Magie und Mythen:

Walpurgisnacht durch die Linse eines Niederländers

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Das Foto des niederländischen Fotografen Friso Spoelstra zeigt einen jungen Mann im Kostüm des Mephisto am 30.04.2000 im Harz.

Amsterdam - Von Annette Birschel. Ein Urlaub im Harz veränderte das Leben eines Amsterdamer Fotografen. Die Magie der Walpurgisnacht lässt ihn nicht mehr los. Seine Fotos zeigen Teufel und Hexen in verwunschener Landschaft.

Der Teufel sitzt auf einem Moped und knüpft sein rotes Cape zu - eine Zigarette keck im Mund. Der niederländische Fotograf Friso Spoelstra (47) drückt in ungewöhnlichen Momenten auf den Auslöser. Vor 15 Jahren machte er dieses Foto eines jungen Mannes vor dem Umzug zur Walpurgisnacht am 30. April im Harz. Auf dem Gesicht sieht man das Grinsen eines Mephisto, als ob der junge Mann mit dem Kostüm zurück ins Mittelalter kehren würde.

„Devils and Angels“, heißt das jetzt erschienene Buch des preisgekrönten Fotografen. Teufel und Engel. Mehrere europäische Länder bereiste er auf der Suche nach alten Bräuche undVolksfesten. Er fand sie in Bulgarien, Irland, Serbien, Italien - und in Deutschland. Prominent auf dem Umschlag prangt ein Foto von der Walpurgisnacht in den Orten Elend und Schierke.

„Mit der Walpurgisnacht hat es angefangen“, erzählte Spoelstra von seiner Faszination für Volksbräuche. Zuerst hatte er im Urlaub im Harz das Fest der Hexen und Teufel und die Tänze um die Feuer miterlebt und das vor der besonderen Natur-Kulisse. Walpurgisnacht konnte nur hier sein, stellte er fest. „Die Geschichten und Mythen sind eng verbunden mit dieser Landschaft“.

Der Amsterdamer wollte die Magie der Walpurgisnacht in seinen Bildern festhalten. Er fotografierte geheimnisvolle Wälder im Harz, fing das Licht der Feuer ein und zeigte die feiernden Menschen in ungewöhnlichen Momenten. Kinder im Engelskostüm auf einer Bank, ein Teufel in Jeansjacke auf dem Weg nach Hause.

Die Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen miteinander, sagte er. „Das ist auch keine Show.“ Die Leute feierten dieses Fest für sich selbst und nicht für Touristen. Und sie bereiteten sich das ganze Jahr lang auf diesen Höhepunkt vor.

Spoelstra besuchte zahllose alte Volksfeste in Europa. Feste, um den Winter zu vertreiben, die Ernte zu feiern oder Naturgeister zu beschwören. Menschen tragen Masken oder Kostüme, haben besondere Tänze und Rituale. „Das Mystische erwarten wir eigentlich von Asien - aber das gibt es auch bei uns, um die Ecke.“

Meistens sind es Feste von und für die Bewohner. In seinem eigenen Land etwa, auf der Wattenmeer-Insel Ameland, werden Touristen sogar dringend gebeten, nicht beim „Sunder Klaas“, zum Nikolausfest, dabei zu sein. Dann ziehen nachts junge Männer in weißen Gewändern durch die Straßen.

Die Fotos sowie die Texte des niederländischen Theater- und Filmemachers Arnold-Jan Scheer dokumentieren diese jahrhundertealten Traditionen in Europa. Manche drohen auszusterben. Etwa in abgelegenen Dörfern in Osteuropa, weil die Jugend wegzieht.

Mehrfach kehrte Spoelstra in den Harz zurück, stets zur Walpurgisnacht. Die Kamera ist natürlich immer dabei. „Aber ich fahre auch, weil es so toll und spannend ist“, sagte er lachend. Und dann greift er auch zur Schminke und mischt sich unter die tanzenden Teufel rund um das Feuer.

dpa

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