Sportler testen nachgebaute Speere

Neue Studie zeigt: Neandertaler töteten auch auf große Distanz

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Neandertaler waren laut einer britischen Studie durchaus in der Lage, mit Speeren Tiere auf Distanz zu töten.

London/Schöningen - Schon der Neandertaler war in der Lage, Beute auf große Distanz zu erlegen.

Zu dieser Erkenntnis sind Forscher des University College London in einer originellen Studie gekommen, für die sie trainierte Athleten Nachbauten der berühmten Schöninger Speere werfen ließen, die bei Helmstedt gefunden wurden. Das Ergebnis: Die Sportler konnten Ziele bis auf eine Entfernung von 20 Metern treffen - und das mit einer Wucht, die ein Beutetier getötet hätte.

Bislang ging man davon aus, dass der Neandertaler, ein ausgestorbener Verwandter des modernen Menschen, seine Waffen nur in einem begrenzten Radius einsetzen konnte: indem er etwa seiner Beute einen tödlichen Stoß versetzte oder seinen Speer auf kurze Distanz warf.

Die Forscher ließen zunächst eine exakte Replik eines Schöninger Speers anfertigen. Diese Wurfspeere aus der Altsteinzeit wurden zwischen 1994 und 1998 bei Ausgrabungen im Braunkohletagebau Schöningen gefunden. Die etwa 300.000 Jahre alten, aus Fichten- und Kiefernholz gefertigten Waffen gelten als älteste vollständig erhaltene Jagdwaffen der Welt.

Sechs Speerwerfer im Einsatz

Die per Hand aus Fichtenholz gefertigten Speere wogen zwischen 760 und 800 Gramm, was dem Gewicht der Originale nahe kommt. Im Anschluss testeten sechs Speerwerfer, ob die Waffen genutzt werden konnten, um ein Ziel auf Distanz zu treffen. Dafür warfen sie die Speere auf Heuballen, die in unterschiedlicher Entfernung platziert waren.

Das Resultat: Die Sportler trafen die Heuhaufen bis auf 20 Meter recht genau, und das mit einer Wucht, die für ein Beutetier tödlich gewesen wäre. Für Studienleiterin Milks ist das ein klarer Beleg dafür, dass der Neandertaler durchaus technologisch geschickt und in der Lage war, Großwild mit verschiedenen Strategien zu jagen.

„Neandertaler“ alles andere als ein Schimpfwort

Entsprechend interessant ist die Studie aus London für den Leiter der Grabungen in Schöningen. „Die Arbeit ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Menschen vor 300.000 Jahren dem modernen Menschen nicht nur ein wenig ähnlich waren, sondern in vielen Aspekten sogar identisch, wenn man etwa ihre motorischen Fähigkeiten betrachtet.“ Daher sei die Arroganz des Homo sapiens unangebracht, der „Neandertaler“ als Schimpfwort benutze.

Ähnlich äußert sich Felix Hillgruber, Kurator am Paläon, dem eigens für die Speere gebauten Museum und Forschungszentrum: „Die Studie erlaubt uns, ein besseres Bild von der Vergangenheit zu zeichnen.“

dpa

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