Flüchtling zündet sich kurz vor Abschiebung an

Lingens Oberbürgermeister schockiert über Selbstmordversuch

Lingen - Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone (parteilos) hat sich nach dem Selbstmordversuch eines aus Marokko stammenden Asylbewerbers schockiert gezeigt. „Es ist erschreckend, dass dieser junge Mann keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat“, sagte Krone am Montag laut einer Stellungnahme.

Für viele Menschen in Lingen sei es ein Anliegen, die Flüchtlinge willkommen zu heißen. „Umso mehr macht es mich betroffen, dass in einigen Facebook-Gruppen teilweise rassistische und menschenverachtende Kommentare zu dieser Tragödie zu lesen waren“, sagte Krone. Der Asylbewerber kämpfte nach Polizeiangaben in einer Gelsenkirchener Spezialklinik noch um sein Leben. Der 36-Jährige hatte sich am Samstagabend in Lingen mit Benzin selbst angezündet. Wegen seines Wohnortes in Geeste war allerdings nicht die Stadt Lingen, sondern der Landkreis Emsland für ihn zuständig.

Der Mann sollte auf Anweisung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge nach Bulgarien gebracht werden. Weil er dort in die EU eingereist war, liege die Prüfung des Asylantrags nach dem Dubliner Abkommen in der Verantwortung der bulgarischen Behörden, sagte Landrat Reinhard Winter (CDU) laut Mitteilung. Der Landkreis leiste lediglich Amtshilfe für das Bundesamt und habe keine eigene Entscheidungskompetenz. Die Verzweiflungstat des Marokkaners habe er mit großer Bestürzung aufgenommen, sagte Winter: „Sie hat mich betroffen gemacht und es entsetzt mich, dass ein Mensch die Lösung für seine Probleme auf diese Weise sucht.“

In der Unterkunft des Marokkaners sei noch am Samstagabend ein Brief gefunden worden, in dem er seinen Selbstmord innerhalb von 48 Stunden angekündigt habe, sagte der Polizeisprecher. Über das Motiv könne er keine Angaben machen. Der Mann sollte am Montag abgeschoben werden. Nach Angaben des Geschäftsführers des Flüchtlingsrats Niedersachsen, Kai Weber, sind Selbstmorde bei Asylbewerbern Einzelfälle: „Vor zehn bis zwölf Jahren hatten wir im Landkreis Diepholz den Fall eines Roma, der sich vor der Ausländerbehörde mit Benzin übergossen und angezündet hatte. Das sind Gott sei Dank seltene Fälle.“ Es gebe allerdings auch Selbstmorde in der Abschiebehaft. Hintergründe des Lingener Falles seien dem Flüchtlingsrat noch nicht bekannt. dpa

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