Mann niedergestochen

Lebenslang im Mordprozess gegen Zeitungsboten

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Das Landgericht Lüneburg hat einen ehemaligen Zeitungsboten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Lüneburg - Es ist ein Samstag in einem Lüneburger Wohngebiet, die Familie will schwimmen gehen. Doch dazu kommt es nicht mehr, nie mehr. Einer der beiden erwachsenen Söhne sieht, wie sein Vater mit dem Zeitungsboten streitet.

Plötzlich fliegen einige Ausgaben des kostenlosen Anzeigenblattes durch die Luft, der Vater ruft „Messer, Messer, Messer“. Der Austräger sticht mehrfach auf den 51-Jährigen ein, erst der herbeieilende Sohn kann dem 42 Jahre alten Mann das große Küchenmesser entreißen und ihn festhalten. Ein Nachbar hat die Schreie gehört und kommt zu Hilfe, er ist Arzt, doch es ist zu spät. Gut neun Monate später verurteilte das Landgericht Lüneburg den Zeitungsboten am Donnerstag zu lebenslanger Haft.

„Der Angeklagte ist schuldig des Mordes und der Bedrohung in drei rechtlich zusammenhängenden Fällen“, erklärte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch. „Das Ganze ist Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen“, sagte er. Schon am Boden fixiert soll der Bote laut Anklage die beiden Söhne und die Ehefrau des Opfers mit dem Tode bedroht haben. „Ich mach Euch alle platt“, habe er gerufen. Sechs Angehörige des Opfers traten als Nebenkläger auf.

Die Verteidigung hatte Freispruch aus Notwehr gefordert. Ihr Mandant sei vom späteren Opfer angegriffen und schon früher bedroht worden, erklärten die beiden Anwälte. Doch das Schwurgericht sah es anders. Nachdem es schon zuvor immer wieder Streitereien gegeben hatte, habe der Zeitungsbote die Belieferung der Familie mit dem Gratisblatt eingestellt. Das stieß auf den Unmut der Familie, am Tattag wird der Austräger erneut darauf angesprochen, es kommt zum Streit. Laut Anklage soll der Bote daraufhin extra nach Hause gefahren sein, um das Messer zu holen. Nach Angaben der Verteidiger hatte er es schon dabei, um damit die Zeitungspakete zu öffnen. Doch für das Gericht ist dieser Punkt nicht entscheidend.

„Ich bin der Herr über die Zeitungen“

„Ich bin der Herr über die Zeitungen“, hat sich der Bote nach Überzeugung des Schwurgerichts gedacht, als sich der Kunde bei der zweiten und diesmal tödlichen Begegnung am 1. April einfach ein Wochenblatt aus der Packtasche des Boten nehmen wollte. „Du bekommst keine Zeitung mehr“, sei seine Sanktion für die vorangegangenen Reibereien gewesen. Und so sticht er zu, der tödliche Stich ist nach Überzeugung des Gerichts von hinten geführt worden. Den auch in einer von den Anwälten verlesenen Erklärung des Angeklagten behaupteten Angriff durch den 51-Jährigen habe es nicht gegeben. „Sie haben schwerstes Unrecht auf sich geladen aus letztlich nichtigem Anlass“, schloss Kompisch.

„Ich habe mich nur gewehrt“, hatte der Angeklagte zuvor auch in seinem letzten Wort gesagt. Während des Verfahrens wirkte der Deutsche meist seltsam unberührt. Als „unverhältnismäßig gefasst“ hatte ihn einer der Polizisten kurz nach der Tat geschildert. „Es tut mit leid, dass er gestorben ist. Ich hatte Angst um mein Leben.“ Für den Fall einer Verurteilung hatte die Verteidigung am Donnerstag angekündigt, Revision einzulegen.

dpa

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