Covid-19-Pandemie

Corona-Lage in Deutschland: Spahn schließt bundesweiten Lockdown nicht aus

Die Aussage zur Corona-Lage in Deutschland ist deutlich. Der Bundesgesundheitsminister will einen bundesweiten Lockdown auch nicht mehr ausschließen.

Berlin – „Es ist zehn nach zwölf!“, sagte Jens Spahn (CDU) eindringlich bei der Pressekonferenz zusammen mit dem Chef des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler zur Einschätzung der Corona-Lage in Deutschland. „Innerhalb von vier Wochen hat sich die Inzidenz verfünffacht.“ Deutliche und klare Worte des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers und CDU-Politikers, die mit einem Auge wohl auch auf die neuen Corona-Regeln schielen, die die Ampel-Koalition in Kraft setzen will.

TagNeuinfektionen | Todesfälle | Inzidenz
Freitag (19.11.2021)52.970 | 201 | 340,7
Donnerstag (18.11.2021)65.371 | 264 | 336,9
Mittwoch (17.11.2021)52.826 | 294 | 319,5
Dienstag (16.11.2021)32.048 | 265 | 312,4
Montag (15.11.2021)23.607 | 43 | 303,0

Kritische Corona-Lage: Jens Spahn spricht sich für Kontaktbeschränkungen aus – „Ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt“

Doch damit nicht genug. „Die Wahrheit ist, allein mit Impfen und Boostern werden wir die Welle nicht mehr brechen“, schätzt Spahn die kritische Corona-Lage ein. Es brauche Kontaktbeschränkungen, um gleichzeitig auf die prekäre Lage in den Kliniken hinzuweisen. „Ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt, und es wird sehr schwierig“.

RKI-Chef Lothar Wieler konnte sich da nur anschließen. Patienten mit einem Schlaganfall etwa könnten sich vielerorts nicht mehr behandeln lassen. Insgesamt seien 15 Prozent der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Dieser Umstand bedeute, dass eben auch andere Menschen in einigen Kliniken nicht mehr optimal versorgt werden können.

Weiter appellierte Wieler: „Man muss jetzt die Kinder und ältere Menschen schützen.“ Man müsse jetzt das Ruder herumreißen, „wir dürfen keine Zeit verlieren.“ Diese verlor jedenfalls nicht der Bundesrat, der die neuen Corona-Regeln ohne Veto durchwinkte, die bereits gestern im Bundestag infolge des neuen Infektionsschutzgesetzes mit 3G am Arbeitsplatz und Homeoffice-Pflicht beschlossen worden waren.

Impf-Tempo nimmt laut Spahn wieder zu – 5,2 Millionen Auffrischungsimpfungen sind bereits verabreicht

Spahn zum Thema Impfen: In der nächsten Woche werden über sechs Millionen Impfdosen ausgeliefert, in den vergangenen Wochen seien es vier gewesen. „Wir haben über 45.000 Arztpraxen, die sich an den Auffrischungsimpfungen beteiligen.“ Die Tendenz gehe klar in die richtige Richtung. Das Tempo lege zu. 5,2 Millionen Auffrischungsimpfungen seien schon verabreicht worden. Nächste Woche werden über sechs Millionen Impfdosen ausgeliefert, sagt Spahn, um bei den Booster-Impfungen und Impfungen im Allgemeinen auf die hohe Nachfrage entsprechende Vorräte zu haben. In Bremen sind die Termine für Booster-Impfungen bis Weihnachten bereits ausgebucht.

Schlagen Alarm: RKI-Chef Lothar Wieler (links) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sehen die Corona-Lage in Deutschland mit großer Sorge.

„Impfungen und vor allem auch die dritte Impfung sind enorm wichtig“, sagt Wieler. Geimpfte erkrankten deutlich seltener schwer und müssten seltener ins Krankenhaus.

„Wenn Sie sich mit Risikogruppen treffen, machen Sie vorher einen Selbsttest, egal ob sie geimpft oder ungeimpft sind“, rät Wieler. Es brauche eine massive Kontaktreduktion. Großveranstaltungen müssen abgesagt werden, private Kontakte müssen so weit wie möglich reduziert werden, Kontakte in Innenräumen ebenso.

