Testpflicht für Rückreisende

Trotz Aus für Oster-Urlaub daheim: Malle-Urlaub weiterhin möglich

Die Flugzeuge nach Malle heben weiter ab, weil die Rechtslage „verzwickt“ ist. Die Airlines kommen der Kanzlerin entgegen und erhalten direkt ein Lob.

Update vom 23. März: Die Aufhebung der Reisewarnung und Quarantänepflicht für die Lieblingsinsel der Deutschen hat für viel Aufregung gesorgt. Urlaub wird auf Mallorca trotzdem weiter möglich sein. Bund und Länder appellieren aber an die Fluggesellschaften, keine zusätzlichen Flüge mehr für die Osterferien anzubieten.

„Wir raten von allen Reisen ins Ausland ab“, betonte Angela Merkel in der Bund-Länder-Konferenz am Montag. „Bund und Länder erwarten von den Fluglinien, dass Tests bei der Rückreise vorgenommen werden.“ Auslandsreisen sind möglich, Inlandsreisen nicht – dafür gab es viel Kritik. Die umstrittene Möglichkeit von Flugreisen nach Mallorca bleibt trotz neuer Beschlussvorlage bestehen, weil juristische Schritte schwierig seien. „Die Rechtslage hier ist verzwickt.“

Bundeskanzlerin Merkel lobt Entgegenkommen der Airlines

Für alle Flüge aus dem Ausland nach Deutschland soll eine generelle Testpflicht vor Abflug eingeführt werden. „Dass die Airlines Tests vor dem Rückflug anbieten werden, ist eine gute Nachricht“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bisher müssen nur Einreisende aus Regionen mit besonders vielen Infektionen sowie aus Gebieten mit neuen Virusvarianten bei der Einreise einen Test vorweisen.

Viele Flüge sind bereits nach Palma de Mallorca aufgebrochen.

Kommt man aus einem „normalen“ Risikogebiet, muss man sich erst 48 Stunden nach Ankunft in Deutschland testen lassen, was sich schwer kontrollieren lässt. Es gibt aber auch Gebiete in Europa, die gar nicht mehr auf der Risikoliste des RKI stehen, wie zum Beispiel Mallorca. Die neue Testpflicht zielt vor allem auf Urlauber ab, die von dort in den nächsten Wochen nach Deutschland zurückkehren. In der Osterzeit sollen es um die 40.000 sein.

Ursprungsmeldung vom 22. März: Mit viel Vorfreude auf Sonne und Strand, aber wenig schlechtem Gewissen sind am Sonntag die ersten Urlauber mit Tui-Fliegern aus Deutschland nach Mallorca gestartet. Nach monatelanger Corona-Zwangspause bietet der größte Reisekonzern wieder Flüge auf die beliebte Ferieninsel an. „Wir wären auch gerne mit dem Wohnwagen in Deutschland irgendwohin gefahren - auf den Campingplatz, ein paar Tage raus, aber das geht ja nicht“, erzählten Kevin Burgess und seine Partnerin Gabi am Flughafen Hannover kurz vor Abflug. Leben in der Pandemie gehe ihm nach mehr als einem Jahr auf die Seele, erzählt der in Hildesheim wohnende Burgess. „Ich hab Homeoffice, ich verlasse das Haus kaum, und irgendwann reicht es mir auch. Ich glaube, es geht vielen Deutschen auch so, dass sie keine Lust mehr haben.“

Insel:Mallorca
Gemeinden:53
Größte Gemeinde:Palma de Mallorca
Bevölkerung:923.608

Urlaub auf Mallorca: Flucht aus dem Corona-Alltag

Die Flucht aus dem belastenden Corona-Alltag auf die Insel wird aber derzeit heftig diskutiert. Nach Auslaufen der Reisewarnung für die Balearen vor einer Woche haben Airlines wie Eurowings oder nun Tuifly wieder Verbindungen aufgenommen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur lehnten 65 Prozent die beschlossene Aufhebung der Quarantäne und Testpflicht für Rückkehrer von der spanischen Ferieninsel ab. Nur 22 Prozent halten diesen Schritt für richtig.

