Luchse locken Besuchermassen an die Rabenklippen

+
Ein Luchs geht in einem Luchsgehege nahe der Rabenklippen bei Bad Harzburg (Niedersachsen). Ursprünglich war das Luchsgehege des Nationalparks Harz nur als Provisorium auf Zeit geplant. Im Laufe der vergangenen Jahre ist die Anlage zum Touristenmagneten geworden. 

Bad Harzburg - Von Matthias Brunnert. Ursprünglich war das Luchsgehege des Nationalparks Harz nur als Provisorium auf Zeit geplant. Es kommt anders - die Anlage ist zum Touristenmagneten geworden.

"Alice" und "Ellen" rekeln sich im Halbschatten. Dass sich vier, fünf Meter von ihnen entfernt Neugierige drängen und fortwährend Kameras klicken, scheint die Luchs-Schwestern nicht zu stören. Die Raubkatzen sind Aufmerksamkeit gewöhnt. Das Luchs-Schaugehege des Nationalparks Harz an den Rabenklippen oberhalb von Bad Harzburg, in dem die beiden Luchse mit drei Artgenossen leben, ist eine Besucher-Attraktion. Allein zu den Schaufütterungen, die der Nationalpark zweimal pro Woche anbietet, kommen jedes Jahr weit mehr als 10 000 Gäste.

Diesmal - an einem ganz normalen Wochentag - sind gut 200 Interessenten zu den Rabenklippen gekommen. Jetzt lauschen sie den Erklärungen von Ralf Vojtisek. Der Forstwirt beim Nationalpark betreut das Schaugehege, seit es im Jahr 2000 eröffnet wurde. Er weiß alles über Luchse und antwortet geduldig. "Unsere Tiere bekommen vor allem Fallwild zu fressen", sagt der 49-Jährige. "Wenn Rehe, Wildschweine oder Hirsche von Autos überfahren werden, landet das Fleisch hinterher bei uns." Pro Tag benötigt ein Luchs etwa ein Kilogramm Fleisch.

"Ursprünglich wollten wir das Schaugehege nur vorübergehend unterhalten", sagt Ole Anders, der Leiter des Harzer Luchs-Projektes. Damit sollte das große öffentliche Interesse am Auswilderungsprogramm abgefedert werden. Denn: Man habe "ja nicht alle Leute zu dem geheimen Gehege führen können, wo die Luchse ohne Kontakt zu Menschen auf ihre Freilassung vorbereitet werden sollten".

Dieses geheime Auswilderungsgehege ist nicht mehr erforderlich. Denn die Wiederansiedlung des Luchses im Harz ist längst gelungen. Die Raubkatzen hätten nicht nur das gesamte Mittelgebirge, sondern auch viele angrenzende Regionen für sich erobert, sagt Anders. "Das Interesse am Schaugehege hat trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - nicht abgenommen. Im Gegenteil."

Besucher kämen teils von weither, um die Luchse zu beobachten, sagt Detlef Kaczmarek von den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Bad Harzburg - und freut sich. Denn der Tourismus in der Region profitiere stark. Zu Schaufütterungen während der Ferienzeiten drängten sich bisweilen 300 oder 400 Menschen am Gehege.

"Die insgesamt mehr als 10 000 Gäste bei den Schaufütterungen sind aber nur ein kleiner Teil der jährlichen Besucher", sagt Ole Anders vom Nationalpark. Die Zahl der Menschen, die die Luchse zu anderen Zeiten beobachten, sei um ein Vielfaches höher. Der Nebeneffekt: Die fünf Tiere an den Rabenklippen seien wahrscheinlich die am meisten fotografierten und gefilmten Luchse in ganz Deutschland.

An diesem Tag dauert es gut 20 Minuten, bis Vojtisek die Fragen der Besucher beantwortet hat. Dann holt er die Kiste mit dem Fleisch, öffnet die Futterluke im Zaun und wirft ein paar Brocken ins Gehege. Ganz ruhig schnappen sich "Alice" und "Ellen" ihren Anteil, drehen den Besuchern das Hinterteil zu und beginnen zu fressen. Dann taucht Mitbewohner "Paul" auf. Auch er sichert sich einen Brocken und zieht sich zum Fressen zurück.

Ob die Luchse eigentlich gefährlich seien, will eine Besucherin wissen. "Nein", versichert Vojtisek. Es sei kein Fall bekannt, in dem ein Luchs einen Menschen angegriffen habe. Aber der Zaun sei doch so massiv. Warum denn? "Nicht wegen unserer Luchse", sagt Vojtisek. Aber manchmal pirschten freilebende Artgenossen um das Gehege, wenn sie auf Brautschau seien. Als der Zaun noch weniger stark war, habe es einmal ein wilder Luchs geschafft, in das Gehege einzubrechen. "Das kann jetzt nicht mehr passieren". dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Wie passt der Weihnachtsbaum zum Klimawandel?

Wie passt der Weihnachtsbaum zum Klimawandel?

Mindestens fünf Tote bei Vulkanausbruch in Neuseeland

Mindestens fünf Tote bei Vulkanausbruch in Neuseeland

Weihnachtsmarkt in Martfeld

Weihnachtsmarkt in Martfeld

„ABBA – The Tribute Concert“ in der Mensa

„ABBA – The Tribute Concert“ in der Mensa

Meistgelesene Artikel

18-Jähriger prallt gegen Baum – Auto wird völlig zerstört 

18-Jähriger prallt gegen Baum – Auto wird völlig zerstört 

Wegen Schädlingsbefall: Fleischlieferant Bley stoppt Produktion

Wegen Schädlingsbefall: Fleischlieferant Bley stoppt Produktion

Ein Ausflug mit dramatischen Folgen: Ponys büxen aus und rennen auf Landstraße

Ein Ausflug mit dramatischen Folgen: Ponys büxen aus und rennen auf Landstraße

Sexuelle Übergriffe gehören für viele Jugendliche zum Alltag

Sexuelle Übergriffe gehören für viele Jugendliche zum Alltag

Kommentare