Spahn schließt Corona-Lockdown in Deutschland nicht aus

Auch im Hinblick auf noch härtere Maßnahmen will Gesundheitsminister Jens Spahn eine weitere Verschärfung der Corona-Maßnahmen nicht ausschließen. Neben 2G warb der CDU-Politiker bereits am Vortag für die 2G-Plus-Regel. Auch Wieler bekräftigte, dass die 2G-Regel sinnvoll sei, „in der aktuellen Situation reicht das aber nicht mehr“.

Auch ein bundesweiter Lockdown ist für Jens Spahn längst nicht vom Tisch. „Wir sind in einer Lage, wo man nichts ausschließen sollte.“

RKI-Präsident Wieler zur Corona-Lage: 110 Landkreise mit einer Inzidenz über 500 – „Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch“

„Wir haben aktuell 110 Landkreise mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 500, das sind rund ein Viertel der Landkreise. „Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch“, sagt er. Das belegen die Zahlen des RKI-Dashboards, auch wenn Niedersachsen im bundesweiten Vergleich noch auf dem drittletzten Platz hinter Schleswig-Holstein und Bremen rangiert, sieht die Lage auch in einer kreisfreien Stadt und einem Landkreis schon prekär aus.

Deutschlandweit registrierte das Robert Koch-Institut am 19. November 2021 bei den Corona-Zahlen in Deutschland 52.970 Covid-19-Neuinfektionen. Die bundesweite Inzidenz schießt damit auf einen Wert von 340,7. Darüber hinaus musste das Robert Koch-Institut 201 neue Corona-Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 vermelden.

Im Vergleich zum 18. November 2021 sind die erfassten Corona-Zahlen jedoch deutlich gesunken. Denn am Donnerstag vermeldete das RKI noch 65.371 Corona-Neuinfektionen, 264 Todesfälle und eine 7-Tage-Inzidenz von 336,9. Besonders prekär gestaltet sich die Lage weiter in Bayern mit einer Inzidenz von 625,3, Sachsen (593,6) und Thüringen (585,2)

Rki-Chef Lothar Wieler zweifelt an 2G-Regel und fordert Absage von Großveranstaltungen sowie Schließung von Clubs und Bars

Die 2G-Regel sei sinnvoll, „in der aktuellen Situation reicht das aber nicht mehr“, sagt RKI-Chef Wieler. Er bekräftigt seine Forderung, Großveranstaltungen abzusagen, Hotspots wie schlecht belüftete Clubs und Bars zu schließen und private Kontakte zu reduzieren.

„Wenn eine 2G-Regel nicht konsequent umgesetzt wird, dann kann sie auch nicht richtig wirken“, betont Wieler. Mit dieser Laissez-Faire-Haltung „muss Schluss sein“. Das gelte für alle Settings. Eine Regel, die nicht eingehalten werde, mache keinen Sinn. „Es wird ja teilweise suggeriert, dass die Maßnahme nicht wirkt. Aber wenn sie nicht eingehalten wird, kann sie nicht wirken.“

Reicht 2G und die 2G-Plus-Regel zum Brechen der vierten Corona-Welle?

Spahn schaltete sich ebenfalls ein. Ob 2G und 2G-Plus am Ende reiche, werde man in den nächsten Tagen und Wochen sehen. Spätestens am 9. Dezember gebe es dann bei einer erneuten Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) neue Maßnahmen. Eine genaue Prognose über die Effektivität der derzeitigen Corona-Maßnahmen ließ er hingegen offen. Klar ist jedoch, dass man erst in zehn, 14 Tagen sehen wird, wo man stehe. Die Höchstzahl an Intensivpatienten sei noch nicht erreicht.

Selbst wenn das Brechen der Welle gelinge, geht die Belastung weiter hoch. „Alle, die mit den Covid-19-Patienten arbeiten, haben eine enorm hohe Belastung.“ Und fand darüber hinaus weitere mahnende Worte. „Wir haben auch noch andere Patienten, als Covid-19-Patienten.“ Das dürfe man nicht vergessen.

Jens Spahn über Weihnachten 2021 und Corona: „Am Ende des Tages liegt es an uns“

Auf die Frage, wie Weihnachten 2021 aussehen wird, erklärte der CDU-Politker Jens Spahn: „Am Ende des Tages liegt es an uns.“ Wenn wir Kontakte deutlich reduzieren, könne der R-Wert auch wieder nach unten gehen.“

Optimismus hört sich anders an, aber wenn die Uhr bereits zehn nach zwölf zeigt, sind optimistische Worte an dieser Stelle wohl auch der falsche Zeitpunkt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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