Doppelmord von Lüneburg: Ehemann vor Gericht

Lüneburg - In Lüneburg werden zwei Frauen erstochen, der Ehemann eines der Opfer wird wegen Doppelmordes angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft soll die Tat auch religiöse Motive haben. Die Frau wollte zum christlichen Glauben übertreten und ihren Mann verlassen. Er ist Jeside.

Weil seine Frau zum Christentum übertreten und ihn endgültig verlassen wollte, soll ein Jeside in Lüneburg die 32-Jährige und ihre ein Jahr ältere Freundin erstochen haben. Der Mann muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Lüneburg verantworten, ihm wird Doppelmord vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft gestand der 38-Jährige, die Frauen am 4. Januar in der Wohnung des Ehepaares umgebracht zu haben.

Die Freundin soll er laut Anklage nach einem gemeinsamen Gottesdienstbesuch an dem Sonntag sogar extra eingeladen haben, um sie zu töten. Vorwand für die Einladung sei gewesen, er habe über den Gottesdienst sprechen wollen, hieß es bei Verlesung der Anklage am Dienstag. Dann soll der Mann die 33-jährige deutsche Freundin seiner Ehefrau „aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch durch mehrere Stiche mit einem Küchenmesser getötet“ haben, hieß es bei der Anklageerhebung im März. Der 38-Jährige soll der Frau dabei mindestens 18 Stiche versetzt haben, berichtete der Staatsanwalt am Dienstag. Der Angriff sei so heftig gewesen, dass mehrere Rippen durchtrennt wurden. Die 33-Jährige war Mitglied einer evangelischen Freikirche in Lüneburg.

Der Angeklagte soll sie dafür mitverantwortlich gemacht haben, dass seine bereits getrennt lebende Frau sich endgültig von ihm lösen und Christin werden wollte. Die Ehefrau werde nach dem Tod der Freundin aus Angst bei ihm bleiben, soll er laut Staatsanwaltschaft gehofft haben. Als sie aber um Hilfe rief, habe er auch die 32-Jährige getötet. Nach Angaben des Staatsanwaltes vom Dienstag stach der Angeklagte dabei 21 mal zu, dann sei er geflüchtet. „Er ließ die mit letzten Kräften um Hilfe rufende Frau zurück“, beschrieb der Vertreter der Anklagebehörde das Schreckensszenario. Nachbarn alarmierten schließlich die Polizei. Als die Beamten eintrafen, war es jedoch zu spät - auch Notärzte konnten die Sterbende nicht mehr retten. Ihre Freundin war da bereits tot.

Die drei Kinder des kurdisch-jesidischen Ehepaares waren bei der Tat acht, neun und elf Jahre alt. Die getötete Freundin der Frau hinterlässt zwei minderjährige Töchter. Unmittelbar nach der Tat war der 38-Jährige zunächst verschwunden, Zielfahnder konnten ihn schließlich am 23. Januar in Hamburg festnehmen. Nach früheren Angaben sollte der Angeklagte erst 31 Jahre alt sein. Bei der Flucht aus dem Irak sei das Geburtsdatum aber geändert worden, hieß es am Dienstag. Bereits kurz nach Beginn wurde das Verfahren unterbrochen, weil die Verteidigung erst Einsicht in Beweismittel nehmen wollte, die der Staatsanwaltschaft schon länger vorliegen.

Dabei geht es unter anderem um 22 CDs mit Handy-Überwachungsdaten. Am 28. Mai soll es weitergehen. Die als Schwurgericht tagende 10. große Strafkammer hat bis zum 23. Juli acht Prozesstage angesetzt. Der Angeklagte werde sich zu den Vorwürfen äußern, kündigte sein Verteidiger an.
dpa

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