Letztes Mittel gegen Corona?

„Lockdown für ganz Deutschland“: Top-Virologen mit drastischem Appell

Ist der Lockdown das letzte Mittel, um das Corona-Infektionsgeschehen einzudämmen? Führende Virologen in Deutschland sind sich einig. Ihre Pandemie-Statements.

Berlin – Die mittlerweile vierte Corona-Welle wütet schier unaufhaltsam in Deutschland. Infektionszahlen steigen permanent an*, die Sieben-Tage-Inzidenz bleibt hoch und die Lage auf den Intensivstationen spitzt sich zu*. Deswegen wird lautstark ein bundesweiter Lockdown gefordert. Nun verschaffen sich Top-Virologen des Landes Gehör und begründen, warum sie keinen anderen Pandemie-Ausweg mehr sehen.

Virologe:Christian Drosten
Geboren:12. Juni 1972 (Alter 49 Jahre), Lingen (Ems)
Ausbildung:Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994–2000) u.v.m.

Lockdown in Deutschland: Letztes Mittel zur Coronavirus-Bekämpfung?

Alleine am Samstagmorgen, 27. November 2021, musste das Robert Koch-Institut (RKI) 67.125 Corona-Neuinfektionen vermelden. Der Trend zeigt im negativen Sinne nach oben, die Zahlen steigen in besorgniserregende Höhen an. Hinzukommt, dass eine aggressive Coronavirus-Variante aus Südafrika* weitere Sorgen bereitet.

Führende Virologen aus Deutschland wie Christian Drosten und Alexander Kekulé sprechen sich für einen erneuten Lockdown aus. (kreiszeitung.de-Montage)

Als fast schon letztes, vermeintlich probates Mittel zur Pandemie-Bekämpfung steht ein erneuter Lockdown für ganz Deutschland im Raum. Auf der Bundespressekonferenz am 26. November wollte der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)* dieses Wort zwar nicht in den Mund nehmen. Doch wurde schnell klar, worauf er mit folgender Aussage anspielte:

Die Zahl der Kontakte muss runter, deutlich runter. Es nützt alles nichts.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht über das Corona-Infektionsgeschehen und hält einen erneuten Lockdown für nicht ausgeschlossen

Top-Virologen sprechen sich für bundesweiten Lockdown aus – vierte Corona-Welle sei sonst nicht mehr aufzuhalten

Derweil haben sich viele renommierte Virologen aus Deutschland zu einem möglichen Lockdown in Deutschland geäußert. Der Grundtenor ist dabei oftmals der Gleiche: Es muss ein Lockdown für Ungeimpfte wie in Österreich* her – oder eben direkt ein Lockdown für alle Bundesbürger.

„Wir müssen uns eingestehen, dass sich die vierte Welle ohne vollständigen Lockdown* nicht mehr aufhalten lassen wird“, heißt es beispielsweise vom Epidemiologen Alexander Kekulé gegenüber „Focus Online“. Für ihn steht fest, dass es gegenwärtig nur noch wenige Optionen gebe, um Ältere und Menschen mit einem schwachen Immunsystem zu schützen.

Virologe Friedemann Weber vertritt dieselbe Meinung. „Am effektivsten wäre ein Lockdown für ganz Deutschland“, heißt es von ihm im Gespräch mit „Focus Online“. Lokale Lösungen würden nicht ausreichen, wozu er beispielsweise die flächendeckende Einführung der 2G-Regel* zählt. Schon Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte dies als zu schwach bezeichnet und einen erneuten Lockdown nicht kategorisch ausgeschlossen*.

„Wir sind schlimmer dran als vor einem Jahr“: Virologe Christian Drosten erwartet „Shutdown-Maßnahmen“

Das Wort „Lockdown“ wird von Christian Drosten, Virologen der Berliner Charité*, zwar nicht explizit verwendet. Doch erwarte er einen sehr anstrengenden Winter „mit neuen, sagen wir ruhig: Shutdown-Maßnahmen“. Schon Mitte November hatte Drosten in seinem NDR-Podcast vor der extremen Ausbreitung vom Coronavirus gewarnt.

Wir sind schlimmer dran als vor einem Jahr.

Virologe Christian Drosten spricht in seinem NDR-Podcast über das Corona-Infektionsgeschehen im Winter 2021

Für den Virologen steht fest, dass Impflücken geschlossen werden müssen. Doch müsse auch an kurzfristige Maßnahmen gedacht werden, „die wir eigentlich hofften, hinter uns zu haben“. Die 2G-Regel, wie sie bei Friseuren gilt oder die 3G-Regelung, wie sie am Arbeitsplatz* und in Bus und Bahn zur Pflicht geworden ist*, würde nicht ausreichen.

Lockdown nur auf regionaler Ebene? Virologe Hendrik Streeck will „unterschiedlich hart“ vorgehen

Auch Timo Ulrichs plädiert für konsequentere Pandemie-Maßnahmen. Der Infektionsepidemiologe von der Akkon Hochschule Berlin spricht davon, „dass wir in eine Situation hineinlaufen und wahrscheinlich nur noch der Lockdown* die Trendwende bringen wird“. Im Gespräch mit „Focus Online“ verwendet Ulrichs auch den Begriff „Notbremse“, die als letztes Mittel womöglich betätigt werden muss.

Während über Corona-Maßnahmen auf Bundesebene diskutiert wird, fällt Hendrik Streeck mit seiner Forderung ein wenig aus der Reihe. Der Virologe von der Universität Bonn ist zumindest für eine regionale Notbremse. Bedeutet, dass man „unterschiedlich hart in den verschiedenen Regionen vorgehen“ solle.

Im selben Zuge spricht Streeck über „die dringende Empfehlung zur starken Kontaktbeschränkung, Absage von Großveranstaltungen*, Schließung von Bars und Clubs“. Hier sei schlichtweg zu spät reagiert worden. Sein Credo: „Je höher die Infektionszahlen werden, desto härter muss man dagegen vorgehen“. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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