„Diebe im Gesetz“ - Mammmutprozess gegen angebliche Russen-Mafia

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Landgericht in Lüneburg

Lüneburg - Eine Schießerei in Hannover weckt die Neugier der Ermittler. Es geht um einen Streit innerhalb der Organisierten Kriminalität, heißt es. In Lüneburg wird nun sechs Männern der Prozess gemacht. Vier von ihnen sollen zur Russen-Mafia gehören, den „Dieben im Gesetz“.

Mutmaßliche Mitglieder der russisch-eurasischen Mafia-Organisation „Diebe im Gesetz“ stehen in den kommenden Monaten in einem Mammutverfahren vor dem Landgericht Lüneburg. Die Anklage wirft ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie banden- und gewerbsmäßigen Betrug vor. Im Raum Hannover sollen die insgesamt sechs Angeklagten zwischen 2009 und 2014 insgesamt 15 Straftaten begangen haben. So sollen vier von ihnen über eine Briefkastenfirma teure Fahrzeuge und Maschinen erschlichen und weiter verkauft haben. Allein dabei soll ein Schaden von rund 450 000 Euro entstanden sein. Doch darüber hinaus könnte der Prozess Einblicke in eine sonst streng abgeschottete Welt bieten.

Die Angeklagten kommen aus Russland, Kasachstan, Armenien, Tschechien, Deutschland und der Türkei. Vier der Männer sollen zu den „Dieben im Gesetz“ gehören. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Hannover sind sie damit Teil eines Mafia-Netzwerkes, dessen Mitglieder ganz überwiegend aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion stammen. Die „Dieb im Gesetz“ genannten Bosse der russischen Mafia haben Deutschland laut Bundeskriminalamt (BKA) in 22 Regionen aufgeteilt, in denen die von ihnen streng hierarchisch geführten „Brigaden“ operieren. Verbindendes Element sind kulturelle Gemeinsamkeiten und die russische Sprache. Unter den Anführern sollen auch Angehörige des KGB und anderer früherer Nachrichtendienste der Sowjetunion sein.

Einer der in Lüneburg angeklagten Männer soll ein solcher Boss sein und die Bande geleitet haben. „Zwei weitere Angeklagte sollen als Statthalter und Aufseher der Gruppierung fungiert und deren aus Straftaten finanzierte Gemeinschaftskasse verwaltet haben“, teilte ein Sprecher des Landgerichts mit. „Ein vierter Angeklagter soll lediglich Mitglied der kriminellen Vereinigung gewesen sein.“ Die Ermittlungen waren nach einer bandeninternen Schießerei am Maschsee in Hannover im März 2008 in Gang gekommen. Die „Diebe im Gesetz“ sollen aus Berufsverbrechern vor über 80 Jahren in den sowjetischen Straflagern entstanden sein. Die Mitglieder haben eigene Strukturen und Gesetze, ihr Kodex verlangt absoluten Gehorsam, jede Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen ist streng verboten. Nach BKA-Angaben wurden 2012 rund 20 000 Tatverdächtige in Deutschland registriert, die aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion stammen.

Ob alle den sogenannten „russisch-eurasischen Gruppierungen“ angehören, kann auch das BKA nicht mit Sicherheit sagen. Der Prozess vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts beginnt am kommenden Donnerstag (5. Februar) unter strengen Sicherheitsbedingungen. So ist zwischen Zuschauern und Prozessbeteiligten eigens eine schusssichere Glaswand aufgebaut worden. In den Gerichtssaal kommen die Besucher nur durch einen gesonderten Sicherheitsbereich. Bis zum 23. Dezember hat die Kammer mehr als 80 Verhandlungstage angesetzt.
dpa

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