Treffen im Westharz wahrscheinlich

Experten: Wölfe und Luchse können nebeneinander leben

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Im Westharz könnten sich Luchse und Wölfe bald begegnen.

St. Andreasberg - Sollten Wölfe und Luchse sich in Niedersachsen weiter ausbreiten, könnten die Raubtiere nach Ansicht von Experten schon bald gemeinsam in denselben Regionen existieren.

„Es gibt - etwa in Skandinavien - viele Lebensräume, in denen Luchs und Wolf zusammen vorkommen“, sagte der Leiter des Harzer Luchs-Programms, Ole Anders. Er erwarte jedenfalls nicht, „dass der Wolf in Niedersachsen spürbaren Einfluss auf die Luchs-Population nimmt“.

Auch die Wildbiologin Britta Habbe geht davon aus, „dass Wolf und Luchs hierzulande parallel vorkommen können“. Die Erfahrung zeige, „dass die Beutegreifer sich im Zweifel aus dem Weg gehen“, sagte die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft. Derzeit sind Wölfe nur in der nördlichen Hälfte von Niedersachsen sicher nachgewiesen.

„Die Siedlungsgrenze ist derzeit noch die Autobahn 2“, sagte Habbe. „Nördlich von Hannover beginnen die Wolfsvorkommen.“ Die Luchse kommen dagegen bislang nur im südlichen Landesteil vor. Fachleute gehen davon aus, dass sich dies bald ändern wird.

Wölfe im Westharz nur Frage der Zeit

Im Westharz, von wo aus die Luchse sich seit Beginn der Wiederansiedlung im Jahr 2000 immer weiter ausbreiten, ist zwar bisher noch kein Wolf sicher nachgewiesen worden. Im östlichen Teil des Mittelgebirges ist er dagegen bereits angekommen. Dort wurde im Frühjahr bei Ballenstedt (Sachsen-Anhalt) ein Tier anhand von Fotos eindeutig als Wolf identifiziert.

Bis auch im Westharz Wölfe leben, sei es nur eine Frage der Zeit, prophezeit jedenfalls ein Sprecher des Nationalparks. Dort wird der Wolf auf Luchse treffen. Insgesamt leben im Harz nach einer aktuellen Hochrechnung mittlerweile etwa 90 Luchse.

„Wenn es im Konfliktfall dann hart auf hart kommt, würde ein Luchs gegen einen Wolf wahrscheinlich den Kürzeren ziehen“, meint Wildbiologin Habbe. Denn Wölfe seien in der Regel stärker als Luchse. „Theoretisch ist es deshalb denkbar, dass ein einzelner Luchs, der sich nicht besonders geschickt verhält, in ein Wolfsrudel gerät und dann sein Leben lässt“, sagte Luchs-Experte Anders.

Wolf und Luchs gehen sich wohl aus dem Weg

Doch dass dies öfter passieren könnte, glaubt er nicht. Denn Wolf und Luchs gingen sich im Prinzip aus dem Weg. „Und solange ein Baum in der Nähe steht, kann sich ein Luchs immer nach oben flüchten, wenn es unten brenzlig wird.“

Unklar sei, wie es sich auf die Population der Beutetiere auswirkt, wenn Luchs und Wolf im selben Revier jagen, sagte Habbe. „Das kann man in unserer Kulturlandschaft vorher nur schwer abschätzen. Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt.“ Ob dann tatsächlich Platz ist für beide Arten nebeneinander, werde sich zeigen. Sie selbst gehe davon aus, dass Wolf und Luchs sehr gut parallel vorkommen können.

dpa

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