Biber, Bären und Leuphana

Niedersachsen schöpft aus den EU-Töpfen

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Ein Teil der Baustelle für den Libeskind-Bau an der Leuphana Universität ist in Lüneburg (Niedersachsen) zu sehen. In Niedersachsen hat vor allem der Nordosten gewaltig von den EU-Mitteln profitiert, Milliarden wurden bereitgestellt. Für Wirbel sorgt dabei immer wieder die Leuphana Universität in Lüneburg.

Lüneburg - Von Peer Körner. In Niedersachsen hat vor allem der Nordosten gewaltig von den EU-Mitteln profitiert, Milliarden wurden bereitgestellt. Für Wirbel sorgt dabei immer wieder die Leuphana Universität in Lüneburg.

Der Nordosten Niedersachsens wurde einst als einzige Region in Westdeutschland von Brüssel als besonders rückständig eingestuft. Auch wenn im einstigen Regierungsbezirk Lüneburg Gebiete wie das Wendland fraglos strukturschwach sind, geriet die Region aber nur wegen statistischer Besonderheiten unter die Armenhäuser Europas. Dies hatte jedoch einen positiven Effekt: Seit 2007 flossen gewaltige Summen hierher. „Für die EU-Förderphase 2007 bis 2013 waren besonders viele EU-Mittel für Niedersachsen vorgesehen“, sagt Jörg Mielke, Chef der Staatskanzlei in Hannover. Insgesamt waren es rund 2,7 Milliarden Euro, fast die Hälfte davon für den ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg, ein Großteil aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Immer wieder für Schlagzeilen sorgte dabei vor allem ein Projekt: der Bau der Leuphana Universität in Lüneburg. Kritiker hielten das geplante Zentralgebäude mit seiner silbern-gezackten Fassade lange für nicht finanzierbar. Vergabeentscheidungen zu Beginn der Arbeiten riefen die Ermittler des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung auf den Plan. Den Bau entworfen hat US-Stararchitekt Daniel Libeskind, von dem auch der Entwurf für das Jüdische Museum in Berlin stammt.

Unbestritten ist die Universität mit ihren mehr als 8000 Studenten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. So sollen allein dank der Leuphana und ihres „Innovations-Inkubators“ fast 64 Millionen Euro EU-Mittel nach Lüneburg fließen. Forschung und Wirtschaft sollen im Inkubator nach dem Vorbild der kalifornischen Stanford University eng kooperieren, sich über Trendthemen wie digitale Medien, nachhaltige Energie und moderne Gesundheitsversorgung Gedanken machen.

Die Uni spricht von einem „Brutkasten für Ideen“. Sie verweist darauf, dass der „Innovations-Inkubator“ die Wirtschaft fördere, indem Unternehmen von Forschung profitieren. Entwickelt wurde beispielsweise bereits ein Analyseinstrument, um Produktions- und Administrationsabläufe mittelständischer Unternehmen zu verbessern.

Doch einige Millionen könnten der Uni wegen der Bauverzögerungen durch die Lappen gehen. Nach aktueller Planung soll der Bau 2016 fertig sein. Und das könnte zum Problem werden: Die EFRE-Mittel dafür haben ein Verfallsdatum. Bis Ende 2015 müssten mindestens 80 Prozent der Bausumme ausgezahlt sein, sonst könnten die EU-Mittel dafür gestrichen werden, heißt es im Wissenschaftsministerium in Hannover. „Ob dieses Datum gehalten werden kann, ist ungewiss“, sagt Kristina Heller vom Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Leuphana.

Die Uni geht aber davon aus, dass die Finanzierung gesichert ist. Sie rechnet heute mit Baukosten von 76 Millionen Euro - 91 Millionen oder mehr werden es dagegen laut Oberfinanzdirektion. Dennoch soll der Bau fertiggestellt werden, für einen Stopp ist es zu spät. Alles andere wäre „nicht wirtschaftlich“, sagt Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). Und so dürfte der futuristische Bau in einigen Jahren tatsächlich 37 Meter hoch in den Himmel ragen, 21 Meter der schräg nach außen geneigten Außenmauern stehen schon.

In den Genuss der EU-Gelder kamen in der Vergangenheit aber nicht nur Forschungszentren und Hochschulinstitute. Gefördert wurden auch Unternehmen und Ausbildungsplätze, Weiterbildungsmaßnahmen sowie Landwirtschaft und Küstenschutz, erläutert Staatskanzleichef Mielke. Und auch Tierisches: Für das Eisbären-Gehege im Zoo Hannover flossen ebenso EU-Mittel wie für die Biber-Anlage und das Elbe-Aquarium in Bleckede im Landkreis Lüneburg. dpa

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