„Wenn die Inzidenzwerte hier in Deutschland höher sind, kann ich das politisch verstehen“, sagte Urlauberin Cornelia Wilke, die sich wie viele ihrer Mitreisenden auf Ablenkung und einen Tapetenwechsel freut. Man könne nicht dauerhaft im Lockdown bleiben und die Menschen leiden lassen, „da macht man ja auch die Wirtschaft mit kaputt“. Zu Hause sei das Risiko, sich anzustecken, wahrscheinlich größer, erklärte Natascha Schiller-Blindo. „Die Inzidenz ist ja sehr niedrig, die Sicherheitsmaßnahmen sind groß. Und wir haben die Tests gemacht.“

Bundesregierung: Corona-Inzidenz auf Mallorca niedrig - Reisewarnung ab 50er-Inzidenz

Die Bundesregierung hatte sich selbst dazu verpflichtet, die Reisewarnung für ein Land oder eine Region aufzuheben, sobald die Zahl der Neuinfektionen unter 50 pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche sinkt. Sie rät aber trotzdem weiterhin generell von touristischen Reisen im In- oder ins Ausland ab.

Passagiere kommen auf dem Flughafen von Palma de Mallorca an.

Stephan Weil, Ministerpräsident im Tui-Stammland Niedersachsen, forderte die Bundesregierung auf, dies rückgängig zu machen. Die Aufhebung sei „ein schwerer Fehler“, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Sonntag). „Noch mag das Infektionsgeschehen auf Mallorca unkritisch sein, aber wenn über Ostern Menschen aus ganz Europa auf der Insel zusammenkommen, haben wir sofort wieder einen neuen Hotspot.“

Urlauber Marcus aus Berlin hat weniger Bedenken: „Wir waren im November auf Lanzarote und haben gesehen, dass es klappt. Wir gehen auch davon aus, dass es genauso leer sein wird und sehen keine großen Probleme.“ Seinen Nachnamen will der 35-Jährige nicht öffentlich machen. „Wir sind halt eine Neidgesellschaft. Da habe ich jetzt auch kein Interesse, mich zu rechtfertigen, das ist meine Entscheidung.“

Tuifly: Nachfrage für Mallorca hoch - Flüge ab Hannover, Düsseldorf, Frankfurt und München

Die Nachfrage für Mallorca ist laut Tuifly sehr stark, aber nicht auf dem Niveau vom Ostergeschäft 2019. Die Hotels auf der Insel wurden seit Tagen vorbereitet und das zuvor geplante Angebot ausgeweitet. So hätten nun zehn Prozent der rund 1000 Hotels auf der Insel geöffnet, sagte ein Sprecher. Am Sonntagvormittag hoben zwei Tuifly-Maschinen am Firmensitz in Hannover-Langenhagen ab. Gut 160 der knapp 190 Plätze waren der Airline zufolge im ersten Flieger belegt, der zweite war nahezu ausgebucht. Auch von Düsseldorf und Frankfurt bot Tuifly je zwei Verbindungen an, von Stuttgart einen Flug. Zum 26. März soll München als Abflughafen hinzukommen.

Fluggäste mit dem Reiseziel Mallorca stehen im Flughafen Hannover-Langenhagen am Check-in. Von Hannover aus fliegt der größte Reisekonzern Tui ab Sonntag nach langer Zwangspause wieder die ersten Urlauber nach Mallorca.

Marlen Wendt aus Hamburg steigt in Hannover mit gemischten Gefühlen ins Flugzeug: „Erst war die Freude da und nachdem wir dann gebucht hatten natürlich auch Sorge und Angst: Wie denken Freunde und Nachbarn darüber?“ Aber es sei nun mal kein Risikogebiet mehr. „Wir fahren da ja auch nicht hin, um Party zu machen, sondern Familienurlaub in den Bergen“, erklärte die 42-Jährige aus Hamburg. „Da stellen wir, glaube ich, für Land und Leute auch nicht so eine Gefahr dar.“ Wenn sie im Flugzeug sitze, werde die Freude auch zurückkommen, ist sich Wendt sicher. Ihre zweieinhalbjährige Tochter freue sich ohnehin aufs große Meer und die Muscheln am Strand.

Rubriklistenbild: © imago-images

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