Corona-Pandemie

Lieferengpässe zu Weihnachten: Fällt Fest in Deutschland dieses Jahr aus?

Weltweit wird mit Lieferengpässen gekämpft. Unter anderem ist die Herstellung von Unterhaltungselektronik wegen fehlender Chips in Gefahr. Fällt Weihnachten aus?

Hannover/Wiesbaden – Seit Wochen ist in England das Benzin knapp. Rund 22 Prozent der Tankstellen auf der Insel brauchen dieser Tage erst überhaupt nicht angefahren werden: sie haben schlicht kein Benzin in den Zapfsäulen. Die Folge sind kilometerlange Staus an den Tankstellen in den Innenstädten. Dabei kochen dann auch schon einmal die Gemüter über und es fliegen bisweilen sogar die Fäuste oder es werden Messer gezückt*. Doch nicht nur das ist ein Problem.

Land:Deutschland
Fläche:357.581 Quadratkilometer
Einwohner:83.155.031 (Stand: 31. Dezember 2020)
Regierungschefin:Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Auch die Supermarktregale in Großbritannien werden immer leerer. Die Containerhäfen weltweit sind so sehr überlastet, dass es bald zu viel schlimmeren Lieferengpässen kommen kann – auch für den Verbraucher und auch bei uns in Deutschland. Ein Grund: fehlende LKW-Fahrer. In England greift deswegen inzwischen sogar das Militär ein und beliefert Tankstellen*. Premier Boris Johnson rechnet mit Engpässen bis Weihnachten*.

Lieferengpässe in Deutschland: Auch hierzulande fehlen wie in England zehntausende LKW-Fahrer

Zwar sind wir in Deutschland nicht wie die Briten selber direkt vom Brexit betroffen, doch auch bei uns fehlen genau wie in England zehntausende LKW-Fahrer. Das beklagen die Branchenverbände landauf, landab.

Dabei gibt es die verschiedensten Faktoren, die mit in die Lieferengpässe weltweit reinspielen. Fehlende LKW-Fahrer und proppenvolle Containerhäfen sind lediglich zwei davon und auch schon genug. Ein weiteres richtig großes Problem: Es stehen beispielsweise auf der ganzen Welt aktuell nicht genügend Überseecontainer zur Verfügung, um Waren überhaupt zu verschicken. Dies ist immer noch eine direkte Folge der Havarie der „Ever Given“ im Suezkanal*. Dadurch drohen wichtige Versorgungsketten zu reißen.

Weltweit hat die Industrie und der Handel mit Lieferengpässen zu kämpfen. Unter anderem die Havarie der Ever Given im Suezkanal hat damit zu tun. Aber auch die Schließung chinesischer Hochseehäfen aufgrund von Corona haben einen enormen Anteil daran. (Symbolbild)

Und auch viele wichtige Rohstoffe fehlen aktuell an allen Ecken und Enden. Das alles könnte sich schließlich auch noch auf das Weihnachtsgeschäft auswirken und letztendlich steigende Preise für den Verbraucher bedeuten*.

Doch nicht nur durch die Havarie der „Ever Given“ ist der Schiffsverkehr weltweit gestört*. Die Schließung von Häfen in China, unter anderem befindet sich in Shanghai der größte Containerhafen weltweit, aufgrund der Corona-Pandemie sorgen erneut für das Stocken des weltweiten Handels. Nur dieses Mal dürfte der Dominoeffekt um einiges heftiger ausfallen, als es bei der Havarie der „Ever Given“ überhaupt der Fall war.

Lieferengpässe in Deutschland: Computerchip-Mangel gefährdet Produktion von Unterhaltungselektronik

So laufen aktuell in manchen chinesischen Häfen die Frachten alle auf einmal ein, die sonst verteilt über das ganze Jahr kommen. Die Folge: kilometerlange Staus auf den Wasserstraßen vor den Kais zur Abfertigung*. Bis zu 14 Tage liegen die Schiffe in manchen Regionen bereits vor Anker und konnten immer noch nicht ihre Ladungen löschen. Eine weitere Folge: überlastete LKW-Speditionen und proppenvolle Transportwege lassen die Frachtpreise enorm in die Höhe schießen.

