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LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Bauarbeiten beginnen

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Von: Fabian Raddatz

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In Wilhelmshaven soll eine Flüssiggas-Anlage entstehen, doch die Deutsche Umwelthilfe geht gegen die Baugenehmigung vor.
Für den rund 370 Meter langen Anleger in Wilhelmshaven müssen 150 Stahlpfähle mit einer Länge von 50 Metern in den Meeresboden gerammt werden. Mit dem Flüssigerdgas soll die Abhängigkeit von russischem Erdgas verringert werden. © AFP

In Wilhelmshaven haben die Bauarbeiten für das Flüssiggas-Terminal begonnen – um unabhängiger von Russland zu werden. Umweltschützer schlagen Alarm.

Wilhelmshaven – Jetzt soll alles doch ganz schnell gehen: Wurden im vergangenen Jahr noch die Pläne verworfen, begannen nun an diesem Donnerstag, 5. Mai 2022, die Bauarbeiten für das LNG-Terminal in Wilhelmshaven. Mit dem schwimmenden Terminal für Flüssigerdgas will sich Deutschland unabhängiger vom russischen Erdgas machen. LNG-Terminals können „40 Prozent der russischen Erdgaslieferungen ersetzen“, heißt es.

„Wir haben eine gute Chance, das zu schaffen, was eigentlich in Deutschland unmöglich ist: Innerhalb von etwa zehn Monaten ein LNG-Terminal zu errichten, und es anzuschließen an die deutsche Gasversorgung“, sagte Habeck, der den Rammschlag von Bord eines Schiffes aus verfolgte. Begleitet wurde er von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Niedersachsen will LNG aus Wilhelmshaven vor dem nächsten Winter.

Baustart für das LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Deutschland erstes eigenes Flüssiggas-Importterminal

An dem neuen Anleger sollen möglichst noch Ende dieses Jahres erste Tanker mit tiefgekühltem LNG anlegen, das dort dann erwärmt. Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven soll ans Erdgasnetz gehen. Bei der Anlage handelt es sich um eine sogenannte FSRU (Floating Storage and Regasifaction Unit). Auch an anderen Standorten in Deutschland sind Terminals zum Import von LNG geplant, unter anderem im niedersächsischen Stade und in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein.

Deutschland verfügt bislang noch nicht über ein eigenes LNG-Importterminal. Wilhelmshaven habe im Moment die Nase vorn, Brunsbüttel sei aber nur kurz dahinter, so Habeck. Der Bund soll den Bau finanziell unterstützen. Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) sieht für die LNG-Terminals in Niedersachsen „beschleunigte Verfahren nötig“.

Ein weiterer möglicher Standort: Stade in Niedersachsen. Und die Pläne werden konkreter. Ein US-Konzern ist in Stade eingestiegen.

LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Umweltschützer schlagen Alarm

Die Deutsche Umwelthilfe verlangt einen Baustopp für das LNG-Terminal in Wilhelmshaven, weil diese ein Unterwasser-Biotop sowie Schweinswale gefährden könne. Habeck warnt dagegen vor gerichtlichen Klagen gegen den beschleunigten Bau der Anlage in Wilhelmshaven.

In der Sendung „RTL Direkt“ sagte der Grünen-Politiker am Mittwochabend: „Sollten wir die LNG-Terminals nicht haben, und sollte das Gas nicht aus Russland kommen, ist die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht gewährleistet.“ Fehlende Importkapazitäten wären dann ein Problem. „Im Zweifelsfall bringt uns eure Klage in größere Abhängigkeit von Putin“, sagte er in Richtung der Umwelthilfe. „Das solltet ihr nicht tun an dieser Stelle.“

Mit der Unterstützung von LNG-Vorhaben in Wilhelmshaven und Brunsbüttel sowie möglicherweise auch in Stade will der Bund sicherstellen, dass es in Deutschland möglichst rasch Alternativen zu russischem Pipeline-Erdgas gibt. Vorläufig sollen dafür auch erst einmal schwimmende Terminals installiert werden.

Habeck: „Ich liebe Schweinswale“

Bisher ist die Bundesrepublik hochgradig abhängig von Lieferungen des wichtigen Rohstoffs aus der Russischen Föderation. Beim Importstopp von russischem Gas stimmt Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann Deutschland auf den „Worst Case“ ein. Ein russisches Gas-Embargo wäre ein „Riesenfiasko“ für die Wirtschaft, sagt Volker Müller, Geschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN).

Aufgrund des hohen Zeitdrucks für eine Umstellung will das Land Niedersachsen nötigenfalls Genehmigungsverfahren stark vereinfachen und abkürzen – ein Punkt, der auch Kritik auslöst. So moniert die Umwelthilfe, der Baustart in Wilhelmshaven sei ohne Offenlegung der Unterlagen und Beteiligung von Umweltverbänden genehmigt worden. Man habe daher Widerspruch gegen den Bescheid des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eingelegt.

Hat wegen des LNG-Terminals in Wilhelmshaven Ärger mit der Umwelthilfe: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
Hat wegen des LNG-Terminals in Wilhelmshaven Ärger mit der Umwelthilfe: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). (kreiszeitung.de-Montage) © Bernd von Jutrczenka/Sina Schuldt/dpa

Habeck betonte, er verstehe die Anliegen der Umwelthilfe grundsätzlich. „Ich liebe Schweinswale, ich komme von der Küste, ich bin der größte Schweinswal-Fan in der Bundesregierung.“ Im Fall der LNG-Terminals aber müsse man dem überragenden Thema Energiesicherheit Vorrang geben: „Hier, Umwelthilfe – macht es nicht.“

Lies: Widerspruch der Umwelthilfe „bemerkenswert unangemessen“

Energieminister Lies nannte den Widerspruch der Umwelthilfe als „bemerkenswert unangemessen“. „Es arbeiten sehr viele Menschen Tag und Nacht unter Hochdruck daran, dass Deutschland möglichst schnell aus der russischen Umklammerung herauskommen kann beim Thema Gas“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Wilhelmshaven soll „zu einer Drehscheibe für saubere Energie für Deutschland“ werden. (Mit dpa-Material)

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