Fristlos entlassen

Lehrer eines Gymnasiums im Bistum Hildesheim gesteht Missbrauch

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Ein Missbrauchsfall erschüttert die Marienschule in Hildesheim.

Hildesheim - Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Lehrer, der den Missbrauch einer Schülerin am katholischen Gymnasium in Hildesheim gestanden hat. Die Schulgemeinschaft ist schockiert. Hilfe in solchen Fällen bietet eine Ombudsstelle für Opfer. Sie hat viel zu tun.

Nach einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff an einer Schülerin hat das Bistum Hildesheim einen Lehrer eines katholischen Gymnasiums fristlos entlassen. Das teilte der Sprecher des Bistums, Volker Bauerfeld, am Dienstag mit. „Wir haben Strafanzeige gestellt. Er darf die Schule nicht mehr betreten.“ 

Die Eltern hätten die Marienschule in Hildesheim letzte Woche informiert. Der Mann habe gestanden. „Dass trotz intensiver Präventionsarbeit eine Jugendliche an der Marienschule Opfer eines sexuellen Missbrauchs geworden ist, schockiert und bestürzt mich“, sagte Bischof Norbert Trelle. 

Bischof Norbert Trelle zeigt sich schockiert über den Fall sexuellen Missbrauchs.

Das Alter des Lehrers und der Schülerin teilte das Bistum nicht mit. Weder Bistum noch Staatsanwaltschaft konnten zunächst Einzelheiten zu den Missbrauchsvorwürfen öffentlich machen. „Wir ermitteln wegen des Anfangsverdachts des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener“, sagte die Hildesheimer Staatsanwältin Christina Pannek der „Hildesheimer Allgemeinen Zeitung“.

Schülerschaft zeigt große Betroffenheit 

Der Lehrer kam zunächst nicht in Untersuchungshaft. Das Bistum wollte zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen keine weiteren Angaben zu dem sexuellen Missbrauch machen. Der Schülerin und ihren Eltern wurde umfassende Hilfe angeboten. 

Über das nicht zu duldende Vergehen sei die Schulgemeinschaft zutiefst erschüttert, teilte die Marienschule mit. Eltern und Schülern solle in der Situation alle Unterstützung zuteilwerden, die der Schule möglich sei. Bei Nöten und Sorgen stehe das Schulseelsorgeteam bereit. 

„Mit so einem Vertrauensbruch wird das Miteinander der Schulgemeinschaft stark belastet“, sagte Schulleiterin Eva-Maria Schleich der Zeitung. Nach Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen auch im Bistum Hildesheim wurde dort ein Präventionskonzept erstellt. Neben einer Präventionsbeauftragten gibt es einen separaten Ansprechpartner für Missbrauchsopfer. 

Umfassende Schulung für Kirchenbeschäftigte

Außerdem gibt es für Kirchenbeschäftigte einen Leitfaden mit klaren Richtlinien sowie eine Selbstverpflichtungserklärung, mit der Kirchenmitarbeiter versichern, keine seelische, körperliche oder sexuelle Gewalt auszuüben. Sämtliche Priester und alle, die in der Kirche mit Jugendlichen zu tun haben, werden geschult.

Zuletzt hatte das Amtsgericht Seesen im Februar einen 47 Jahre alten Lehrer wegen des sexuellen Missbrauchs einer 14 Jahre alten Schülerin zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Gegen den suspendierten Pädagogen läuft zudem ein Disziplinarverfahren. 

Vor zwei Jahren wurde gegen einen Berufsschullehrer in Hannover ermittelt, der Jugendliche missbraucht und im Gegenzug gute Praktikumsplätze in Aussicht gestellt haben soll. 

2011 wurde in Hannover ein damals bereits pensionierter Grundschullehrer wegen eines weit zurückliegenden Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ombudsstelle hat viel zu tun

Viel zu tun hat die 2012 geschaffene Ombudsstelle für Opfer von Missbrauch und Diskriminierung an Schulen, wie das Kultusministerium in Hannover mitteilte. So suchten 2015 mehr als 100 Schüler Rat in Fragen sexuellen Missbrauchs oder Distanzverletzung, in den beiden Vorjahr gab es jeweils rund 70 solcher Fälle. 

Rund 80 Beratungslehrer wurden landesweit zum Themenbereich sexueller Missbrauch geschult, außerdem gab es Coachings für Schulleitungen.

dpa

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