Doch auch das ist noch nicht alles: Im Bereich der Unterhaltungsindustrie herrscht derzeit ein ganz akuter Mangel an Computerchips. Das heißt also, auch hier ist die künftige Produktion in Gefahr – etwa für Weihnachtsgeschenke wie beispielsweise die Playstation. Elektronikhändler wie Media Markt oder Saturn schlagen bereits Alarm und warnen vor Engpässen. Zwar seien die Lager noch gut gefüllt, aber eben auch nur „noch“. Einige Lieferanten haben gegenüber den beiden Ketten bereits signalisiert, dass es zu Engpässen etwa bei Smartphones, Tablets, Drucker, Geschirrspüler und Kühlgeräte kommen könnte.

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Was das bedeuten kann, sieht man aktuell sehr gut in der Automobilbranche. Da Halbleiter überall fehlen, können kaum noch Autos gebaut werden. Gerade erst musste Mercedes seine Zahlen zur Herstellung von Fahrzeugen im Jahr 2021 in seinem Bremer Werk halbieren. Bei Volkswagen stehen derzeit rund 130.000 Fahrzeuge auf dem Hof, die einfach nicht zu Ende gebaut werden können. Die Lage scheint kurz vor dem Weihnachtsgeschäft mehr als dramatisch zu sein. Auch Branchenriesen wie Automobilzulieferer Continental in Hannover ächzen unter den Lieferengpässen*.

Lieferengpässe in Deutschland: Institur für Weltwirtschaft warnt vor explodierenden Verbraucherpreisen

Und als ob das noch nicht genug wäre, warnt jetzt das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) auch noch vor explodierenden Preisen. Vincent Stammer von IfW sieht einen Preisanstieg zwischen „fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr“ kommen. Bestätigt wird diese Einschätzung von Importeuren für den Einzelhandel. „Wir werden Teuerungsraten von zehn bis 15 Prozent sehen“, zitiert das Handelsblatt mit Oliver Guttmann einen dieser Importeure. Seiner Meinung nach werden etliche Artikel nicht rechtzeitig bis zum Weihnachtsfest verfügbar sein. Und auch der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie warnt: „Es könnte sein, dass der Nachschub uns erst weit nach den Feiertagen erreicht“, so Geschäftsführer Ulreich Brobeil gegenüber n-tv.

Doch auch die Industrie ächzt unter den Lieferengpässen, die derzeit weltweit entstehen. Die deutsche Industrie hat im August einen herben Produktionsrückgang hinnehmen müssen. Die Gesamtproduktion fiel gegenüber dem Vormonat um 4,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit dem Einbruch während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020. Er fiel zudem wesentlich stärker aus als Analysten erwartet hatten. Schon am Mittwoch hatten Auftragszahlen enttäuscht und gezeigt, wie stark die Industrie derzeit unter den vielen Engpässen im internationalen Warenhandel leidet.

Lieferengpässe in Deutschland: Gesamtproduktion der deutschen Industrie sank im August um 4,0 Prozent

Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Produktion zwar um 1,7 Prozent. Die Erwartungen von Experten wurden aber auch hier klar verfehlt. Gegenüber Februar 2020, dem Monat vor dem Übergriff der Corona-Krise auf Deutschland, liegt die Gesamtherstellung 9,0 Prozent tiefer. „Die Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten erwiesen sich als gravierender als bislang angenommen“, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Grund der Engpässe sind unter anderem Nachwirkungen der Corona-Krise.

Der Einbruch verlief auf breiter Front und betraf fast alle Sektoren. Die Warenherstellung in der Industrie sank um 4,7 Prozent. Besonders deutlich verringerte sich die Herstellung von Investitionsgütern wie Maschinen. Am Bau ging die Aktivität um 3,1 Prozent zurück. Lediglich die Energieproduktion lag höher als im Juli.

Das Analysehaus Capital Economics sprach von wachsenden Ängsten vor einer „Flaschenhals-Rezession“, also einem wirtschaftlichen Einbruch infolge von Engpässen auf der Angebotsseite. Besonders stark betroffen davon sind die Autoproduktion und der Maschinenbau. Commerzbank-Analyst Ralph Solveen geht davon aus, dass in den kommenden Monaten mit keiner spürbaren Entspannung des Materialmangels zu rechnen sei. Daher dürfte die Industrie die deutsche Wirtschaft weiter bremsen. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de, merkur.de und 24auto.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa

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