mit was für einem Schwachsinn sich unsere Gerichte auf unsere Kosten beschäftigen müssen.“ Hätte der Mann wohl besser auf Tipps vom Finanzexperten gebaut, mit denen man die Arbeitszeit um Jahre verkürzen kann, wenn man früher in Rente gehen möchte*.* kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze

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