Mit der Lizenz zur Schatzsuche

300 Hobby-Archäologen sind in Niedersachsen unterwegs

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Harald Nagel (l), Geländetechniker des Landesamts für Denkmalpflege, erklärt Teilnehmer eines Kurses den richtigen Umgang mit einem Metalldetektor.

Hannover - Auf der Jagd nach Gold und Silber zerstören Raubgräber mit Metalldetektoren häufig Kulturdenkmäler. Das Land Niedersachsen will das verhindern und bildet deshalb ehrenamtliche Sondengänger aus.

Sie spüren Steinzeit-Werkzeuge auf, entdecken Goldschätze und stoßen auch manchmal auf Weltkriegs-Bomben: Rund 300 Hobby-Archäologen sind in Niedersachsen mit Genehmigung der Denkmalbehörden als Sondengänger unterwegs. Sie suchen mit ihren Metalldetektoren abgeerntete Felder nach Überbleibsel aus vergangenen Zeiten ab. 

„Bei den archäologisch relevanten Funden dominieren mittelalterliche und solche aus der Zeit der Römer und Germanen“, sagte Landesarchäologe Henning Haßmann der Deutschen Prese-Agentur. Allerdings handele es sich bei etwa 99 Prozent der Objekte um neuzeitlichen Metallschrott wie Kronkorken oder Schrauben.

Der illegalen Schatzsuche vorbeugen

Das Landesdenkmalamt bildet seit 2012 ehrenamtliche Sondengänger in Kursen aus - auch, um der illegalen Schatzsuche und Plünderei von Bodendenkmälern vorzubeugen. Die Kurse seien sehr gefragt, es gebe eine lange Warteliste, sagte Haßmann. Auf dem Programm des theoretischen Teils stehen das Denkmalschutzgesetz, die Gefahren etwa durch Bomben- oder Minenfunde sowie fachliche Tipps beim Unterscheiden zwischen wertlosen und historisch interessanten Funden. 

Neuzeitliche Metallgegenstände, die mit einem Metalldetektor gefunden wurden und archäologisch keinen Wert haben, liegen auf einer Hand.

Bundesweit haben die Denkmalbehörden große Probleme mit illegalen Schatzsuchern, die es vor allem auf Militaria wie Orden oder Munition abgesehen haben. Ohne Genehmigung mit einer Sonde loszuziehen, ist verboten. Vielen sei das gar nicht bewusst, sagte Haßmann. 

Ziel der Kurse sei deshalb auch, die Teilnehmer dafür zu sensibilisieren, dass sie möglicherweise wertvolle archäologische Fundstellen unwiederbringlich zerstören, wenn sie selbst zum Spaten greifen. Die Laien mit der Lizenz zur Schatzsuche arbeiten in Niedersachsen eng mit den Kommunal- und Bezirksarchäologen zusammen. Diese weisen ihnen Flächen zum Absuchen zu und bitten sie um ehrenamtliche Unterstützung bei Grabungen. 

Etwa einmal pro Monat ist Lutz Jaeger aus Deutsch Evern in der Nähe von Lüneburg mit seinem Metalldetektor unterwegs. „Ich sehe mich nicht als Schatzsucher, sondern als Hobby-Archäologe“, betont der 52-jährige Gymnasiallehrer. Einzelne Objekte bis zu einer Tiefe von 30 Zentimeter darf er selbst aus einem Acker entnehmen.

Aussicht auf besondere Funde macht Reiz aus

Doch er muss die Fachleute rufen, wenn er vermutet, dass etwa Reste einer ganzen Siedlung unter der Oberfläche liegen. Die Aussicht darauf, etwas Bedeutsames zu finden, macht für Lutz Jaeger den Reiz des Sondengehens aus. „Der Detektor ist für mich so etwas wie ein zusätzliches Sinnesorgan“, beschreibt er. Anhand der von dem Gerät angezeigten Zahlen und Töne können erfahrene Sondengänger voraussehen, was für ein Objekt sich im Boden verbirgt. 

Jaeger hat bereits einige frühmittelalterliche Fibeln entdeckt. Diese Gewand-Nadeln sind ein Hinweis darauf, dass die Dörfer in dem Gebiet älter sind als bisher gedacht. In Niedersachsen müssen Funde gemeldet und bei wichtigen Objekten für die wissenschaftliche Bearbeitung an die professionellen Archäologen ausgeliehen werden. 

Ansonsten gehört der entdeckte Schatz zur Hälfte dem Finder und zur Hälfte dem Grundstückseigentümer. Eine Goldmünze hat Jaeger einer Bäuerin geschenkt, auf deren Feld er suchen durfte. Funde von einzigartiger wissenschaftlicher Bedeutung können vom Land eingezogen werden. „In diesem sehr seltenen Fall bekommt der Finder einen angemessenen Finderlohn“, berichtet Landesarchäologe Haßmann.

Selten Funde von großer Bedeutung

„In Niedersachsen funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Denkmalbehörden, Archäologen und Sondengänger sehr gut“, findet Hendrik Altmann, der in der Samtgemeinde Flotwedel (Landkreis Celle) mit seinem Detektor unterwegs ist. 

Der 30-jährige angehende Steuerberater und Hobby-Heimatforscher hat bereits einen Ring gefunden, der vermutlich aus der frührömischen Eisenzeit stammt. Spektakuläre Entdeckungen sind selten. Den Silberschatz des Dänen-Königs Harald Blauzahn vor etwa zwei Wochen haben allerdings ein Hobby-Archäologe und ein Schüler mit ihren Metalldetektoren gefunden. 

In Niedersachsen wurde zum Beispiel das römisch-germanische Schlachtfeld am Harzhorn im Landkreis Northeim von Laien entdeckt. Es gilt als Jahrhundertfund.

dpa

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