Deichschafe treten als Küstenschützer auf

Löcher stopfen und rumblöken

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Emden-Petkum - Von Hans-Christian Wöste. Die Ziege meckert, die Kuh muht, und das Schaf mäht - falsch: Letzteres macht nur der Rasenmäher. Das Schaf blökt natürlich, und im Stall von Bernhard Sprenger gleich vierhundertfach.

Der Deichschäfer im ostfriesischen Petkum bei Emden hat jetzt vor Ostern viel zu tun. Es ist Lammzeit, und überall in den strohgefüllten Boxen macht der struppige Nachwuchs die ersten Gehversuche.  „Mutterschafe und Lämmer sind nur wenige Wochen im Stall, danach geht es raus auf die Weiden, bis zum nächsten Februar“, beschreibt Sprenger (46) den Jahresplan für die Herde. Dabei gilt jedoch eine kleine, aber massive Einschränkung: Das junge Leben der meisten Lämmer endet bereits nach einem halben Jahr. Sprenger, seine Frau Melanie (34) und Sohn Lukas (14) packen die Tiere dann zu ihrer ersten und letzten Fahrt ins Auto. Per Kleintransporter und Anhänger geht es zum Schlachter ins Ruhrgebiet, dort gibt es die meisten Abnehmer für das zarte Fleisch.

Doch zuvor müssen die Tiere noch eine tragende Rolle spielen. Sie halten die Grasnarbe auf den Deichen zwischen Petkum und Leer schön kurz und verdichten mit ihren Huftritten den Boden. Sogar Löcher von Wühlmäusen und Maulwürfen werden so wieder gestopft. Die Schafe stehen also mit an vorderster Front im Kampf für den Küsten- und Hochwasserschutz der Deichverbände.

Niedersachsens Schafe schützen die Deiche

Und was passiert, wenn irgendwann ein Wolf bis an die Küste vordringt und Schafe reißt? „Noch ist das hier kein Thema, aber wir müssen damit rechnen,“ sorgt sich Sprenger. Herdenschutzhunde seien keine Lösung, denn die könnten ja auch Urlauber auf den Deichen angreifen. Und Esel als Wächter vor Wolfsattacken seien auch nicht erlaubt, denn Esel können den Deichboden zertrampeln.

Vor dem Wolf sehen manche Deichschäfer aktuell eine andere Gefahr oder vielmehr Konkurrenz aus der Luft: Gänse fressen ebenfalls das Gras auf den Deichen und hinterlassen ihren Kot auf den Weiden - „Genau wie die Schafe“, kontern Naturschützer. Sie ärgern sich über Vogelscheuchen von Schäfern, um die Gänse zu vertreiben, anstatt ein friedliches Miteinander auf den Deichen zu pflegen.

Im Stall von Familie Sprenger freuen sich die Zwillinge Ben und Melissa (fast 3) über ein Lamm, das an einer Milchflasche nuckelt. Gestern wirkte es noch schwächlich, heute saugt es gierig am Schnuller. „Für die Kinder ist das hier wie ein großer Spielplatz. Selbst wenn ein Tier stirbt, gehört das irgendwie dazu“, sagt Mutter Melanie. Sie kennt ältere Kinder, die sich über die abgedruckte Kuh auf der Milchpackung im Supermarkt wundern: „Die wussten wirklich nicht, woher die Milch tatsächlich kommt.“

Urlaub kennt Familie Sprenger nicht mehr, denn die Schafe müssen auch auf der Weide täglich kontrolliert und versorgt werden. „Klauen schneiden, eine Wurmkur, oder auch mal ein totes Schaf entsorgen - das gehört alles dazu“, sagt der Deichschäfer. Vor seinem Haus führt die Weide über eine schräge Fläche bis hinauf zum Dach. Wenn dort nachts Schafe herumtrippeln, ist das bis ins Schlafzimmer zu hören. So gehen dem Ostfriesen die Tiere selbst im Schlaf nicht mehr aus dem Kopf.

dpa

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