Prostituierte schützen

Experten fordern sichere Plätze für Lovemobile

Gifhorn - Die Lovemobile an der Bundesstraße 188 sollen verschwinden, weil sie Unfälle auslösen. Dass damit die Prostitution ebenfalls verschwindet, glaubt niemand. Experten fordern sichere Plätze für die Frauen.

Für die Prostituierten, die ihre Lovemobile vom Straßenrand an der B188 im Landkreis Gifhorn entfernen müssen, werden andere sichere Plätze gefordert. "Es wäre hilfreich, Alternativen zu suchen", sagte Undine de Rivière vom Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen. Es sei unwahrscheinlich, dass es in der Nähe keine anderen Plätze gebe, wo die Wagen sicher stehen könnten.

"Es kann schon der Eindruck entstehen, dass nach einem Instrument gesucht wurde, die Sexarbeit dort zu verdrängen", sagte Dorothee Türnau vom Verein Phoenix, einer Beratungsstelle für Prostituierte in Hannover. Auch sie spricht sich dafür aus, mit den Betroffenen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. "Es geht dabei um Arbeitsplätze. Und es ist nie gut, wenn Arbeitsplätze verschwinden", sagte sie.

Lovemobile: Gefahr für den Straßenverkehr

Die Landesbehörde für Straßenbau hatte beschlossen, die Lovemobile an der Bundesstraße nicht mehr zu dulden, weil sie aus ihrer Sicht ein Unfallrisiko darstellen. Die Halter werden derzeit aufgefordert, die Wohnwagen zu entfernen.

Ausschlaggebend dafür sei nicht etwa das Ziel, die Prostitution zu beenden. "Für uns steht die Verkehrssicherheit ganz oben", betonte Michael Peuke von der Straßenbaubehörde. In einem Bereich mit auffallend vielen Lovemobilen habe es im vergangenen Jahr 13 Unfälle mit Schwerverletzten gegeben, sagte Winfried Enderle von der Gifhorner Polizei. "Eine vergleichbare Häufung haben wir im ganzen Landkreis nicht."

Sexarbeit versetzen

Einigkeit herrscht darüber, dass die Prostitution mit der Verbannung der Lovemobile nicht beendet wird, sondern nur an einen anderen Ort kommt. "Wir versprechen uns aber vom neuen Prostituiertenschutzgesetz eine deutliche Verbesserung zum Schutz von Frauen in Prostitution", sagte Gifhorns Landrat Andreas Ebel. Das Bundesgesetz tritt im Juli in Kraft und verlangt unter anderem, dass Prostituierte ihr Gewerbe anmelden müssen und eine Erlaubnis brauchen.

Für Niedersachsen ist geplant, die Aufgaben nach dem Gesetz auf die Kommunen zu übertragen, heißt es aus dem Sozialministerium. "Wichtig ist, dass die Prostitution nicht in Bereiche abgedrängt wird, in denen sie sich jeglicher staatlicher Kontrolle entzieht. Die Frauen müssen vielmehr vor Unterdrückung, Ausbeutung und Menschenhandel geschützt werden", sagte Ministerin Cornelia Rundt (SPD).

Sorgen um Kriminalität

Die Prostituierten-Beraterin Türnau hat ihre Zweifel. Für sie fehlen bisher konkrete Bestimmungen zur Ausführung des Gesetzes. "Das führt zu großer Verunsicherung im Milieu", sagte sie. Es sei zu befürchten, dass nicht alle Sexarbeiter diesen Auflagen nachkommen. "Wenn sie dennoch arbeiten, tun sie das illegal und werden so kriminalisiert."

Brandstiftung an Lovemobilen 

Die Wohnwagen der niedersächsischen Prostituierten werden immer wieder in Brand gesetzt. Erst im März ist ein Lovemobil in Eystrup abgebrannt. Dort haben Unbekannte mittlerweile Sand und einen Baumstamm abgeladen, sodass dieser Platz nun belegt ist.

In Laatzen sind Anfang des Jahres gleich drei Prostitutions-Mobile abgebrannt.  

Rubriklistenbild: © dpa

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