Weniger Impfstoff-Lieferungen

Corona-Impfungen: Bund hält über eine Million Biontech-Dosen zurück

Laut einem Zeitungsbericht soll der Bund den Impfzentren und Ärzten mehr als eine Million Biontech-Dosen weniger als geplant ausgeliefert haben. Hausärzte sind empört.

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Hannover - Der Bund soll nach einem Zeitungsbericht mehr als eine Million Dosen des Corona-Impfstoffs von Biontech zurückhalten. Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums von Jens Spahn (CDU) schreibt, hat Biontech für diese Woche etwa 5,1 Millionen Dosen des Präparats namens „Comirnaty“ an den Staat geliefert. Spahns Ministerium stellt allerdings den Impfzentren der Länder und den Hausarztpraxen für die laufende Woche nur 3,9 Millionen Dosen zur Verfügung.

Impfstoff:Comirnaty
Hersteller: Biontech/Pfizer
Forschungsname: BNT162b2
Art des Impfstoffs: RNA
Applikationsform:Intramuskuläre Injektion

Dadurch verlangsamt sich die Impfkampagne, insbesondere bei den Hausärzten. So werden die Arztpraxen diese Woche nur 2,2 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs erhalten statt – wie von Spahns Ministerium ursprünglich angekündigt - 3,3 Millionen. Bei den Impfzentren werden wiederum 75.000 Dosen weniger bereitgestellt.

Bund hält Biontech-Impfstoff zurück: Hausärzteverband übt deutliche Kritik

Die Aufgabe des Bundesgesundheitsministeriums sei es, „die Mengen in die Arztpraxen so zu steuern, dass der Bedarf für Zweitimpfungen zu jedem Zeitpunkt gedeckt werden kann“, beantwortete eine Ministeriumssprecherin eine Spiegel-Anfrage. In den kommenden drei Wochen müssten überproportional viele Zweitimpfungen durchgeführt werden, fügte sie hinzu.
 
Der Bundesvorsitzende des deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, kritisierte das Vorgehen des Ministeriums. „So verlieren wir Zeit“, sagt er dem Spiegel. „Wieso muss jetzt etwas gebunkert werden, wenn vorher immer angekündigt wurde, dass im Juni mehr Biontech kommt?“

Dem Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) wird vorgeworfen, über eine Million Impfdosen von Biontech zurückzuhalten.

Auch die Aufteilung der Kürzungen hält Weigeldt für fragwürdig: „In vielen Impfzentren wird Biontech an ältere Mitbürger verimpft, die auch AstraZeneca bekommen könnten. Im Gegenzug müssen in den Praxen junge Frauen auf Biontech verzichten, obwohl es für sie etwas höhere Risiken bei AstraZeneca gibt.“

Bund hält Biontech-Impfstoff zurück: Bedarf wird in den nächsten Wochen steigen

In der kommenden Woche dürfte die Nachfrage gerade nach Biontech-Impfterminen nochmals hochschnellen. Am 7. Juni wird die Impfpriorisierung aufgehoben. Zugleich dürfen sich auch 12- bis 15-Jährige um Impftermine bemühen. Ebenfalls am Montag, 7. Juni fangen die Betriebsärzte mit den Impfungen an.

Verzögerungen bei den Impfstoff-Lieferungen haben unter anderem in Niedersachsen dazu geführt, dass die Erstimpfungen in den Impfzentren vorübergehend gedrosselt wurden. Mit Blick auf das Ende der Impfpriorisierung am Montag, 7. Juni hat die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) um Geduld gebeten, weil rund 590.000 Personen aus den priorisierten Gruppen noch auf den Wartelisten der Impfzentren stehen, der Impfstoff noch knapp sei und momentan viele Zweitimpfungen anfallen würden.

Erst vor wenigen Tagen hatte der ärztliche Leiter zweier Impfzentren in Niedersachsen, Jörn Jepsen, die Impfpolitik von Spahn kritisiert. „Der nächste Skandal ist doch die Tatsache, dass wir immer noch nicht genügend Spezialspritzen mit feineren Kanülen zur Verfügung haben“, sagte er.  „So gehen bundesweit Millionen Impfdosen verloren, weil die Reste weggeschüttet werden.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

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