Gerichtsentscheidung erwartet

Der Lebensabend des letzten Menschenaffen an einem deutschen Zoo

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Zirkusdirektor Klaus Köhler mit Schimpanse Robby

Lüneburg - Um die zukünftige Unterbringung des wohl letzten Menschenaffen in einem deutschen Zirkus geht es am Donnerstag in Lüneburg.

Die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts soll entscheiden, ob das über 40 Jahre alte Schimpansenmännchen Robby in eine auf die Resozialisierung der Menschenaffen spezialisierte Einrichtung abgegeben werden muss.

Wäre eine Resozialisierung möglich?

Der Zirkusbetreiber hat gegen die vom Kreis Celle bereits im Herbst 2015 angeordnete Abgabe des Affen Klage eingereicht. Noch am Donnerstag werde wahrscheinlich ein Urteil fallen, sagte ein Gerichtssprecher. Für die anstehende Entscheidung hat das Gericht ein Gutachten eingeholt. Darin soll geklärt werden, ob Robby kastriert ist und ob er unter einer Verhaltensstörung leidet.

Wichtig ist dabei eine Prognose, ob der Versuch einer Resozialisierung in der Auffangstation Aussicht auf Erfolg hat und auch das Wohlergehen des Schimpansen auch langfristig sichern kann. Robby wurde in einem Zoo geboren und sehr früh von seinen Artgenossen getrennt.

„Das Haltungsverbot ist wie eine Enteignung“

Als Jungtier kam er zum Circus Belly. Dort wird er nach Angaben des Gerichts allein in einem rund 25 Quadratmeter großen Zirkuswagen sowie einem angrenzenden Außengehege gehalten und auch im Rahmen der Zirkusvorstellung zur Schau gestellt.

„Robby ist wie eins von unseren Kindern“, beteuerte Zirkusdirektor Klaus Köhler. „Das Haltungsverbot ist wie eine Enteignung“, sagte der 69-Jährige. „Robby war ungefähr vier Jahre alt, als er zu uns kam. Ich habe ihn jetzt seit 41 Jahren.“ Eine Resozialisierung ist für Köhler Unsinn. „Das gibt es nur in der freien Natur“, sagte er. „Hier geht es bestenfalls um die Möglichkeit einer Eingliederung mit einem Artgenossen“, so der Besitzer. „Er kennt nur Menschen, keine Artgenossen - da wäre er völlig überfordert.“

Gericht muss viele Faktoren berücksichtigen

Im Dezember 2015 hatte die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts in einem Eilverfahren entschieden, dass Robby zunächst bei seinem Besitzer bleiben darf, bis in der Hauptsache entschieden ist. Die Richter stellten dabei jedoch bereits fest, dass die Einzelhaltung des Schimpansen tierschutzwidrig sei. Eine Wegnahme des Tieres sei aber nur zulässig, wenn es erheblich vernachlässigt werde oder eine massive Verhaltensstörung vorliege. Dies sei noch zu klären, hieß es damals. Dabei müssten auch das Alter des Schimpansen und seine Bindung an die Halter berücksichtigt werden.

Tierschutzverbände fordern schon länger, die Haltung von Wildtieren in Zirkussen ganz zu verbieten. So appellierte die Organisation Vier Pfoten mit Blick auf die anstehende Entscheidung des Verwaltungsgerichts, mit dem Urteil ein entsprechendes Signal an die Bundesregierung zu senden. „Robby muss ein artgemäßer Lebensabend in der Auffangstation ermöglicht werden“, forderte Sprecherin Melitta Töller in Hamburg. „Auch der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus muss mit Artgenossen leben und darf nicht zur Schau gestellt werden“, forderte sie.

Robby trete nur noch selten auf, sagte Köhler. „Wir verbringen aber noch immer täglich viele Stunden mit ihm. Auch bei Autofahrten nehme ich ihn manchmal mit und die Enkel spielen mit ihm Tauziehen“, berichtete er. „Eine Entnahme wäre ein Todesurteil für Robby.“

dpa

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