Landgericht lehnt Klage des Vaters ab

Mord an 17-Jähriger bleibt ungesühnt

Lüneburg -  Von Peer Körner. Die 17-jährige Frederike wird vergewaltigt und ermordet, der Tatverdächtige wird aber freigesprochen. 30 Jahre später gibt es neues Beweismaterial, doch keinen neuen Mordprozess. Frederikes Vater legt seine Hoffnung in eine Zivilklage - doch vergeblich.

Hans von Möhlmann will Gerechtigkeit, doch Recht und Gerechtigkeit sind nicht immer das gleiche. Seine Tochter Frederike wurde 1981 in Hambühren bei Celle grausam ermordet. Ein Tatverdächtiger wurde 1983 aus Mangel an Beweisen freigesprochen, Experten des Landeskriminalamtes in Hannover konnten 2012 mit neuen Methoden DNA-Spuren sichern, die den Mann schwer belasten, heute ist er 56 Jahre alt. Nach dem Freispruch von 1983 ist eine Wiederaufnahme des Verfahrens aber nur möglich, wenn der Mann die Tat gesteht, neue Beweise sind kein Grund dafür.

„Für mich ist es nicht zumutbar, dass er frei herumläuft“, hat von Möhlmann gesagt. Er hat deshalb eine Zivilklage angestrengt. Der 72-Jährige fordert vor dem Landgericht Lüneburg für die erlittenen Leiden 7000 Euro Schmerzensgeld, vergeblich. „Die Klage ist abgewiesen“, heißt es bei einem Verkündungstermin am Mittwoch kurz. Die Ansprüche seien verjährt, begründet die Kammer ihre Entscheidung. Die vorgesehene Höchstfrist von 30 Jahren ist verstrichen. Strafrechtlich blieb die Tat ungesühnt, nun ist der Vater auch zivilrechtlich gescheitert, von Möhlmann muss jetzt zudem die Kosten des Verfahrens tragen.

Die Prozessbeteiligten sind zu dem Termin in dem nüchternen Büro nicht erschienen, es dauert auch nur wenige Minuten. „Wir werden den Eingang des schriftlichen Urteils abwarten und die Urteilsgründe sorgfältig prüfen“, hat Möhlmanns Anwalt Wolfram Schädler am Tag zuvor mitgeteilt. „Wir meinen aber bereits jetzt, dass die Frage, ob der Anspruch von Herrn von Möhlmann verjährt ist, obergerichtlich entschieden werden sollte.“ Weder Schädler noch Frederikes Vater wollten am Mittwoch weitere Erklärungen abgeben. Das Gericht hatte schon im August signalisiert, dass die Klage kaum Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

„Mein Mandant hatte nie die Gelegenheit, seinen Anspruch zu stellen, bevor er verjährt war“, hat Schädler argumentiert, der Täter sei ihm ja nicht bekannt gewesen. Von Möhlmann wollte mit der Zivilklage auf den Tod seiner Tochter aufmerksam machen. Frederike war am 4. November 1981 vergewaltigt und erstochen worden. Auf dem Heimweg von einer Chorprobe war sie als Anhalterin in ein Auto gestiegen. Der frühere Sozialarbeiter kämpft mit seinem Anwalt für eine Wiederaufnahme, er hat eine Petition für eine Gesetzänderung ins Netz gestellt. Erdrückende neue Beweismittel müssten berücksichtigt werden, fordert er, der Appell hat bereits mehr als 60 000 Unterstützer gefunden. Rechtsanwalt Matthias Waldraff vertritt den Beklagten. „Das Urteil der zweiten Zivilkammer entspricht meiner Erwartung und meinem Antrag“, sagte er nach der Entscheidung. „Das Gericht ist der eindeutigen Rechtslage gefolgt.

Mehr als 30 Jahre nach dem Vorfall ist Verjährung eingetreten.“ Von Möhlmann werde auch bei einer Berufung vor dem Oberlandesgericht in Celle scheitern, prognostizierte der Jurist. Das Gericht werde die Berufung ohne mündliche Verhandlung im Beschlusswege zurückweisen. Auch ein neuer Wiederaufnahmegrund bei Strafprozessen würde von Möhlmann nicht helfen, sagte Waldraff. „Selbst falls der Gesetzgeber eine solche Änderung veranlassen sollte, würde er rückwirkend davon nicht profitieren.“ Eine Gesetzänderung wäre verfassungskonform nur für zukünftige Fälle gültig. „Unverändert gilt: Der Beklagte hat als unschuldig zu gelten.Weder er noch seine Familie dürfen sozial geächtet werden“, betonte Waldraff.

dpa

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